Kolumnist Martenstein zu Gottschalks Abschied: „Leute haben Angst vor sozialer Ächtung“
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Er stand 154 Mal in bunten Anzügen auf den Bühnen verschiedener Stadthallen und moderierte eine der erfolgreichsten Shows des Landes - Thomas Gottschalk feierte am vergangenen Wochenende seinen Abschied mit der letzten Sendung „Wetten, dass…?“
Zu Gast waren unter anderem Schauspieler Matthias Schweighöfer, Fußballer Bastian Schweinsteiger, Sängerin Helene Fischer und Cher. Einige der Gags, sowie Ausdrucksweisen des Show-Masters wirkten etwas unbeholfen.
Zum kleinen Felix, der die Kinderwette präsentierte, sagte er: „Du sitzt im Rollstuhl und bist ein aufgewecktes Kerlchen“. Von Rapperin Shirin David musste er sich „Feminismus“ erklären lassen. Soweit nichts Ungewöhnliches für Thomas Gottschalk, der immer gern aneckte.

Die mediale Rezeption war jedoch bescheiden. Vor allem, seine „väterliche Art“ scheint in heutigen Zeiten antiquiert, seine Witze wirkten zuweilen deplatziert, die Stimmung auf der Wettcoach: teils angespannt. „Da hat er wirklich in der Sendung selbst den Beweis dafür erbracht, wie schwierig es ist, sich jenseits immer enger gezogener Grenzen zu bewegen,“, analysiert Kolumnist Harald Martenstein am Montagabend im Nachrichten-Talk „Stimmt!“.

Es werde mühseliger, sich frei auszudrücken. Das jüngste Beispiel sogenannter „Cancel Culture“ ist der Journalist Constantin Schreiber. Er hatte angekündigt, sich nicht mehr zu seinem Spezialgebiet Islam äußern zu wollen, da er Sorge um seine Sicherheit, sowie die seiner Familie hat.

Journalist Constantin Schreiber.
Thomas Gottschalk beendete die Sendung dann auch mit einem klaren Statement. Es sei besser aufzuhören, wenn man im Fernsehen nicht mehr so sprechen dürfe wie zu Hause, so der Kult-Moderator. Er wolle seinen Mitarbeitern die „Shitstorms“ ersparen.
„Die Leute kriegen Angst“, sagt Martenstein im NIUS-Talk. „Nicht, weil sie ins Gefängnis müssen, an dem Punkt sind wir ja noch lange nicht“, so der Kolumnist, „aber man hat es dann eben mit sozialer Ächtung zu tun.“
Die ganze Sendung „Stimmt!“ gibt es hier:
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