„Macht das Maul auf!“: Dieter Bohlen über Meinungsfreiheit, Krieg und Xavier Naidoo
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Er ist einer der unerschrockensten Prominenten in Deutschland: Dieter Bohlen ist seit 45 Jahren im Entertainment. Der Musik-Produzent und TV-Star spricht jetzt im Podcast Hopf & Kettner von Finanzguru Philip Hopf und Dominik Kettner Klartext.
Vor allem auf die deutsche Politik schimpft der 72-Jährige: „Ich habe das Gefühl, die deutschen Politiker sind größenwahnsinnig geworden. Die haben keine Demut vor den Bürgern, was die Bürger wollen. Sie machen einfach ihr Dings und kommen da irgendwie mit rum, weil, das war ja die letzten 50, 60 Jahre immer so. Und ob da mal die CDU oder die SPD dran ist – wir sind immer irgendwie dran.“

Schrieb fünf Bestseller und sorgt mit jedem Interview für Schlagzeilen: Dieter Bohlen wird auch mit 72 Jahren nicht altersmilde.
Alter weiser Mann
Das politische Tagesgeschehen in Deutschland beobachtet der Unternehmer und Vater von sechs Kindern genau. Seine Reaktion: Fassungslosigkeit.
„Wenn ich mir angucke, was auf den Schulen los ist: Jeden Tag fallen etliche Stunden aus, es gibt nicht genug Lehrer, es gibt nicht genug Krankenschwestern, die wichtigsten Probleme kriegen wir nicht in den Griff. Und vor allen Dingen: Das Land muss doch für die Bürger was machen! Wenn wir wieder Leistung wollen, brauchst du Anreizsysteme. Du musst den Leuten schon sagen: Wenn du dich anstrengst, deine Überstunden brauchst du nicht zu versteuern. Wenn du länger arbeitest, Rentner mit 67, 68 bist und möchtest weiterarbeiten, da brauchst du von mir aus nur die Hälfte der Steuern zu zahlen.“
Nach seiner Karriere mit der Band Modern Talking an der Seite von Thomas Anders saß Bohlen ab 2002 in der Jury der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Sein Markenzeichen: klare Kante, große Klappe – die war einigen Senderverantwortlichen wohl zu groß. 2021 war Schluss. Zum Aus sagt Bohlen im Podcast, er sei auf Krücken von einer Reise zurückgekommen, als man ihn konfrontiert habe:
„Die haben mich auch abgeholt. Da waren jetzt auf einmal neue Geschäftsführer und die sagten gleich so: ‚Hallo Dieter, du, wir duzen uns auch alle und so.‘ Da dachte ich, geht gut los. Ja, dann setze ich mich hin und gleich Peng, also du bist nicht mehr dabei. Das tut weh.“
Laut eigener Aussage habe ihn Stefan Raab damals zu ProSieben holen wollen, doch Bohlen entschied sich dagegen und sitzt jetzt wieder bei RTL in der DSDS-Jury. Die Fans mögen seine markigen Sprüche, die Kritiker lauern auf den nächsten Skandal. Insgesamt hat Bohlen laut eigener Aussage schon fünf Millionen Euro an Schadensersatz bezahlt, weil er sich nie den Mund verbieten ließ. Bohlen dazu: „Politisch inkorrekt bin ich sowieso immer.“
Bohlen über Xavier Naidoo: „Er ist ein Gentleman“
Mit Sänger Xavier Naidoo saß Bohlen von 2019 bis 2020 gemeinsam in der DSDS-Jury. Nachdem der Sänger in der Coronazeit mit seinen Aussagen für Wirbel gesorgt hatte, wurde er entlassen. Bis heute nehmen Naidoo-Fans Dieter Bohlen übel, dass er sich damals nicht vor den in Ungnade gefallenen Musiker stellte. Bohlen sagt, hier überschätze man seine Macht, er habe keinerlei Mitspracherecht bei der Senderentscheidung gehabt:
„Ich habe mich mit Xavier damals immer supergut verstanden und hab’ mich totgelacht mit ihm. Wenn er da so vor dir steht und dir erzählt, die Erde ist eine Scheibe, und begründet das so zwei Stunden lang. Und der Mond, der ist aufgehängt worden von der NASA und deshalb ist da bei der NASA auch Walt Disney mit drin, und er hat mir das alles erklärt, und man merkt dann auch immer abends an der Bar, umso mehr du kritisch guckst, umso böser wird er. Ja, aber er ist ein Gentleman.“

Xavier Naidoo gilt aufgrund seiner Corona-Aussagen als heftig umstritten, hat aber immer noch eine treue Fangemeinde.
Als das Gespräch auf den Auftritt von AfD-Mann Björn Höcke im Podcast Ungeskriptet kommt, wütet Bohlen, die Definition von Demokratie sei völlig absurd geworden:
„Warum kann man nicht mit Menschen reden, die eine andere Meinung haben? Das ist doch das Grundverständnis von Demokratie, dass du eine andere Meinung zulässt.“
„Macht das Maul auf!“
Auch versteht der Hamburger nicht, dass sich niemand über die Kriegstreiberei mancher Politiker empört: „Dass da die Leute nicht langsam aufstehen und sagen: Wir wollen Frieden, verdammte Scheiße. Wo ist das geblieben? Wo sind die Grünen geblieben, die früher immer nur von Frieden und Friedenspartei sprachen, wo ist das alles geblieben?“
Er habe mehrmals mit Kanzler Friedrich Merz telefoniert und seine Sorge angesichts des Krieges zum Ausdruck gebracht. Merz jedoch scheine beratungsresistent.
„Ich habe gemerkt: Ob ich das jetzt sage oder in China fällt eine Schippe um! Also er glaubt fest daran, dass die Ukraine das gewinnen kann, und auch gar nicht mit dem Fazit: Wenn sie das gewinnen würde, was passiert denn dann? Glauben die wirklich, dass Russland und Putin sagen: Okay, wir verlieren eben. Nein, die haben das Arsenal von etlichen Hunderten von Atombomben, wo fast jede Atombombe fast ganz Deutschland ausrotten könnte. Und sie glauben: Nee, die machen das nicht.“
Was er sich traut, fordert der Multimillionär auch von anderen: Bohlen fordert die Deutschen explizit auf: „Macht das Maul auf!“ Er habe aber Verständnis dafür, dass manche Menschen um ihren Arbeitsplatz fürchteten und daher schwiegen.

Klare Kante, große Klappe: Dieter Bohlen
Bohlen schrieb fünf Bestseller. Vor allem seine Biografie „Nichts als die Wahrheit“ stand wochenlang auf der Bestsellerliste. Geschrieben hatte er sie 2002 zusammen mit der Kolumnistin Katja Kessler, der Ehefrau des früheren Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann:
„Ich war nie der geilste Sänger. Das habe ich irgendwann gemerkt. Also, was habe ich gemacht? Ich habe mir einen geilen Sänger gesucht: Thomas Anders, meinen Freund. Ich habe keinen Verleger gefunden. Also habe ich den Chef von der Bild-Zeitung angerufen, von dem ich wusste, seine Frau würde gerne Bücher schreiben. Da habe ich gesagt: Machen wir einen Deal! Deine Frau schreibt das Buch und ich kriege sechs Titelseiten. Und dann hatte ich einen Verleger auf einmal.“
Es ist ein Gespräch, das in den sozialen Medien jetzt schon für Wirbel sorgt. Zum Abschluss kündigt Bohlen daher an, er gehe „jetzt erstmal vier Wochen nicht ins Internet“. Vielleicht ist das eine gute Idee.
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Melanie Grün
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