Frauenklinik, Amtsgericht, Bürokomplex, Flughafen – diese Gebäude werden jetzt zu Flüchtlingsheimen
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Über 286.000 Asylanträge wurden dieses Jahr in Deutschland gestellt. Ein Rekord-Hoch seit dem Ansturm 2015. Täglich kommen etwa 1000 Migranten über die deutsche Grenze. Die Kommunen und Länder klagen schon lange über Platzmangel und Überlastung. Und werden gezwungenermaßen immer kreativer in der Unterbringung.
Ob Tanzlokal, ehemaliges Studentenheim oder Frauenklinik – diese 11 Gebäude werden nun zu Flüchtlingsheimen:
Traditionslokal „Bienenkorb“ in Straubing
23 Jahre wurde im Kult-Lokal „Bienenkorb“ gemeinsam gefeiert und getanzt. Nun ist Schluss. Ab dem 1. Dezember gehört das im niederbayrischen Straubing liegende Amüsier-Etablissement dem Kreisvorsitzenden Stephan Weckmann von den Freien Wählern. Anfang des Jahres kaufte er das Gebäude und schloss mit der Landesregierung einen 10-Jahres-Vertrag zur Unterbringung von Flüchtlingen ab. NIUS war vor Ort und hat berichtet.
Die Menschen, die jahrelang im „Bienenkorb“ ein und aus gingen, sind erschüttert: „Das ist ein Traditionslokal, das es seit über 20 Jahren gibt. Und jetzt kommt einfach ein Politiker, der seinen Kragen nicht vollbringt und macht hier alles zu Geld. Er schmeißt alle Leute raus, ohne Rücksicht. Viele dieser Menschen hier sind zwischen 50 und 70 Jahre alt, keiner hat mehr irgendwas zum Weggehen, außer hier, und das ist jetzt alles auf einen Schlag vorbei“, erzählt Klaus. „Man fühlt sich hier wohl, kann gut tanzen … Ich bin einfach nur traurig, dass das jetzt hier zu macht“, sagt Petra, die vor 18 Jahren das erste Mal den Fuß ins Lokal setzte. Schon bald sollen 120 Flüchtlinge einziehen.

Das urige Tanzlokal „Bienenkorb“.
Die ehemalige Frauenklinik in Gera
200 Plätze für die vorübergehende Erstaufnahme von Flüchtlingen sollen in der früheren Frauenklinik in Gera geschaffen werden.
Anfang 2024 ist der Bezug anvisiert. Das wurde zu Beginn dieser Woche im thüringischen Kabinett beschlossen. Das Krankenhaus gehört dem Land und wurde bereits zwischen 2015 und 2017 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Danach stand es leer. Innenminister Georg Maier (SPD) machte deutlich, dass es sich nur um einen „ersten Entlastungsschritt“ handele. Täglich kämen 20 Migranten und 20 ukrainische Kriegsflüchtlinge nach Thüringen. Es werde weiter nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.

Die ehemalige Frauenklinik in Gera.
Ehemaliges Bürogebäude in Villingen-Schwenningen
Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis in Baden-Württemberg mangelt es an Aufnahme-Plätzen für Flüchtlinge. Von momentan 1200 vorhandenen Plätzen sind bereits 1072 belegt. Im Dezember erwartet der Landkreis eine größere Zahl an Migranten, die ihm das Bundesland zuweist.
Das Landratsamt von Villingen-Schwenningen möchte deshalb ein altes Bürogebäude kaufen und umbauen. Aufgrund der Bauart biete es „gute Voraussetzungen für eine Gemeinschaftsunterkunft zur vorläufigen Unterbringung von geflüchteten Menschen“, so das Landratsamt. Sobald der Umbau genehmigt wird, soll das Gebäude für 1,55 Millionen Euro erworben werden. „Wir hoffen, dass wir das Gebäude im Sommer 2024 beziehen können“, erklärt Heike Frank vom Landratsamt.
Generator-Hostel Berlin-Pankow
Zusätzlich zu den 200 bereits existierenden Betten im Generator-Hostel in Berlin-Pankow will der Senat 900 weitere Flüchtlinge in den Zimmern des Gebäudes unterbringen, in dem normalerweise Touristen nächtigen. Vor eineinhalb Jahren hatten hier bereits ukrainische Flüchtlinge gewohnt, die dann aber auf andere Bundesländer aufgeteilt wurden.

