Ludwigshafen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: „Es fehlt der Kontakt der Politik zu den Menschen“
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Eric SteinbergWenn am Sonntag in Rheinland-Pfalz gewählt wird, steht Ludwigshafen im Fokus – nicht nur, weil die BASF mit rund 40.000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Bundesland ist. Die Stadt am Rhein schreibt schon länger keine positiven Schlagzeilen mehr und könnte vor allem der Alternative für Deutschland ein überdurchschnittliches Wahlergebnis bescheren. NIUS hat sich vor der Wahl in der Stadt umgehört, welche Sorgen die Menschen am meisten beschäftigen.
Die Industriestadt Ludwigshafen, mit 177.000 Einwohnern immerhin die zweitgrößte nach der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz, befindet sich im Abstieg. Das größte Sorgenkind: die BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern, dessen Produkte in unzähligen unterschiedlichen Alltagsgegenständen stecken, verweilt mittlerweile schon länger in einer tiefen Krise. In den Jahren 2020 und 2022 schrieb das Unternehmen rote Zahlen, und auch die aktuellen Gewinne bleiben schwach und sind größtenteils auf Abverkäufe zurückzuführen.
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Angst um Jobs und Perspektiven
Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich Ende Februar: Der Konzern kündigte an, rund 4.400 Werkswohnungen, die meisten davon in Ludwigshafen, verkaufen zu wollen. Ein Schritt, der in der Stadt für große Diskussionen sorgte, allerdings finanziell kaum ins Gewicht fällt. Viele der Stadtbewohner sehen die Zukunft des Unternehmens auch deshalb skeptisch: Ein Handwerker, der aktuell mit der Sanierung einiger Werkswohnungen in der Ludwigshafener Geibelstraße betraut ist, sagt im Gespräch mit NIUS: „Die meisten sind schlecht gelaunt, man weiß nicht mehr, wohin mit sich selbst. Ist mein Arbeitsplatz gefährdet? Was passiert mit meinen Kindern? Die sitzen da, gucken die Wand an und denken sich einfach: Was mache ich jetzt?“

Das BASF-Werk in Ludwigshafen: Der Chemiekonzern ist der größte Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz.
Die Gründe für den Abstieg jedenfalls sind bekannt: hohe Energiepreise in Deutschland, wirtschaftliche Fehlentscheidungen und zusätzlich eine stark wachsende Konkurrenz aus China. Das Land ist in den letzten zwanzig Jahren zum größten Chemiemarkt der Welt geworden und vereint heute 45 Prozent der weltweiten Chemienachfrage auf sich.
Doch das sind nicht die einzigen Probleme Ludwigshafens. Einer, der den Abstieg der Stadt miterlebt hat und auch die übrigen Probleme kennt, ist Grigorios Papadopoulos. Seit einigen Jahren betreibt er in der Stadt die Gaststätte „Beer House“ und kennt daher die Sorgen der Ludwigshafener zur Genüge. Er kritisiert nicht nur die infrastrukturellen Probleme Ludwigshafens, sondern auch den hohen Migrationsanteil, der das Erscheinungsbild der Innenstadt verändert hat – nicht immer mit dem nötigen Anpassungswillen.
Migration hat die Stadt verändert
Wie auch in der Nachbarstadt Mannheim hat etwa die Hälfte der Bevölkerung mittlerweile einen Migrationshintergrund. Dönerläden reihen sich an Kioske, Euro-Shops und leerstehende Geschäfte. Hochwertigere Einkaufsmöglichkeiten finden sich nur noch im Einkaufscenter Rhein-Galerie unweit des Rheinufers – jedoch nicht mehr zentral in der Stadt.

Die Innenstadt von Ludwigshafen lädt nicht mehr zum Verweilen ein – sofern man nicht Anhänger ausgeprägter arabisch-türkischer Esskultur ist.
Nicht wenige Ludwigshafener sehen in der AfD die Lösung der Probleme – oder zumindest als Wahloption, mit der die Ablehnung der bisherigen Politik ausgedrückt werden kann. Darunter auch viele, die selbst einen Migrationshintergrund haben, sich jedoch bereits seit Jahrzehnten integriert haben und längst in der Gesellschaft angekommen sind. Papadopoulos berichtet: „Die, die ich kenne, die wählen können, Türken, Ex-Jugoslawen, Slawen, Italiener, Spanier, also die, die ich kenne, die neigen zur AfD.“
Wie erfolgreich die Partei in der Stadt tatsächlich wird, werden erst die sonntäglichen Hochrechnungen zeigen. Viel Frust und damit die Chance auf ein gutes Wahlergebnis sind jedoch auf jeden Fall vorhanden.
Lesen Sie außerdem: Hohe Energiepreise, Deindustrialisierung und der Aufstieg Chinas: Der tiefe Fall der BASF
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