„Fett-Aktivistin“ erklärt, warum sie gegen die Abnehmspritze ist
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Luise Gonca Demirden ist laut taz eine „Fett-Aktivistin“, die auf ihrem Instagram-Account die Diskriminierung von Fettleibigen, aber auch Transfeindlichkeit und „soziale Ungleichheit“ thematisiert. Mit ihrer Qualifikation als Betroffene war sie in einigen YouTube-Formaten und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Gast. Auf ihrem Instagram ruft sie dazu auf, „jede rechte Ideologie zu bekämpfen“.
In einem Interview mit der taz spricht die „Fett-Aktivistin“ über Fettleibigkeit, Abnehmspritzen und Hass auf fette Menschen.
Begriffe wie fett und dick sollten wertfrei sein
Das Interview beginnt mit einer Einordnung: Begriffe wie fett oder dick hätte eine negative Konnotation unter dünnen Menschen – im Fettaktivismus seien die Begriffe jedoch wertfrei. Demirden sagt zur Aneignung der Begriffe: „Ich nenne mich selbst so. Wenn ich jetzt über die Straße laufe und jemand ruft mir ‚Fette Sau‘ hinterher, was manchmal passiert, kann ich das gar nicht mehr richtig ernst nehmen“.
Trotzdem klagt die Fett-Aktivistin über Hass gegen sie im Netz. Nach einem Video eines YouTubers erhielt sie „Aufforderungen zum Suizid und Vergewaltigungsfantasien“ – für gewöhnlich lösche sie Hassnachrichten und blockiert viel.
Wo genau für Demirden Hass beginnt, wird nicht ersichtlich. Sie arbeitet für die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung und setzt sich unter anderem dafür ein, dass das Antidiskriminierungsgesetz um das Merkmal Gewicht erweitert wird.
Angesprochen auf Situationen, in denen „Fette“ – so nennt sie sich selbst – diskriminiert werden, antwortet die Aktivistin: „Sitzplätze im Bus oder Flugzeug sind nicht für alle Menschen gemacht. Auch in die gängigen Sicherheitsgurte passen nicht alle rein. Ich hatte im Auto schon so oft Angst, dass der Gurt nicht passt. Und was mache ich dann? Das entscheidet ja im Zweifelsfall über Leben und Tod. Beim Einkaufen gibt es ebenfalls Barrieren. Schmale Gänge in Klamottenläden zum Beispiel ...“
Sollte Gewichtsdiskriminierung in das Antidiskriminierungsgesetz aufgenommen werden, müssten Läden ihre Gänge erweitern und Flugfirmen ihre Sitze an Übergewichtige anpassen oder sonst mit hohen Geldstrafen rechnen.

Das Interview in der taz.
Über Gesundheit und Verantwortung
Demirden beklagt sich über die gesundheitliche Versorgung dicker Menschen. Ärzte würden alle Gebrechen auf das Übergewicht des Patienten schieben und diese bei Untersuchungen weniger gerne anfassen. Das sei „belegt“.
Auf die Frage, ob fette Menschen nicht selbst für ihr Gewicht verantwortlich seien, antwortet die Fett-Aktivistin mit einem Nein: „Studien haben gezeigt, dass das Gewicht nicht viel variabler ist als die Körpergröße. Und Genetik hat verdammt viel damit zu tun, wie sich unser Körper verhält. Wir alle kennen die Erzählung: Weniger essen, mehr Sport – und dann bist du dünn“. Die Verantwortung liege also nicht bei den Dicken.
Das offensichtliche Problem der schwindenden Gesundheit durch überflüssige Kilos wird im Interview nur bedingt besprochen. Demirden gibt zu, dass Mehrgewicht bestimmte Risiken bergen kann: „zum Beispiel für die Gelenke. Aber wenn wir das wissen: Warum ist die Gesundheitsversorgung dann nicht umso mehr darauf erpicht, fette Menschen darin zu unterstützen, ihr Leben zu leben? Schmerzfrei und autonom.“
Das offensichtliche Ablenken von den häufig bei Übergewichtigen auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen kombiniert Demirden mit der Forderung, Symptome der Fettleibigkeit zu linden. Menschen sollen offenbar nicht abnehmen, sondern mithilfe der Medizin lernen, mit ihrem ungesunden Körper zu leben.

Das RKI schreibt: „In Deutschland sind insgesamt 53,5 Prozent der Bevölkerung (46,6 Prozent der Frauen und 60,5 Prozent der Männer) von Übergewicht (einschließlich Adipositas) betroffen. Bei 19 Prozent der Erwachsenen liegt eine Adipositas vor.“
Abnehmen schadet der Körperdiversität
Demirden war anfangs positiv gegenüber Abnehmspritzen eingestellt, doch jetzt sieht sie diese kritisch: „Ich bin dagegen, dass fette und dicke Körper verdrängt werden und Körperdiversität eingeschränkt wird. Denn eigentlich leiden alle in dieser Gesellschaft unter Gewichtsdiskriminierung.“
Zum Schluss des Interviews spricht sich die Aktivistin für die Idee von Körperneutralität aus: „Also der Gedanke, dass wir unserem Körper neutral begegnen können, ihn nicht hassen, aber auch nicht lieben müssen. Viele denken, sie müssten ihren Körper erst einmal lieben, um für ihn einstehen zu dürfen und respektiert zu werden. Das ist eine Falle.“
Von dünnen Menschen wünscht sich Demirden, „dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und ein Bewusstsein entwickeln, was es heißt, sich als dicke oder fette Person in dieser Gesellschaft zu bewegen.“
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