Der Regenbogen-Antisemitismus: Wie die woke Ideologie zum Judenhass an Unis führt
Ein Beitrag von
Seit dem blutigen Krieg in Israel häufen sich die antisemitischen Vorfälle an den Universitäten. An der Freien Universität Berlin wurde ein jüdischer Student von einem arabischstämmigen Kommilitonen verprügelt. An der Humboldt Universität Berlin konnte eine Diskussion mit einer israelischen Richterin nicht stattfinden, weil Pro-Palästina-Aktivisten antisemitische Parolen skandierten. Und in den USA weigerten sich die Präsidenten der wichtigsten Elite-Unis, die Forderung, einen Genozid an den Israelis zu begehen, als Hassrede zu verurteilen.
Die Moral scheint im Wissenschaftsbetrieb schief zu hängen. Denn während Studenten für die Verwendung der falschen Pronomen oder die These, dass es nur zwei Geschlechter gibt, moralische Rüffel von der Uni-Leitung befürchten müssen, herrscht bei dem Thema Antisemitismus ohrenbetäubendes Schweigen.
Der Grund für diese Doppelmoral liegt auf der Hand: Mit den Social-Justice-Disziplinen haben sich die Unis ein Monster ins Haus geholt, das nicht nur die Wissenschaftsfreiheit durch Cancel Culture bedroht, sondern im Kern auch antisemitisch ist. Doch der Reihe nach.

Die Hamas sei eine „progressive, soziale Bewegung“, sagte die Gründerin der Gender Studies, Judith Butler.
Anfänge im amerikanischen Bürgerkrieg
Der Ausdruck „Social Justice“ (soziale Gerechtigkeit) kommt eigentlich aus der „Social-Justice-Bewegung“, die sich während des Bürgerkriegs in den USA gegründet hat. Ursprünglich war das Anliegen der Bewegung, sich für die Rechte der Afroamerikaner in den USA und (später) für die Rechte von Homosexuellen einzusetzen. In den letzten 20 Jahren haben sich aus dieser Bewegung mehrere Wissenschaftszweige entwickelt.
Da gibt es etwa die Gender Studies, die sich mit der Unterdrückung von Frauen, Homosexuellen und Transsexuellen beschäftigen oder die Mad Studies, die untersuchen, nach welchen Kriterien die Psychiatrie Menschen als krank erklärt. Disziplinen wie „Critical Race Theory“ oder die „Postcolonial Studies“ wollen analysieren, wie Schwarze während des Kolonialismus abgewertet wurden und wie rassistische Stereotype bis heute weiterleben.
Auch, wenn das Anliegen dieser Disziplinen legitim ist, haben sie nichts mit seriöser Wissenschaft zu tun. Denn nicht mehr die wissenschaftliche Beschreibung der Gesellschaft steht im Vordergrund, sondern die moralische Bewertung von Dingen. Zudem fußen diese Disziplinen auf einem ideologischen Dogma, dem sich jeder Fakt beugen muss: Der weiße, christliche Westen ist Täter. Der schwarze, muslimische Orient ist Opfer.

