Klima, Gendern, Kinder-Impfpflicht: So viel Politik steckt in den Deutsch-Sprachprüfungen des Goethe-Instituts
Ein Beitrag von
Ausländer, die Deutsch lernen wollen, können dies am Goethe-Institut tun. Ein Musterprüfungsbogen zeigt, dass sie ihre Sprachfähigkeiten an hochpolitischen Themen beweisen sollen. Man stelle sich vor, wie Menschen aus dem Sudan, Uruguay oder Bolivien einen spontanen Vortrag zu der Frage halten sollen, ob Schüler wegen Klima-Demonstrationen die Schule schwänzen sollten. Wie sollen Deutschlerner souverän über Kontroversen sprechen, die in ihren Heimatländern gar nicht geführt werden?
Möchten Menschen fremder Länder die deutsche Sprache lernen, wenden sie sich an das Goethe-Institut, das mit fast 160 Standorten in fast 100 Ländern überall auf der Welt vertreten ist. Das Goethe-Institut ist eine aus dem Bundeshaushalt finanzierte Repräsentation Deutschlands im Ausland. Deutschlerner können dort Prüfungen ablegen, um sich ein bestimmtes Sprachniveau bescheinigen zu lassen. A1 bedeutet Anfänger-Kenntnisse, C2 steht für: „Fachkundige Sprachkenntnisse“. Die höchste Stufe Niveau ist C1, das für annähernd muttersprachliche Kenntnisse steht.
„Ist eine geschlechtergerechte Sprache wünschenswert?“
Seit dem 1. Januar 2024 wird die folgende Musterprüfung, mit der Deutschlerner sich vorbereiten können, für das Goethe-Zertifikat C2 „weltweit angeboten“, wie das Institut mitteilt. Im Prüfungsteil „Sprechen“ müssen die Prüflinge einen fünfminütigen Vortrag halten und eine ebenso lange Diskussion führen. Sie können zwischen der Fragestellung wählen, ob Schüler wegen Klima-Demonstrationen die Schule schwänzen dürfen, oder alternativ die Frage diskutieren, ob eine „geschlechtergerechte Sprache“ wünschenswert sei.


Man stelle sich vor, wie Menschen aus dem Sudan, Uruguay, Belarus, Argentinien, Bolivien oder dem Senegal, die alle einfach nur ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellen wollen, dies plötzlich anhand von Klima- und Gender-Diskussionen tun sollen, die in ihren Ländern gar nicht stattfinden. Es wirkt unfair, sie mit Themengebieten zu konfrontieren, zu denen ihnen deutlich weniger einfallen wird als zu wirklich internationalen Themen. Zum Vergleich: 2023 war die entsprechende Fragestellung: „Immer mehr Menschen kommunizieren per E-Mail miteinander. Welche Vor- und welche Nachteile sehen Sie darin im Vergleich zu der normalen Briefpost?“
In Teil 2 sollen die Prüflinge zum Thema „Impfpflicht für Kinder“, ein nach der Corona-Zeit hochpolitisiertes Thema. Das Goethe-Institut scheint hier nicht nur die Sprachfähigkeit, sondern auch die Gesinnung abzufragen.

Goethe-Institut verteidigt sich
NIUS fragte das Goethe-Institut: Halten Sie es für fair, mit derart politischen und Deutschland-spezifischen Themen Sprachfähigkeiten zu prüfen? Die ausführlich zitierte Antwort der Pressesprecherin:
„Das Niveau C1 bedingt, dass man sich zu komplexen und auch kontroversen Themen äußern können muss. Auf jedem Niveau werden zahlreiche Prüfungssätze bzw. Module für Sprechen und Schreiben angeboten und regelmäßig neu produziert. Dies dient auch der Qualitätssicherung der Prüfungen, sodass Themen nicht auswendig gelernt werden können.
Grundlage bei der Erstellung der produktiven Aufgaben für den sogenannten Echtbetrieb ist es stets, Themen zu wählen, die weltweit verwendbar sind und die allen Teilnehmenden die Möglichkeit geben, ihre Sprachkenntnisse entsprechend der Kannbeschreibungen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GeR) zu zeigen. Zu den Themen wird in der Erprobungsphase Rückmeldung von Kollegen und Kolleginnen an verschiedenen Standorten weltweit eingeholt. Wenn deutlich wird, dass für Teilnehmende aus einer Region ein Thema inhaltlich problematisch ist, dann wird dies berücksichtigt.
Im Modellsatz des Goethe-Zertifikats C1, den Sie erwähnen, wurden gezielt aktuelle Themen gewählt, die einen besonders großzügigen Raum für Kontroverse bieten. Für eine Vorbereitung auf die mündliche Produktion und Interaktion auf diesem Niveau kann dies für Teilnehmende hilfreich sein. Bei Aufgabe 1 haben die Teilnehmenden in der Echtprüfung außerdem zwei Themen zur Wahl. Es gibt zudem die Möglichkeit, dass ein Prüfungszentrum sich dafür entscheidet, einen bestimmten Prüfungssatz nicht zu verwenden und uns entsprechende Rückmeldung zu geben. Dies kommt der Erfahrung nach aber eher in Ausnahmefällen vor.“
Dem Anspruch nach werden also Themen gewählt, „die weltweit verwendbar sind“. Genau das trifft beim aktuellen Prüfungsbeispiel aber nicht zu. Befürchtet werden muss, dass nach diesem Vorbild künftige Prüfungen konzipiert werden. Beruhigend stimmt allerdings, dass die Prüfungszentren Prüfungssätze auch zurückgeben können.
Mehr NIUS:
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Mehr NIUS:
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Gescheiterte Timmy-Rettung sorgt weltweit für Spott: „Deutschland hat den Verstand verloren“
#Männerhass: Wie ständig neue Internettrends Beziehungen schlechtreden
Nach „Lackaffe“-Strafbefehl: Drei weitere Merz-Beleidigungen werden von Staatsanwaltschaft Heilbronn verfolgt
Felix Perrefort
Artikel teilen
Kommentare