Ex-Umweltsenator kritisiert Klima-Berichterstattung: „Die Jugend darf nicht von Angst geleitet werden“
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Eine Studie der MaLisa-Stiftung, gegründet von Tatort-Star Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth, kommt zum Ergebnis: Das Publikum verlange nach einer stärkeren Präsenz der Themen „Klimawandel“ und „Biodiversität“ im Hauptprogramm des deutschen Fernsehens. Die untersuchte Stichprobe ergab, dass lediglich 1,8 Prozent der Sendezeit dem Klimawandel gewidmet ist.
Stiftungsgründerin Maria Furtwängler wünscht sich zu diesem Thema auch eine schonungslosere Darstellung im Unterhaltungsfernsehen. Der Süddeutschen Zeitung erzählt die Schauspielerin: „Eine Kollegin hat einen Krimi im Harz gedreht und erzählte mir, im Hintergrund waren bei einer Einstellung nur kaputte Fichtenwälder zu sehen, alles morsch und tot. Im Nachgang wurde das nachbearbeitet, weil: Das könne man dem Publikum so nicht zumuten. Und ich so: Empörend!“

Maria Furtwängler gründete 2016 mit ihrer Tochter Elisabeth die MaLisa Stiftung.
Bei „Stimmt! Der Nachrichten-Talk“ kritisiert der ehemalige Umweltsenator Hamburgs Fritz Vahrenholt die Aussage und mahnt: „Da hätte man schon dazu sagen können, das hat mit dem Klima überhaupt nichts zu tun. Das war wahrscheinlich eine falsche Waldbestockung, denn der Borkenkäfer hat nichts mit dem Klima zu tun, sondern damit, dass wir die Fichte auf den falschen Boden platziert haben. Aber das ist eben das Narrativ, das bedient werden muss. Man hat wirklich immer wieder den Eindruck, sowas wird nur gemacht, um am Ende wieder über Angst die Menschen zu Dingen zu bewegen, die sie normalerweise nie mitmachen würden.“ Journalist Klaus-Rüdiger Mai pflichtet ihm bei und ergänzt: „Sie können keine irrationale Politik machen, wenn Sie nicht Hysterie schüren.“

Arzt und Autor Eckart von Hirschhausen war zu Gast als Redner bei dem Münchner Event der MaLisa Stiftung, an dem die Gäste, Medien und Macher und Macherinnen über die Repräsentation des Klimawandels und der Biodiversitätskrise im deutschen Hauptprogramm des Fernsehens diskutierten.
Im Rahmen der Präsentation der Studie in München trat auch Autor und Arzt Eckart von Hirschhausen auf. Er appellierte an die Gäste und Medienvertreter: „Wir müssen endlich aufhören, über den Klimawandel zu reden!“ Er fordert ein anderes Wording: „Lasst uns überhaupt nicht mehr über das Klima reden, sondern über Lebensgrundlagen. Das berührt die Menschen.“ Die Grundlagen seien: saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken, gesunde Pflanzen zum Essen, ertragbare Temperaturen und ein friedliches Miteinander. Die Botschaft: „Klimawandel“ ist zu harmlos, klingt irgendwie nett – Zerstörung von Lebensgrundlagen hat da einen anderen Sound.
Die Welt gehe nicht unter, meint Vahrenholt
Eine Aussage, die bei Vahrenholt (SPD) nur Kopfschütteln auslöst: „Wir haben die beste Umwelt seit ungefähr 50 Jahren. Das einzige Thema, das wir haben ist CO2, aber auch da ist es so, dass in den Prognosen bis 2060 – ich kann nur jedem empfehlen: Googeln Sie mal ,GERICS‘, das deutsche Klimaforschungszentrum – da werden Sie sich wundern.
Sie würden sagen: ,Ok, hier ist keine Klimakatastrophe angesagt.‘ Es gibt 0,5 Grad mehr und vielleicht einen Regentag mehr und das war’s dann. Aber es wird Leuten eingebläut, als wenn die Überschreitung von 1,5 Grad ein Problem wäre. Da erinnere ich nur an den Nobelpreisträger, der für den Klimarat ja tätig war, Nordhaus, der gesagt hat: ,Bis 2,5 Grad ist überhaupt keine Sorge angesagt‘.“
Vor allem die aktuelle Klima-Berichterstattung stört den ehemaligen Umweltsenator, die besonders bei jungen Menschen dazu führt, Angst vor der Zukunft zu haben: „Der Versuch, immer wieder den Leuten einzureden, dass Armageddon droht, das ist schon deswegen schlimm, weil sie eine ganze Jugend in die Irre leiten, die ja verzweifeln an der Zukunft und glauben wirklich, dass die Welt untergeht. Die geht aber gar nicht unter. Das müssen wir ändern. Die Jugend darf doch nicht von Angst geleitet werden, sondern muss doch wieder ihr Leben positiv gestalten können. Medien müsste ihnen Wege zeigen, wie sie mit dieser veränderten Umwelt umgehen können.“
Hier die gesamte Folge von „Stimmt! Der Nachrichten-Talk“:
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