Brief einer Mutter aus Cottbus beschreibt Horror-Zustände an Grundschule
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Ein offener Brief aus der Elternschaft der Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus sorgt für Aufsehen: Eine Elternsprecherin schildert darin aus der Perspektive einer Mutter einen Schulalltag, der von Angst, Gewalt und Drohungen geprägt sei. Adressiert ist das Schreiben an Politik und Verwaltung – verbunden mit der Forderung nach spürbarer Unterstützung.
In dem Brief heißt es, die Schule könne Eltern derzeit nicht mehr glaubhaft zusichern, dass ihre Kinder sicher seien. Wörtlich schreibt die Verfasserin: „Im Moment können wir dieses Versprechen nicht mehr guten Gewissens geben.“ Gleichzeitig warnt sie, der gesetzliche Auftrag zum Schutz der Kinder – körperlich wie seelisch – sei ohne zusätzliche Hilfe des Schulträgers kaum noch zu erfüllen.
Kinder fürchten sich vor Besuch der Schule
Eltern berichten demnach, dass viele Kinder inzwischen mit Bauchschmerzen und großer Furcht zur Schule gingen. Manche hätten Angst vor bestimmten Wegen rund um das Gelände oder vor Gruppen von Mitschülern. Besonders schwer wiege aus Sicht der Eltern, dass Kinder Vorfälle teils nicht mehr melden wollten – aus Sorge, anschließend selbst zur Zielscheibe zu werden. In dem Brief werden Drohungen zitiert wie: „Wenn du etwas sagst, bekommst du Schläge.“ Einige Familien begleiteten ihre Kinder deshalb wieder regelmäßig, andere hätten sie aus dem Hort abgemeldet.
Die Regine-Hildebrandt-Grundschule liegt im Stadtteil Sachsendorf und wird laut Elternangaben von rund 464 Kindern besucht. Etwa um die 40 Prozent der Schülerschaft hätten einen Migrationshintergrund, rund 38 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Vielfalt sei grundsätzlich eine Chance – aktuell würden die bestehenden Strukturen jedoch überfordert, so die Elternvertretung.
Rippenprellungen und Reizgas-Vorfall
Im Schreiben werden zudem konkrete Vorfälle aufgelistet: von schweren Verletzungen wie Rippenprellungen und einer Gehirnerschütterung bis hin zu einem Reizgasvorfall, nach dem mehrere Kinder medizinisch betreut werden mussten. Dazu kämen wiederholte Schläge, Tritte und Bedrohungen – aus Sicht der Eltern keine Ausnahmen, sondern eine Entwicklung, die sich über längere Zeit verfestigt habe.
Die Eltern fordern unter anderem mehr Sicherheitsmaßnahmen, ein verbindliches Maßnahmenpaket in Zusammenarbeit mit Jugendamt, Schulamt und Polizei sowie einen Ausbau der Schulsozialarbeit. In dem Brief wird deutlich gemacht, dass es aus Elternsicht nicht mehr um Ankündigungen gehe, sondern um schnelle, verlässliche Schritte.
Stadt Cottbus äußert sich
Die Stadt Cottbus hat inzwischen offiziell reagiert. Laut Stadtverwaltung sei der offene Brief eingegangen, es habe bereits erste Kontakte mit der Schulleitung gegeben und weitere Abstimmungen seien vereinbart – inklusive zusätzlicher Unterstützung. Gleichzeitig verweist die Stadt auf eine geteilte Zuständigkeit: Für Sicherheit und Maßnahmen seien Stadt und Staatliches Schulamt bzw. Bildungsministerium gemeinsam verantwortlich.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD)
In ihrer Einschätzung nennt die Stadt als Hintergrund eine zunehmende Impulsivität und Aggression im Schulalltag. Im Wortlaut heißt es:
„Die möglichen Reaktionen darauf erweisen sich jedoch als äußerst schwierig, da bspw. die Forderung von OB Tobias Schick nach einem gesellschaftlich neu justierten Umgang mit oft noch kindlichen mutmaßlichen Straftätern vom Gesetzgeber bzw. den Fachgremien weiterhin nicht geklärt wird. Kinder können somit weiterhin strafrechtlich nicht belangt werden. Zugleich ist immer auch der erzieherische Aspekt zu beachten. Oftmals fehlen zudem Einfluss und Vorbildwirkung von Eltern, Großeltern oder großen Geschwistern. Kurzfristig können Kinder zwar vom Schulbetrieb suspendiert werden, es besteht jedoch weiterhin die Schulpflicht. Es fehlt an Einrichtungen mit spezialisierten Pädagogen, die diese besonders schwer zu steuernden Kinder aufnehmen, sie somit außerhalb der Regelschule beschult werden. Ein Schulwechsel ist eine Option, würde aber Probleme wohl nur verlagern.“
Als nächste Schritte kündigt die Stadt unter anderem eine engere Abstimmung mit Schulleitung, Schulsozialarbeit und Sicherheitsdienst sowie weitere Gespräche mit Eltern und Sorgeberechtigten an – inklusive sogenannter Gefährderansprachen. Zudem werde geprüft, welche rechtlichen Möglichkeiten es gebe, bei anhaltenden Straftaten weitere Konsequenzen zu ziehen; zugleich betont die Stadt hohe rechtliche Hürden und dass viele Entscheidungen nicht allein in kommunaler Hand lägen.
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