Die Wahrheit ist: Es gibt keine links-grüne Übermacht bei der jungen Generation
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Klimabewegt, grün und links – viele Jahre lang glaubten Politiker und die meisten Medien, die Jugend würde so ticken. Doch nach der Europawahl vom Sonntag ist alles anders: Es sind vor allem konservative Parteien, die bei Wählern zwischen 16 und 24 Jahren den Ton angeben.
Bei der letzten Europawahl vor fünf Jahren waren die Grünen bei den unter 24-Jährigen noch deutlich stärkste Kraft geworden. Diesmal verloren sie gleich 23 Prozent im Vergleich zum vorherigen Wahlergebnis. Der AfD gelang ein Plus von elf Prozent, insgesamt konnte die Partei 16 Prozent der Stimmen erringen, landete knapp vor der Union (17 Prozent). Die Grünen wurden nur noch von elf Prozent der 16- bis 24-Jährigen gewählt.

Quelle: ARD
Warum dominieren jetzt konservative Parteien, während die Grünen einen historischen Absturz verzeichnen? „Jugendliche wählen programmatisch“, erklärt Jugendforscher Simon Schnetzer in der Berliner Zeitung. „In der Europawahl vor fünf Jahren war für Jugendliche der Klimawandel die größte Sorge“. Damals wählten laut repräsentativer Wahlstatistik des Bundeswahlleiters fast 35 Prozent der Wähler zwischen 18 und 24 Jahren grün. Doch jetzt sei die Hauptsorge der Jungwähler ihr zukünftiger Wohlstand, „den sie vor allem durch Zuwanderung, Krieg, knappen Wohnraum und Inflation gefährdet sehen“. Immer mehr junge Menschen hätten das Gefühl, mit der herrschenden Politik werde es Wohlstand „in dieser Form nicht mehr geben“.
Migration spielt Schlüsselrolle
Bei der Sorge junger Menschen um ihre Zukunftschancen spielt, so der Forscher, die Angst vor neuen Fluchtbewegungen eine Schlüsselrolle. Laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland“, hat sich diese Angst in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt: 41 Prozent gaben an, sie würden sich vor einem Anstieg der irregulären Migration fürchten. Mehr als die Hälfte der Befragten stimmte teils oder ganz der Aussage zu, der Staat kümmere sich mehr um Flüchtlinge als um hilfsbedürftige Deutsche.

Klaus Hurrelmann
Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance erforscht seit Jahrzehnten die Gemütslage der deutschen Jugend. Hurrelmann hat für das Wahlverhalten zur Europawahl eine einfache Erklärung: „Gerade, wenn sie Erstwähler sind, sind junge Wähler sehr themenorientiert. Und Klimaschutz – so wie bei der vorherigen Europawahl – war jetzt eben nicht mehr das zentrale Thema“, sagte der Forscher zur Berliner Morgenpost. Stattdessen im Fokus: die Inflation, der teurer werdende Wohnraum, die Angst vor Altersarmut und Wirtschaftsabschwung, Krieg in Europa und Flüchtlingsströme. Vor allem habe die AfD mit diesen Themen punkten können, so Hurrelmann. Dafür entscheidend sei auch die allgemeine Stimmungslage, in der sich die deutsche Jugend befindet.
„Wir wissen, dass junge Wähler sehr direkt nach Themen urteilen“
Geradezu erdrutschartig haben sich also die Mehrheitsverhältnisse bei den Jungwählern verändert. Die paneuropäische ökoliberale Jungpartei Volt konnte mit einem ungewöhnlichen Wahlkampf auf Social Media (vor allem TikTok) und plakativen Botschaften („Sei kein Arschloch“) halbe Schulklassen für sich gewinnen. Jugendforscher Hurrelmann: „Wir wissen, dass junge Wähler nicht ideologisch festgelegt sind, sondern sehr direkt nach Themen urteilen“, sie wählen die Parteien danach aus, ob sie plausibel und in sich stimmig für bestimmte Inhalte stehen, die für sie selbst gerade von Bedeutung sind. „Im Großen und Ganzen werden die Grünen jetzt an der Wahlurne dafür bestraft, dass sie die anderen Themen, die die jungen Leute gerade im Moment sehr stark beschäftigen, nicht aufnehmen und in einer ähnlichen, klaren unglaubwürdigen Weise vertreten.“ Auch das gute Abschneiden von Neu- und Kleinparteien wie Volt oder der Tierschutzpartei sei vor diesem Hintergrund zu betrachten, sagt Hurrelmann. „Es ist das Privileg des Erstwählenden, dass man noch nicht in persönlicher Konsistenz denken und sich die Frage stellen muss, ob man sich untreu wird oder sich vor sich selbst rechtfertigen muss.“

Mit einem klaren Pro-Europa-Kurs sammelte Volt Stimmen bei der Europa-Wahl.
Wie falsch zum Beispiel die Grünen an ihren jungen Wählern vorbei Politik machen, belegt ein Video, das auf TikTok viral lief. Es zeigt einen jungen Mann, der in den „Tagesthemen“ über einen Flyer der Grünen sprach. Er sagt: „Nach Lektüre dieser Broschüre hatte ich noch weniger Lust, die Grünen zu wählen. Die empfahlen mir zum Beispiel mit der Bahn, mit dem Bus oder mit dem Fahrrad zu fahren. Ich will aber Auto fahren.“
Die Wahrheit zeigt das Ergebnis der Europawahlen: Es gibt keine links-grüne Übermacht bei der jungen Generation.
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