Keine Cancel-Culture gegen linke Kriminelle: Grüne wollen Vergewaltiger-Bibliothek nicht umbenennen
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Im grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin ist die Bezirksbibliothek nach dem Kommunisten Pablo Neruda benannt, der sich zu einer Vergewaltigung bekannte. Im grün regierten Pullach in Bayern droht, dass das Otfried-Preußler-Gymnasium umbenannt wird – aus „Gegen-Rechts-Gründen“. Die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks, Clara Herrmann, spricht sich gegen eine Umbenennung aus.
Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg befindet sich die Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda. Der chilenische Poet und Kommunist ist bekennender Vergewaltiger, wie auf Wikipedia, im Guardian und bei Die Presse nachzulesen ist. In seiner nach seinem Tod erschienenen Autobiografie schrieb er über eine sexuelle Begegnung 1929. Der Historiker Simon Akstinat wies NIUS darauf hin.
„Zu allem entschlossen, packte ich sie eines Morgens herrisch am Handgelenk und blickte ihr ins Gesicht. Ich wußte keine Sprache, in der ich sie hätte ansprechen können. Ohne Lächeln ließ sie sich von mir führen, und schon lag sie nackt auf meinem Bett. Ihre schlanke Taille, ihre vollen Hüften, die überquellenden Becher ihrer Brüste machten sie den tausendjährigen Skulpturen Südindiens gleich. Die Begegnung war die eines Mannes mit einer Statue. Die ganze Zeit hielt sie die Augen offen, ungerührt. Sie verachtete mich mit Recht. Die Erfahrung wiederholte sich nicht.“

1952. Der chilenische Dichter Pablo Neruda (L) und der brasilianische Schriftsteller Jorge Amado sprechen auf dem Kongress der Völker für den Frieden.
Bekanntlich fordern Grüne und Linke ständig, aus politischen Gründen in Ungnade gefallene Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Gedächtnis zu verbannen. Zuletzt entschied sich die grüne Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund dazu, dass das Otfried-Preußler-Gymnasium im bayerischen Pullach umbenannt wird, weil dieser mit achtzehn Jahren den Jugendroman „Erntelager Geyer“ geschrieben hat, gegen den der Vorwurf nationalsozialistischer Propaganda erhoben wird.
Für sein Werk, zu dem die Kinderbücher „Der Räuber Hotzenplotz“, „Das kleine Gespenst“ und „Krabat“ gehören, wurde Preußler das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Es ist freilich Unsinn, bei berühmten Persönlichkeiten keine Verfehlungen oder Schattenseiten zu dulden, egal – ob links oder rechts –, weshalb die Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda ruhig weiter so heißen soll.
Nur verbieten sich doppelte Standards: Entweder man ist für die Umbenennung beider Institutionen oder in beiden Fällen dagegen.

Otfried Preußlers Werke gelten teils als Klassiker der Kinderliteratur.
Darum stellte NIUS der Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann, folgende Fragen und wies dabei auch auf die Preußler-Kontroverse in Bayern hin: „Stellen Sie sich hinter die Benennung der Bezirksbibliothek nach einem Poeten und Vergewaltiger?“ Die Antwort sei im Folgenden vollständig zitiert:
„Die Bezirkszentralbibliothek von Friedrichshain-Kreuzberg ist seit 2012 nach dem chilenischen Dichter, Diplomaten und Politiker Pablo Neruda benannt. Mit dieser Entscheidung wurde dem Wunsch vieler Bürger*innen und Mitarbeiter*innen entsprochen, an die Namensgebung der größten Bibliothek in Friedrichshain von 1974 bis 1989 anzuknüpfen. 2021 entschied sich Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg, die aufkommenden Fragen rund um die Person Neruda, #MeToo und Erinnerungskultur in eine Ausstellung fließen zu lassen, in deren Rahmen die Besucher*innen ihre Positionen einbringen konnten. Im Anschluss an die Ausstellung und parallel laufende Umfrage unter den Besucher*innen berichtete das Bezirksamt im Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung über die Ergebnisse. Der entsprechende Bericht kann von der Bezirksverordnetenversammlung als Grundlage für die Entscheidung über den weiteren Umgang mit dem Verfahren genutzt werden.“
Ein gelungener Kompromiss – könnte man sicher sagen. Womöglich wird sich dieser Umgang ja auf die noch ausstehende Entscheidungsfindung in Bayern auswirken. Das dortige Kultusministerium hat noch zu entscheiden, ob das Otfried-Preußler-Gymnasium tatsächlich umbenannt werden soll. Wünschenswert wäre, dass es seinen Namen behält wie die Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda, gemäß dem Motto: Keine Cancel-Culture, weder gegen Links noch gegen Rechts.
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Felix Perrefort
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