Elternversammlung an Problemgrundschule Regine Hildebrandt in Cottbus: „Er war ein Kind, das gern zur Schule gegangen ist, jetzt hat er Angst“
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An der Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus kehrt keine Ruhe ein. Auch die zweite Elternkonferenz am Montagabend, nach dem Brandbrief der Elternvertretung, bringt nicht für alle Teilnehmer ein zufriedenstellendes Ergebnis. Während einige noch immer um das Wohl ihrer Kinder fürchten, sehen andere das Problem in der Fokussierung auf Negatives. NIUS war vor Ort und hat mit den Beteiligten gesprochen.
Im medialen Fokus steht die Schule tatsächlich. Nachdem Elternvertreterin Christin Wulf Mitte Dezember vergangenen Jahres in einem offenen Brief die Zustände an der Schule beklagt hatte, erlangte die Brennpunktschule Bekanntheit. Darin schildert die Verfasserin einen Schulalltag, der von Angst, Gewalt und Drohungen geprägt sei. Von schweren Verletzungen wie Rippenprellungen und einer Gehirnerschütterung bis hin zu einem Reizgasvorfall war die Rede, nach dem mehrere Kinder medizinisch betreut werden mussten
Nachdem Vertreter der Schule, Eltern, Lehrer und die jeweiligen Institutionen der Stadt wie das Jugendamt bereits Mitte Dezember zusammengekommen waren, fanden sich die Genannten nun ein zweites Mal zusammen.

Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus
Schwere Vorwürfe gegen die Schule
Den Anfang machte erneut Elternvertreterin Christin Wulf. Noch immer erhebt sie Vorwürfe gegen die Schule, etwa bei der Betreuung durch Lehrkräfte und Unterrichtsausfall: „Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass unsere Kinder immer mehr Probleme durchleben und teilweise auch gewalttätig werden, wenn in ihrer Welt nirgendwo beschenkt wird, wenn sich niemand wirklich auf die Kinder einlassen kann und die Kinder sich auf niemanden einlassen.“ Vom geplanten Maßnahmenpaket der Stadt Cottbus erwarte man mehr als „die üblichen warmen Worte“.
Auch die Mutter einer Erstklässlerin macht danach noch einmal auf die Probleme aufmerksam, vor allem auf die Verunreinigungen der Sanitäranlagen. Sie plädiert dafür, für ihre Beseitigung die Verursacher selbst in die Verantwortung zu nehmen: „Diese Erziehungsmaßnahme konfrontiert die Schülerinnen und Schüler unmittelbar mit den Folgen ihres Handelns und ermöglicht ihnen, Verantwortung für ihr Fehlverhalten zu übernehmen.“
Die Regine-Hildebrandt-Grundschule liegt im Stadtteil Sachsendorf und wird laut Elternangaben von rund 464 Kindern besucht. Etwa um die 40 Prozent der Schülerschaft hätten einen Migrationshintergrund, rund 38 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die Probleme würden vor allem von Migranten verursacht, jedoch nicht allein.
Mutter berichtet unter Tränen: „Jeder Morgen ist ein Kampf“
So gefasst wie Wulf und andere Eltern ist nicht jeder bei der Versammlung. Unter Tränen berichtet eine Mutter davon, dass sie sich alleingelassen fühle. Ihr Sohn, der sonst immer gerne zur Schule gegangen sei, müsse mittlerweile dazu gezwungen werden. Jeder Morgen sei ein Kampf.
Ebenso emotional wurde es, als sich der Vater eines zusammengeschlagenen Schülers zu Wort meldete. Der Vater, zitternd und mit gebrochener Stimme, berichtet von fehlendem Rückhalt. Sein Sohn sei zusammengeschlagen worden, die Schule habe ihre Aufsichtspflicht verletzt, so der Vorwurf. Trotz Krankenhausaufenthalt des Kindes sei der Vorfall nicht als Gewaltakt eingeordnet worden.
Schulleiterin Kathrin Haug widersprach den Darstellungen: „Wir haben das wirklich recherchiert mit allen Beteiligten. Und es ist nicht so, wie sie es dargestellt haben. Mehr möchte ich jetzt erstmal dazu nicht sagen.“
Stadt präsentiert Maßnahmenpaket gegen Gewalt
Bürgermeister Schick hatte vergangenen Freitag bereits selbst Lösungen für das Problem an der Schule präsentiert. Mit Innenminister René Wilke und Bildungsminister Steffen Freiberg präsentierte er ein Maßnahmenpaket gegen Gewalt. Darin enthalten: Zwei besonders auffällige Schüler sollen vom Jugendamt in Obhut genommen werden, weitere Mehrfachtäter zeitweise an anderen Schulen unterrichtet werden. Bildungsminister Freiberg betonte, Inobhutnahmen seien Schutzmaßnahmen, keine Strafen.
Außerdem: Asylsuchende mit Bleibeperspektive sollen per Wohnsitzauflage länger in zugewiesenen Kommunen bleiben, um Konzentrationen und Integrationsprobleme zu vermeiden. Das solle laut SPD-Innenminister Wilke landesweit wirken.

René Wilke (SPD), Brandenburgs Minister für Inneres und Kommunales
Wie sieht die Verfasserin des Brandbriefes, Christin Wulf, den Ausgang der Veranstaltung? Sie zieht ein positives Fazit und merkt an, dass sich die Eltern nach dem Brandbrief erstmals gehört fühlten: Es gebe nun echte Gesprächsbereitschaft, viele Hilfsangebote und konkrete Vorschläge. Entscheidend sei aber, dass alle Beteiligten – Eltern, Lehrer, Schulleitung, Stadt und Politik – gemeinsam an der Umsetzung arbeiten.
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„Probleme werden kleingeredet oder verschoben“
Anders fällt das Fazit beim Cottbusser Stadtverordneten und Vorsitzenden des Sozialausschusses, Andy Schöngarth, aus. Er zeigt sich nach der Veranstaltung deutlich unzufrieden. Er kritisiert, dass mit neuen Projekten vor allem Posten geschaffen und Probleme kleingeredet oder verschoben würden – etwa indem auffällige Schüler auf andere Schulen verteilt werden. Eine echte Lösung sehe er darin nicht. Aus seiner Sicht müsse direkt bei den Familien angesetzt werden: Eltern müssten stärker in die Verantwortung genommen werden, notfalls auch mit rechtlichen Konsequenzen.
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Ob die präsentierten Lösungen von Dauer sind? Dass Bürgermeister Schick unterstützen möchte, indem er den Fokus künftig stärker darauf lenken will, Migranten in Vorschulgruppen auszubilden, macht deutlich: Das Problem wird verschoben, sei es in die Kindergärten oder die weiterführende Schule, allerdings nicht gelöst. Wie man echte Sicherheit auf Dauer gewährleisten will, wurde noch nicht abschließend geklärt.
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Eric Steinberg
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