Islam-Experte Ahmad Mansour: „Rüdiger und der DFB haben nichts aus der Özil-Affäre gelernt“
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In der Causa Antonio Rüdiger kritisiert Islam-Experte Ahmad Mansour den DFB.
Im Gespräch mit dem Portal T-Online sagte Ahmad Mansour: „Die Vorbildfunktion unserer Nationalspieler ist keine Einbahnstraße. Ich habe nicht das Gefühl, dass Antonio Rüdiger und der DFB aus der Affäre um Özil und aus den Geschehnissen in Katar gelernt haben.“
Der Tauhid-Finger, den Rüdiger gezeigt hat, ist nach Mansours Ansicht eine „zutiefst religiöse Geste“, die „von ihrem Ursprung her mit Extremismus absolut nichts zu tun“ habe. Sie bedeute ursprünglich lediglich: „Es gibt keinen Gott außer Allah“. Doch Mansour räumt ein: „Wir leben aber in einer Zeit, in der Bilder eine viel größere Rolle spielen als früher. Terroristen des IS benutzen diese Geste seit vielen Jahren. Sie haben sie beispielsweise bei Hinrichtungen und sogar Enthauptungen gezeigt, und wir alle haben diese Bilder im Kopf. Für die Macht dieser Bilder kann Antonio Rüdiger nichts.“
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Rüdigers Instagram-Post vom 11. März. Dazu die Botschaft: „Einen gesegneten Ramadan an alle Muslime weltweit. Möge der Allmächtige unser Fasten und unsere Gebete annehmen.“
Trotzdem habe er sich von Rüdiger erwartet, so Mansour zu T-Online, dass dieser sich darüber Gedanken mache, was sein Bild auf Social Media ausgelöst habe.
„Für viele Jugendliche ist diese Religion, die sie mit ihm teilen, ein ganz wesentlicher Teil ihres Selbstverständnisses. Auf viele dieser Jugendlichen wirkt das Bild ganz anders! Es bestätigt ihnen eine religiöse Identität, die ausgrenzend wirkt und kaum Distanz zum Islamismus aufweist. Für all das kann der Spieler nichts. Aber eine Sensibilisierung dafür sollte bei ihm vorhanden sein.“
„Das ist keine religiöse Geste, sondern Politik“
Deutschlands bekannteste Islam-Expertin, die Berliner Imamin Seyran Ates, sieht Rüdigers Geste wesentlich kritischer als Mansour. „Das ist keine religiöse Geste, sondern Politik“, sagte Ates der Berliner Zeitung. Die Kombination aus Teppich, Kleidung und Geste hält sie für die Inszenierung einer bedenklichen Botschaft. „In dieser Art und Weise ist das niemals Bestandteil eines religiösen Gebets. Es ist nicht Teil eines Gebetsablaufs. Es kommt auch nicht im Koran oder in den Haditen vor.“ Wer behaupte, das sei eine harmlose religiöse Geste, verbreite Lügen.

Seyran Ates ist Mitbegründerin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Nach Morddrohungen wurde die Moschee im Oktober 2023 geschlossen, Ates selbst steht seitdem unter polizeilichem Personenschutz.
Im Interview mit Welt TV präzisiert Ates, dass in einigen Rechtsschulen und Ländern zwar durchaus der Finger gehoben werde, allerdings nicht gen Himmel, sondern auf dem Knie in die Gebetsrichtung. „Dieses Detail ist meines Erachtens wichtig, denn dass der Arm zur Hälfte angehoben wird, und wie in seinem Post gen Himmel zeigt, ist nicht weit verbreitet und hat keine eindeutige religiöse Symbolik, wie das gerade in den Debatten behauptet wird.“
Rüdiger müsse diese Inszenierung erklären, „weil wir diese Bilder leider eher vom Islamischen Staat und anderen islamistischen Gruppierungen kennen.“ Sein Post sei eine komplette Inszenierung. „Er wollte genau dieses Bild produzieren.“
„Er hat Vorbildfunktion“
Auch der ehemalige Nationalspieler Jimmy Hartwig findet kritische Worte für Rüdiger: „Wenn er weiß, dass es eine Geste ist, die in den Radikalismus geht, muss er die Füße still halten. Er hat Vorbildfunktion“, sagte er im Gespräch mit Welt TV.
„Sowas geht nicht. Wir sind für Integration, wir sind für Vielfalt, wir sind gegen Rassismus. Und dann haut er so eine Meldung raus.“

Ex-Nationalspieler Jimmy Hartwig
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