Wie reich sind wir wirklich?
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„Uns gehts doch so gut“. „Wir sind ein reiches Land“. Kennen Sie diese Sprüche auch? Tatsächlich treffen diese Aussagen auf immer weniger Deutsche zu – insbesondere wenn man den Begriff Reichtum in Relation zu anderen westeuropäischen Ländern setzt.
Blicken wir einmal auf den durchschnittlichen Deutschen und sein persönliches Vermögen:
Das „Credit Suisse Global Wealth Databook 2022“ taxiert das Vermögen dieses durchschnittlichen Deutschen im Jahre 2021 auf 61.741 US-Dollar (Median-Vermögen). Also ungefähr 56.600 Euro. Hierbei unbeachtet ist, dass die Deutschen im Jahre 2022 an Wohlstand verloren haben.
Vergleichen wir dieses Vermögen mit dem Vermögen in anderen Ländern. Wenig überraschend: Die Schweizer besitzen mit 167.809 US-Dollar deutlich mehr (fast das 3-fache). Aber auch die Spanier (107.090 US-Dollar), Italiener (117.224 US-Dollar), Franzosen (144.983 US-Dollar) und Briten (140.299 US-Dollar) besitzen deutlich mehr Vermögen. Die Belgier besitzen im Median sogar 269.515 US-Dollar und nehmen damit weltweit eine Führungsrolle ein.
Wenn also vom „reichen Deutschland“ gesprochen wird, dann kann damit kaum der durchschnittliche Deutsche gemeint sein, wenn man ihn mit anderen westeuropäischen Ländern vergleicht.
In Ost-Europa ist das Vermögen der Menschen deutlich niedriger als in West-Europa, allein aufgrund der langen Zeit des Kommunismus Allerdings: auch dort sind deutliche Aufholbewegungen festzustellen. Die deutsche Teilung wird daher auch als ein Argument für das geringe Vermögen der Deutschen angeführt. Ein anderes beliebtes Argument ist die Zerstörung im 2. Weltkrieg. Es muss aber konstatiert werden, dass der 2. Weltkrieg bereits 78 Jahre lang vorbei ist. Das Argument scheint aufgebraucht.
Steckt das Vermögen der Deutschen in den Rentenansprüchen?
Auch wird oftmals behauptet, dass diese Betrachtung des Vermögens Ansprüche gegenüber der staatlichen Rentenkasse außen vor lässt. Natürlich sind Statistiken immer abhängig von den inkludierten Faktoren. Andererseits lässt diese Statistik auch außen vor, dass der durchschnittliche Deutsche älter ist als der durchschnittliche Brite oder Franzose und das finanzielle Vermögen gewöhnlich mit dem Alter steigt.
Dazu muss man auch anmerken, dass die Rentenansprüche bis dato lediglich ungesicherte Versprechen sind. Zuletzt warnte die Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm, dass die Rentenversicherung nicht finanziert ist und der wissenschaftliche Beirat im Wirtschaftsministerium empfahl für Mittel- bis Gutverdienende Rentenkürzungen (vgl. https://www.nius.de/Politik/rentenversicherung-ist-nicht-finanziert-habecks-berater-schlagen-beim-minister-alarm/643caa46-2e4a-4cf7-8c13-fb951349436f).
Auch sind Rentenansprüche nichts anderes als noch nicht erwirtschaftetes Vermögen, das jemand anderem in der Zukunft noch abgenommen werden muss.
Warum also sind die Deutschen ärmer als andere West-Europäer?
Aus meiner Sicht liegt das in erster Linie daran, dass es ganze Bevölkerungsgruppen in Deutschland gibt, für die ein Vermögensaufbau aufgrund der Steuer- und Abgaben-Belastung schlicht nicht möglich ist – oder aufgrund sozialstaatlicher Fürsorge nicht rational wäre.
Insbesondere Einkommenssteuer und Sozialabgaben reduzieren die Möglichkeit zum Vermögensaufbau enorm. Für große Teile der Gesellschaft bedeutet Vermögensaufbau vorrangig der Erwerb einer eigenen Wohnung oder eines eigenen Hauses. Ein wesentlicher Grund für das geringe Vermögen in Deutschland ist die geringe Wohneigentums-Quote.
In anderen Ländern wird Eigentum vor allem auch als Absicherung vor Arbeitslosigkeit, Alter oder Krankheit gebildet. In Deutschland dagegen würden sich Menschen aus der Mittelschicht mit einem Vermögensaufbau gegen Risiken absichern, für die sonst der Sozialstaat aufkommen würde. Besitzen sie dennoch Vermögen, wird es vom Staat angerechnet. Da wundert es nicht, dass eine Entscheidung pro Konsum und contra Eigentumsbildung rationaler erscheint.
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