Lebenshilfe-Mitarbeiterin berichtet: „Ich will nicht, dass mein Arbeitgeber mich für Anti-Rechts-Demos rekrutiert“
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Im Zuge der „Demos gegen Rechts“ mobilisiert die Regierung, wo es nur geht. Ob in Schulen, im Rundfunk oder in staatlichen Unternehmen, wie der Bahn. Der Verein Lebenshilfe Krefeld e.V. lud seine Mitarbeiter ein, eine „Anti-Rechts-Demo“ zu besuchen.
NIUS sprach mit einer Mitarbeiterin, die es zweifelhaft findet, dass ihr Arbeitgeber sie zu Demonstration gegen die „falsche Meinung“ animiert.
„Es ist unglaublich, wie schön die Lebenshilfe Krefeld das Ganze verpackt hat. Offensichtlich versucht die Regierung mit allen Mitteln Menschen zu rekrutieren. Unfassbar“, sagt die Frau, die aus Angst vor Repressionen anonym bleiben möchte, gegenüber NIUS. „Ich fand das unmöglich, als ich das Schreiben heute bekam“.

Der Aufruf zur Demo ist auch auf der Homepage des Vereins zu finden.
Gegen jede Ausgrenzung! Oder doch nicht?
Im Schreiben des Arbeitgebers heißt es: „Lebenshilfe Krefeld e.V. steht für Menschlichkeit und Vielfalt. Ausgrenzung und Diskriminierung – egal welcher Gruppen in unserer Gesellschaft – lehnen wir ab“. Ironisch, denn die Demonstration, zu der aufgerufen wird, richtet sich gegen die Politik der AfD: einer Partei, die bundesweit über 20 Prozent der Stimmen in Umfragen auf sich vereint – und in einigen ostdeutschen Bundesländern mit Abstand stärkste Kraft ist.
Im weiteren Verlauf des Schreibens werden die besprochenen Pläne des „Potsdam-Treffens“ verzerrt: „So haben Vertreter der AfD mit weiteren rechtsradikalen Kräften einen Plan entwickelt: Sie wollen Menschen mit ausländischen Wurzeln aus Deutschland vertreiben“. Der Autor des Aufrufs stellt die Abschiebung von illegalen Einwanderern und kriminellen Doppelstaatlern als implizierte „ethnische Säuberung“ dar. Gefolgt wird dies mit einer Prise Relativierung des Nationalsozialismus, indem man diese Abschiebepläne in eine Relation zu der „deutschen Geschichte“ setzt.

Die Lebenshilfe Krefeld ist ein großer Träger von Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderungen in der Stadt Krefeld.
„Ich wusste, dass da was faul ist!“
„Ich habe selbst einen Migrationshintergrund“, sagt die Mitarbeiterin zu NIUS. „Direkt nach der Correctiv-Recherche wusste ich, dass etwas faul ist“. Sie beschwert sich darüber, dass die Regierung, wo sie nur kann, zu den Demos mobilisiert. „Wenn ich mal demonstrieren gehe, dann vielleicht gegen die Regierung, aber doch nicht für sie“, verrät sie NIUS.
Die empörte Frau fragt: „Wenn da tatsächlich solche Deportations-Pläne geschmiedet wurden, warum greift der Staatsschutz nicht ein? Ich bin doch angeblich in Gefahr?!“. Und tatsächlich gibt es seitens der Potsdamer Staatsanwaltschaft bis dato keine Ermittlungen.
Kurz hat die Mitarbeiterin überlegt, ob sie ihrem Arbeitgeber auf die Mail antwortet, aber aus Angst vor einem Nachspiel ließ sie es sein.
NIUS hat beim Lebenshilfe Krefeld e.V. angefragt, ob dieser durch öffentliche Gelder finanziert wird – Antwort ausstehend.
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Amir Makatov
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