Der Heroin-Chic ist zurück: Warum der Diversity-Wahn nichts am Schönheitsideal geändert hat
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Es hätte alles so schön sein können. Dicke, Dünne, Junge, Alte, Schwarze, Weiße, sogar Menschen mit sichtbaren Behinderungen oder Hautkrankheiten – in den vergangenen Jahren schien plötzlich jeder Körper einen Platz in der Modewelt zu haben. Dove zeigte Dehnungsstreifen und Cellulite, Luxusmarken entdeckten Models in allen Formen und Farben für sich, Magazine feierten die Body-Positivity-Revolution.
Doch es war alles nur Heuchelei. Eine Pflichtübung auf dem Höhepunkt des Woke-Wahnsinns.
Denn während Werbekampagnen und Social Media die ach so revolutionäre Diversität feierten, lief auf den Laufstegen von Paris, Mailand und New York weiter die alte Show. Dort, wo Trends entstehen, bevor sie in der Werbung landen, blieb das Schönheitsideal unverändert: groß, jung, langbeinig und vor allem: sehr dünn.
Nie mehr als eine PR-Kampagne
Natürlich gab es prominent inszenierte Ausnahmen. Gucci machte ein Model mit Down-Syndrom zum Gesicht seiner Beauty-Linie, Moschino castete mehrfach Aaron Philip, ein Transmodel mit schwerer Behinderung. Victoria’s Secret arbeitete mit Plus-Size-Model Ashley Graham, Rihannas Dessous-Label Savage X Fenty präsentierte seine Mode an Rollstuhlfahrern, alten Menschen, Übergewichtigen.

Ellie Goldstein modelte Anfang der 2020er für Gucci Beauty.

Model Ivy Stewart gilt als Vertreterin des neuen Heroin-Chics.
Paris Fashion Week zeigt das wahre Schönheitsideal
Doch die Wahrheit ist: Diversity war für die Modebranche nie mehr als eine PR-Kampagne. Wer sich die großen Luxuslabels ansieht – von Prada über Saint Laurent bis Miu Miu – findet bis heute nichts, was das alte High-Fashion-Ideal ernsthaft infrage stellt. Klar, Diversität darf immer mal wieder mitlaufen. Doch es gibt bis heute keinen Hedi-Slimane-Anzug in Übergröße. Und auch kein Prada-Kostüm in Konfektionsgröße 50.
Dass sich nichts geändert hat, wird sich diese Woche wieder zeigen. Ab Montag blickt die Modewelt nach Paris, wo die großen Häuser auf der Fashion Week ihre Herrenkollektionen für Frühjahr und Sommer 2027 präsentieren. Und selbst bei der Männermode lässt sich nicht verleugnen: Der Heroin-Chic ist zurück – nachdem er nie wirklich verschwunden war.

Designer Hedi Slimane machte für Celine auch in der Männermode ultra-schmale Silhouetten zum Standard.

Ein Model bei Saint Laurent während der Paris Fashion Week im März 2026. Auf den wichtigsten Laufstegen der Welt hat der Diversity-Wahn nichts geändert.
Wer daran zweifelt, muss nur einen Blick auf die Gesichter werfen, die die Mode feiert. Bella Hadid ist seit Jahren DIE ultradünne High-Fashion-Ikone. Model und Schauspielerin Kaia Gerber, Tochter von 90er-Superstar Cindy Crawford, zeigt sich auf Instagram mit dürren Armen und knochigem Dekolleté. Die Schottin Ivy Stewart läuft für Prada, Miu Miu, Chanel: mit bleicher Haut, dunklen Augenringen, mageren Gliedmaßen.
„Skinny“ reicht nicht mehr
Beim Casting gibt es dafür längst einen eigenen Ausdruck. Skinny reicht nicht mehr. Es muss „skinny skinny“ sein. Ozempic und andere Abnehmspritzen sind nicht Ursache dieses Trends. Sie fallen nur in eine Zeit, in der extreme Schlankheit wieder gesellschaftlich das ganz große Ding ist.
Dass Diversity in der Mode nicht mehr als ein höflicher (und lukrativer) Knicks vor dem Woke-Wahn war, zeigt auch eine aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität Wien. Wissenschaftler analysierten knapp 800.000 Bilder aus Modekampagnen, Magazincovern und Laufstegshows. Ihr Fazit ist bemerkenswert: Die Mode ist zwar sichtbar vielfältiger geworden, das eigentliche Schönheitsideal aber kaum.

So zeigt sich Model Kaia Gerber auf Instagram.
Es gibt heute mehr unterschiedliche Hautfarben, mehr ältere Models und mehr Plus-Size-Gesichter als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Als besonders begehrenswert gelten aber weiterhin die Attribute groß, jung und sehr schlank. Diversity hat das Schönheitsideal nicht ersetzt. Sie hat es, wenn überhaupt, ergänzt.
Studie: Wenn schon divers, dann effizient
Entlarvend ist ein Detail der Studie: Plus-Size-Models sind überdurchschnittlich häufig nicht weiß. Wenn Diversität also gezeigt wird, dann gern gebündelt. Anderer Körpertyp plus andere Hautfarbe, effizient zusammen abgefrühstückt – während das klassische Ideal nichts an Gültigkeit verliert.
Auf TikTok feiern junge Leute weltweit den Skinny-Trend, unter Videos extrem schlanker Influencer sammeln sich Bewunderung und Frust darüber, nicht selbst „so“ auszusehen. Genau wie in den 90ern, als sich jeder Teenager und jede Frau nach dem magischen Look von Supermodel Kate Moss, fertig-sexy, zerbrechlich und trotzdem selbstbewusst, sehnte.
Fakt ist: Das Comeback des Heroin-Chic ist nicht die logische Gegenbewegung zur Diversity-Ära. Es ist der Realitätscheck, dem die angebliche neue Vielfalt nicht standhalten kann.
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