Das Generator-Hostel in Berlin-Pankow.
Ehemaliges Bürogebäude in Bamberg
Im Norden von Bamberg soll ein altes Bürogebäude zur Flüchtlingsunterkunft mit 200 Plätzen umfunktioniert werden. Der vierteilige Gebäudekomplex hat eine Gesamtfläche von 8540 Quadratmetern. Im Hof sollen Sanitär-Container aufgestellt werden. Frühestens Ende Februar sei das Gebäude bezugsbereit, so der zuständige Ordnungsreferent.
Doch die Bewohner der fränkischen Stadt sind verärgert. Sie wurden nicht über die Planung des Flüchtlingsheims informiert. Die Stadt begründet es damit, dass noch längst nicht klar sei, ob es tatsächlich zur Nutzung des Gebäudes in der Benzstraße kommt. Irreführend ist, dass es das einzige Gebäude ist, das bisher dafür besichtigt wurde.

Das ehemalige Bürogebäude in Bamberg.
Studentenwohnheim in Freising
Ein leerstehendes Studentenheim in Freising könnte bald renoviert und ab April 2024 für Flüchtlinge bereitgestellt werden. Das hat nun der Freistaat Bayern angeboten. Aktuell kommen alle zwei Wochen etwa 50 Flüchtlinge nach Freising, zugewiesen von der Regierung von Oberbayern. Am Samstag, dem 2. Dezember, soll zunächst das Dachgeschoss des Stabsgebäudes als Notunterkunft hergerichtet werden.

Das Studentenwohnheim in Freising.
Altes Bürogebäude in Mainz
Bis zu 70 Menschen sollen künftig auf fünf Etagen in einem ehemaligen Bürogebäude in der Mainzer Innenstadt untergebracht werden. Dafür möchte die Stadt das Gebäude kaufen. Kosten: etwa neun Millionen Euro. In Mainz sind aktuell 84 Prozent der 2896 Plätze für Flüchtlinge belegt.

In der Mainzer Innenstadt soll ein Bürogebäude gekauft werden.
Weitere Container auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin
Hangar 2 und 3 waren bereits belegt, nun kommen am heutigen Freitag mit dem Hangar 1 weitere 600 Plätze für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof hinzu. Insgesamt bietet die Unterkunft jetzt 1400 Plätze. Die Unterbringung soll in Wohncontainern mit jeweils vier Betten erfolgen. Auch auf dem ehemaligen Flughafen Tegel entstehen weitere Leichtbauhallen. Dort ist Platz für 7100 Menschen.

Auch am ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel entstehen weitere Plätze für Flüchtlinge.
Etwa 38.000 Flüchtlinge befinden sich derzeit in Berlin. Laut Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten doppelt so viele wie im Jahr zuvor.
Sportplatz in Bornheim
In der rheinischen Stadt Bornheim soll ein Sportplatz einem Flüchtlingsheim zum Opfer fallen. 34 Wohncontainer à 20 Quadratmeter, belegt mit je zwei Betten, sollen dort errichten werden. Hinzu kommen Aufenthaltsraum, Sanitär- und Küchencontainer. Das Gebäude ist doppelgeschossig und soll mindestens drei Jahre in Benutzung sein.

Der Sportplatz im Stadtteil Rösberg.
Amtsgericht in Remscheid
Etwa 660 Flüchtlinge beherbergt die Stadt Remscheid derweil. Auch hier werden weitere Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Das seit Jahren leerstehende Amtsgericht im Stadtteil Lennep könnte sich anbieten. Gegebenenfalls müssen Toilettencontainer an das Gebäude angeschlossen werden. Wann es bezogen werden kann, ist noch unklar.

Das Amtsgericht in Remscheid, Stadtteil Lennep.
Früheres Krankenhaus in Holzheim
35 Jahre nutzte die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg das Gebäude. Mit 80.000 Mitgliedern einer der größten Jugendverbände des Landes. Im April verließen sie das Gebäude des ehemaligen Holzheimer Krankenhauses. Nun steht fest: Minderjährige Flüchtlinge ziehen ein, genauer gesagt, 13 leben bereits dort. Falls nötig, könnte die Zahl auf 23 aufgestockt werden.

Das ehemalige Krankenhaus in Holzheim.
Eislaufhalle in Offenburg
Bis zu 2000 Asylbewerber treffen wöchentlich in Baden-Württemberg ein. Die Stadt Offenburg reagierte jetzt auf die hohen Zahlen mit dem Umbau einer Eislaufhalle. Bis zu 400 Menschen können dort untergebracht werden. Das Gebäude sei ein „Glücksfall“, so das Regierungspräsidium in Freiburg. Denn aufgrund der hohen Energiekosten habe man sich ohnehin entschlossen, die Halle diesen Winter geschlossen zu lassen.

Die Eislaufhalle in Offenburg.
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