Eine Pro-Palästina-Demo an der Freien Universität Berlin, an der Vernichtungsparolen gegen Israel skandiert wurden.
Weißsein als Erbsünde
Denn die rassistische Gewalt, so heißt es etwa in der „Critical Race Theory“, mit der die westlichen Imperialmächte Schwarze ermordeten und versklavten, lebt bis heute – wie eine Erbsünde – in den westlichen Gesellschaften weiter. Weil man Indigene und Schwarze während der kolonialen Versklavung wie eine Ware kaufte und verkaufte, wurde sie zudem Opfer einer typisch westlichen Ausbeuter-Ideologie: des Kapitalismus, der neben dem „Weißsein“ als Endgegner im Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit gilt.
Neben den USA gilt vor allem ein Land als Ausgeburt für das Wiederaufleben des westlichen Kolonialismus: Israel. Mithilfe dieses Ideologiepfeilers können Judenhasser an der Uni nicht nur unverhohlen gegen den jüdischen Staat hetzen – sie können ihre Hetze auch als Wissenschaft verkaufen.
Hatte Anne Frank „weiße Privilegien“?
Dabei ist es der in den Social-Justice-Disziplinen verankerte Hass auf den „weißen, kapitalistischen Westen“, der von Forschern und Aktivisten immer wieder als Vorwand benutzt wird, um unverhohlen den eigenen Judenhass auszuleben.
Wie das genau aussieht, zeigt eine Diskussion, die vor einiger Zeit auf Twitter stattfand. Woke Aktivisten behaupteten dort, dass Anne Frank „weiße Privilegien“ gehabt habe. Die jüdischen Opfer des Holocausts seien weiße Europäer gewesen, die gemäß dem woken Motto „Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße“ auch kein Opfer von Diskriminierung sein können.
Aber auch an der Freien Universität Berlin sind diese Gedanken salonfähig.
Juden als Inbegriff des „Weißseins“
So wehrte sich Anfang 2017 am Institut für Sozialwissenschaften (Otto-Suhr-Institut) Studenten gegen die Dozentin Eleonora Roldán Mendívil, die Israel abwertend auf ihrem Blog als „ein durch und durch Ashkenazim-Kolonialprojekt“ bezeichnete.
Was genau Mendívil damit meint, erklärte die Anthropologin Susan Slyomovics, die 2018 einen Vortrag hielt, ebenfalls an der Freie Universität Berlin. Für sie ist der Staat Israel vor allem deswegen ein Problem, weil er von den europäischen Juden gegründet wurde, die den Holocaust überlebten. Das ist für Slyomovics nicht gut, sondern schlecht, weil sich der Staat somit auf einer „eurozentristischen“ Logik etabliert habe.
Kurz: Nicht die industrielle Massenvernichtung von 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten ist für die beiden Frauen hier ein Problem, sondern die Überlebenden dieser Massenvernichtung – weil sie weiß und europäisch sind.
Beide Wissenschaftlerinnen setzten sich übrigens für die „BDS“-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) ein, die von der terroristischen Hamas unterstützt wird und zur Vernichtung Israels durch internationale Handelsboykotte aufruft.
Wer ist das größte Opfer?
Neben dem Hass auf den weißen Westen, sorgt noch ein anderer Ansatz aus den Gender Studies dafür, dass der Hass auf Israel vor allem an den Unis wächst: die Intersektionalität.
In diesem Ansatz geht man davon aus, dass sich unterschiedliche Diskriminierungen summieren können. Eine lesbische Frau ist etwa mehr unterdrückt als ein schwuler Mann. Eine schwarze lesbische Frau aber mehr als eine weiße lesbische Frau. Eine Transfrau wird – weil sie die Binarität der Geschlechter infrage stellt – mehr diskriminiert als eine schwarze lesbische Frau, und so weiter.
Mit der Intersektionalität wurde im woken Aktivismus ein Fokus auf eine Opfer-Olympiade gelegt: Derjenige, der aufgrund seiner Identität den meisten Schmerz erlebt, gilt als das größte Opfer und bekommt die größte Aufmerksamkeit, Empathie und Hilfe. Der absolute Täter bleibt dabei gleich: der kolonialistische Westen.

Wie viel Judenhass verträgt die Wissenschaft?
Juden stören bei Opfer-Olympiade
Während des Gaza-Kriegs hat man gesehen, wie tief diese koloniale Opfer-Ideologie in den Köpfen der Menschen verankert ist: Das Argument, dass Israel nur deswegen einen Krieg gegen Gaza führte, um seinen postkolonialen und kapitalistischen Vernichtungswillen am ultimativen Opfer-Volk der Palästinenser auszuleben, dominierte vor allem die antirassistische Szene. Ganz vorne mit dabei bei der Täter-Opfer-Umkehr, der Relativierung und dem Totschweigen der grauenhaften Massaker an den Juden, war das in Berlin ansässige „Center for Intersektional Justice“, das von der US-Amerikanerin Kimberlé Crenshaw, der Erfinderin des Ansatzes, gegründet wurde.
Fakt ist jedenfalls: Keine andere Gruppe hat in der Geschichte der Menschheit so viel Leid, Ausgrenzung und Gewalt erlebt, wie die Juden. Die ultimativen Opfer, denen man mehr Rechte, Aufmerksamkeit und Schutz geben sollte, müssten eigentlich – nach der woken Logik des historischen Schmerzes – nicht die Schwarzen, Muslime, Flüchtlinge oder Transfrauen sein, sondern das jüdische Volk und somit auch Israel. Vielleicht sind ihnen gerade deswegen Juden ein Dorn im Auge.
Lesen Sie auch:
Kurz nach Angriff auf jüdischen Studenten: Judenhass-Kundgebung an der Freien Universität Berlin.
Mehr NIUS:
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Mehr NIUS:
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Gescheiterte Timmy-Rettung sorgt weltweit für Spott: „Deutschland hat den Verstand verloren“
#Männerhass: Wie ständig neue Internettrends Beziehungen schlechtreden
Nach „Lackaffe“-Strafbefehl: Drei weitere Merz-Beleidigungen werden von Staatsanwaltschaft Heilbronn verfolgt
Judith Sevinç Basad
Artikel teilen
Kommentare