Kolonialismus-Ausstellung in Dortmund: Wenn ein Schwarzer kommt, müssen Sie gehen
Ein Beitrag von
Es war ein bizarres Schauspiel, das sich am Samstag auf dem wunderschönen Areal des stillgelegten Steinkohlebergwerk Zeche Zollern in Dortmund ereignet hat. Vor der Anlage steht eine Traube mit 10 Polizisten. Am Eingang lehnt sich ein Mann über das Geländer, der einen Pulli mit der Aufschrift „Deutsches Reich“ trägt. Vor dem Ausstellungsraum tummeln sich Journalisten, die Kultursenatorin läuft neben nervösen Museumsmitarbeitern umher, mittendrin wird eine Hochzeit gefeiert.
Der Grund für den Trubel: In der Zeche Zollern läuft schon seit März die Ausstellung „Das ist kolonial“, in der die koloniale Vergangenheit von Westfalen gezeigt und aufgearbeitet werden soll. Die Ausstellung ist eine Werkstatt und „partizipativ“. Das bedeutet: Jeder kann mitmachen. Und dazu gehört auch, dass Weiße den Ausstellungsraum jeden Samstag zwischen 10 und 14 Uhr nicht betreten dürfen. Der Grund: Schwarze Menschen sollen durch die Anwesenheit von weißen Menschen nicht verletzt werden.
Safe Space für Schwarze
Ein Video des Senders „Antenne Frei“ machte vor knapp einer Woche auf diesen Ausschluss von Weißen aufmerksam. Der Fall wurde dann von NIUS und anderen Medien aufgegriffen, woraufhin das Museum zurückruderte: Das Hinweisschild vor dem Ausstellungsraum sei lediglich eine Bitte an die Besucher gewesen, BIPoCs (Abkürzung aus dem Englischen für Black People, Indigenous People and People of Colour – also Schwarze) für diese Zeit einen „Safe Space“ zu ermöglichen, rechtfertigte sich die Museumsleitung. Niemand werde ausgeschlossen. Jeder könne frei entscheiden, ob er samstags den Ausstellungsraum betrete oder nicht.
Vor Ort zeigt sich: Die Ausstellung war während der umstrittenen „BiPoC-Zeit“ fast leer. Die Mehrheit der Besucher besteht aus weißen Journalisten und ein paar weißen Rentnern, die sich über ihr eigenes Weißsein und die nicht präsenten Schwarzen unterhalten.
Die Banalisierung der Dinge
Und genau das war das Bizarre an der Ausstellung: Sie diente nicht dazu, über die Gräuel des Kolonialismus – also Sklaverei, Menschenhandel und Genozid – aufzuklären, sondern identifizierte das Weiterleben dieser Gräuel in banalen Alltagshandlungen oder einem „kolonialen Blick“, den Weiße angeblich auf Schwarze haben. Nach dieser Definition ist alles rassistisch: Der Klimawandel, Ansichtskarten aus der Kolonialzeit, auf denen ein Löwe abgebildet ist, Holzfiguren aus derselben Epoche oder eben die bloße Präsenz von Weißen. Im Museum waren das die Dinge, Figuren und Darstellungen, die mit Triggerwarnungen versehen wurden – die koloniale Ausbeutung an sich stand nicht im Fokus.

Nicht mehr die kolonialen Gräuel werden mit Triggerwarnungen versehen, sondern Postkarten von Löwen und Figuren aus der Kolonial-Zeit.
Von einem Museumsmitarbeiter erfahren wir, dass wir die Ausstellung ausnahmsweise betreten und auch drehen dürfen. „Wenn aber ein BIPoC kommt, muss ich sie auffordern zu gehen“, heißt es. Gern hätten wir gewusst, ab wann ein BiPoC ein BiPoC ist, wie dunkel die Haut sein muss, um in die Gruppe aufgenommen zu werden, ob ich als Halbtürkin noch dazugehöre und wie es überhaupt um Migranten steht, die zwar weiß sind, aber auch Rassismus erfahren, wie etwa Polen oder Ukrainer. Aber Nachfragen werden nicht beantwortet …
Spielplatz für weiße Bildungsbürger
Erst um kurz vor zwei betritt ein schwarzer Black Lives Matter-Aktivist die Ausstellung. Rausgeworfen wird niemand. Er spricht sich für den Safe Space aus, stimmt aber zu, dass eine Pauschalverurteilung von Weißen als Rassisten schlechthin nicht zielführend und spaltend ist. Wir diskutieren freundlich miteinander. Irgendwann stellt sich die Museumsleitung neben uns, unterbricht unser Gespräch und versucht, den Aktivisten davon zu überzeugen, besser nicht mit uns zu reden.
Es ist faszinierend: Eine Weiße, die eine Kolonialismus-Ausstellung leitet, will dem einzigen Schwarzen auf der Ausstellung vorschreiben, mit wem er zu reden hat. Auf diesen Gedanken kann man nur kommen, wenn man Schwarzen nicht auf Augenhöhe begegnet, sondern sie als ewige Opfer, als Unterlegene und Schutzbedürftige ansieht.
Und es ist genau diese Attitüde, die den Kern der Ausstellung „Das ist kolonial“ prägt: Sie ist ein Spielplatz für Weiße. Im Zentrum steht der gut situierte Bildungsbürger, der sich für kurze Zeit als Held fühlen kann, weil er vor der Tür eines Museums wartet, das Wort „Mohr“ aus seinem Wortschatz verbannt oder sich mit Hilfe einer Checkliste kurz für seine Privilegien schämt. Ob das den Schwarzen in Deutschland, die größtenteils in überfüllten Flüchtlingsheimen ein trauriges Dasein fristen, wirklich hilft, sei dahingestellt.
Lesen Sie gerne auch: Kolonial-Ausstellung in Dortmund: Weiße Besucher müssen samstags draußen bleiben
Mehr NIUS:
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Mehr NIUS:
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Gescheiterte Timmy-Rettung sorgt weltweit für Spott: „Deutschland hat den Verstand verloren“
#Männerhass: Wie ständig neue Internettrends Beziehungen schlechtreden
Nach „Lackaffe“-Strafbefehl: Drei weitere Merz-Beleidigungen werden von Staatsanwaltschaft Heilbronn verfolgt
Judith Sevinç Basad
Artikel teilen
Kommentare