Schon wieder Shitstorm für Edeka – sexy Früchte sorgen für Empörung
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Eigentlich müsste Edeka auch Fettnäpfchen verkaufen, so zielstrebig trampelt der Konzern regelmäßig selbst hinein. Aktuell im Angebot: ein Obst-Aufreger. Weil der Händler, der behauptet, Lebensmittel zu lieben, auf einen Social-Media-Trend aufgesprungen ist, gibt’s mal wieder Ärger:
Ein Markt am Bodensee griff vor wenigen Tagen für ein Schokofrüchte-Eisprodukt einen TikTok-Trend auf. Mit Künstlicher Intelligenz generierte man eine Frucht, im Kleidchen klar als weiblich zu erkennen, die mit einer männlichen Banane eine Affäre hat. Das Netz ist aktuell voll mit Obst- und Gemüse-Figuren, die diverse Beziehungsdramen nachstellen. Also sprang der Markt auf den viralen Trend auf.

Auf TikTok gehen die Videos um sexy Früchte durch die Decke.
Doch sofort gab es Kritik: Die Werbung sei peinlich und sexistisch. Follower ärgern sich: „Wie kommt man denn auf die Idee, dass sexualisierte Früchte der große Marketing-Coup sind?“ Ein anderer schreibt: „AI-Scheiße plus Sexualisierung von Früchten. Aha... ekelhaft“.
Ein Kommentar, der sich auf den aktuellen Fall Collien Fernandes bezieht, bekommt viele Likes: „Sowas an einem Tag zu posten, an dem ganz Deutschland darüber spricht, wie eine Frau von ihrem Ehemann ausgenutzt und sexualisiert wurde, zeugt schon von ganz besonderer Ignoranz.“
Der Markt ging in die Offensive und antwortete: „Manche brauchen bei Satire etwas länger.“
Skandal am Regal? Egal!
Der Edeka-Verbund ist mit einem Umsatz von rund 75 Milliarden Euro und mehr als 400.000 Mitarbeitern der größte Lebensmittelhändler in Deutschland. Viele der rund 11.000 Märkte werden von selbstständigen Kaufleuten geführt. Das bedeutet: Die Marktleitungen genießen ein Maß an Freiheit. Es bestehts aber auch ein gewisses Risiko, mit einer Aktion einen Shitstorm zu entfachen.

Viele der rund 11.000 Märkte werden von selbstständigen Kaufleuten geführt.
Passiert ist das in den vergangenen Jahren immer wieder – auch im größeren Rahmen. Zum Beispiel, als man 2020 mit dem Slogan „Lasst uns froh und bunter sein!“ kulturelle Vielfalt feiern wollte. Die Handlung: Eine Familie kauft für das Weihnachtsmenü ein. Ein Rückblick offenbart, dass vor allem die Liebhaber der Tochter bei der Speisen-Auswahl eine Rolle spielten: Es gab Sushi für den japanischen Lover und Falafel für den Marokkaner.
Das Mindesthaltbarkeitsdatum solcher Gags war allerdings auch 2020 schon überschritten. Erwartungsgemäß zeigten sich User empört. Das Video bediene rassistische Klischees und sei sexistisch.
Supermärkte gegen Rechts
Eine Familienpackung Shitstorm gab es, als zu Jahresbeginn eine Filiale im bayerischen Friedberg neue Espressosorten mit „FCK AFD“-Aufdruck verkaufte. Daneben eine Tasse mit der Aufschrift „Kein Kaffee für Nazis“, die die Rösterei als Werbegeschenk gespendet hatte (NIUS berichtete). Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen hatte Edeka wohl den Drang, Haltung zu zeigen: In einem ganzseitigen Aufruf in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie in der Zeit teilte man in Anspielung auf die AfD mit: „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“.

Mit ganzseitigen Anzeigen machte der Konzern seine Haltung deutlich.
Statt Lebensmittel bekommen Kunden also eine indirekte Wahlempfehlung. Aber: Wenn man – statt in der Preispolitik – auch in der echten mitmischen will, ist der Shitstorm schon eingepreist. Immerhin kaufen auch Millionen AfD-Wähler bei Edeka ein. Ist das naiv, oder gehört die Dauer-Erregung zum Kalkül? Das Ergebnis ist zunächst dasselbe: Man spricht darüber. Bekommt eine Supermarktkette aber zu viel Schlagseite, ist manchen Besuchern der Preis irgendwann vielleicht doch zu hoch.
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Melanie Grün
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