Die Angst vor teurem Essen geht um
Ein Beitrag von
Louis HagenWas der Volksmund sagt, ist meistens klug, und oft ist es auch noch wahr. Zum Beispiel dieser Satz: „Man kann nicht gut denken, gut lieben, gut schlafen, wenn man nicht gut gegessen hat.“ Einfach formuliert, aber einfach auf den Punkt.
Wenn man das Ergebnis einer neuen Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale kennt, wird das Sprichwort wahrer als wahr. Denn: Die Preise im Supermarkt ziehen weiter an, und viele Haushalte kommen kaum hinterher. Die Befragung von Forsa zeigt, wie stark steigende Lebensmittelpreise die Menschen belasten – und warum der Frust wächst. Besonders für einkommensschwächere Haushalte wird der Alltag zur Rechenaufgabe, während Politik und Wirtschaft um Verantwortung ringen.

Für mehr als zwei Drittel der Bevölkerung (68 Prozent) sind Lebensmittel der Bereich, in dem sie Preisanstiege am deutlichsten spüren.
Preissteigerungen belasten persönlich
Eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland fühlt sich durch Preissteigerungen persönlich belastet, vor allem bei Lebensmitteln. Demnach machen sich 58 Prozent der Menschen Sorgen mit Blick auf die steigenden Lebenshaltungskosten und die finanzielle Situation des Haushalts. 42 Prozent der rund 1.000 Menschen, die dazu im vergangenen November befragt worden sind, gaben an, sich eher wenig oder gar keine Sorgen zu machen.
Für mehr als zwei Drittel der Bevölkerung (68 Prozent) sind Lebensmittel der Bereich, in dem sie Preisanstiege am deutlichsten spüren. 16 Prozent der Befragten nannten den Bereich Energie. Für elf Prozent sind die Gesundheitskosten – etwa Krankenkassenbeiträge oder Pflege – am stärksten gestiegen. Mobilität, beispielsweise Fahrkarten oder Tanken, ist für vier Prozent der Menschen in Deutschland die Sache, in der sie Preissteigerungen am meisten wahrnehmen. Zwei Prozent der Befragten trauten sich hier kein Urteil zu oder machten keine Angaben.
Die Lebensmittelpreise in Deutschland sind seit 2020 um rund ein Drittel gestiegen. Ramona Pop, Vorsitzende des Lebensmittel-Verbandes, sagt: „Vor allem Menschen mit geringem Einkommen, bei denen Lebensmittel und Energie einen relevanten Anteil ihrer Ausgaben ausmachten, merken deutlich, dass ihnen zum Leben sehr wenig übrigbleibt.“

Die Lebensmittelpreise im Iran sind durch eine extrem hohe Inflation stark gestiegen. Im Bild: Blick auf einen Markt in Teheran, Iran, am 7. Januar 2026.
Mein gesunder Menschenverstand sagt es deutlicher: Wenn Menschen Angst haben, sich nicht mehr vernünftig ernähren zu können, brechen alle Dämme. Die Französische Revolution 1789 ist das beste Beispiel. Die Hauptgründe für den Putsch gegen König Ludwig XVI. waren hohe Steuern und Lebensmittelmangel. Aktuell protestieren Hunderttausende Iraner gegen das Mullah-Regime in Teheran. Hauptgrund sind gestiegene Lebensmittelpreise.
Die Forsa-Umfrage zeigt: Zwei Drittel sind unzufrieden mit der Entwicklung der Lebensmittelpreise. Sie befürchten, das Notwendige für sich und ihre Familien nicht mehr bezahlen zu können.
Die Angst vor teurem Essen geht um.
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