Lügen, falsche Zitate, Diffamierungen: Wie sich die Uni Cambridge an der Zerstörung einer jungen Frau beteiligt
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Es gibt nur zwei biologische Geschlechter. Wegen dieser Aussage versuchen Aktivisten seit mehr als einem Jahr, die Existenz der Biologin Marie-Luise Vollbrecht zu zerstören. Die Methode: Man unterstellt ihr die Leugnung von NS-Verbrechen. Ausgerechnet die Universität Cambridge veröffentlichte jetzt einen Aufsatz, in dem diese haltlosen Diffamierungen als wissenschaftliche Tatsache zementiert wurden. Der Fall zeigt, wie leichtfertig die renommiertesten Unis der Welt ihre Qualitätsstandards über den Haufen werfen – und wie der woke Zeitgeist-Aktivismus die Wissenschaft zerstört.
Im Sommer 2022 wollte Vollbrecht an der Humboldt Universität Berlin einen Vortrag darüber halten, wieso es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt. Der Vortrag wurde in letzter Minute abgesagt, weil Trans-Aktivisten zum Protest aufriefen und die Uni eine Eskalation befürchtete. Der Fall bekam als exemplarisches Beispiel für Cancel Culture internationale Aufmerksamkeit. Seitdem ist Vollbrecht Zielscheibe des Hasses.
Die Aktivisten wendeten die perfidesten Methoden an, um die junge Frau zu diskreditieren. Mitunter rissen sie Vollbrechts Tweets aus dem Zusammenhang, in denen sie die Singularität der Shoa verteidigte. Meistens antwortete Vollbrecht auf die Tweets von Trans-Aktivisten, die sich immer wieder mit den von den Nazis ermordeten Juden gleichsetzten.

Vollbrecht warf den Aktivisten Geschichtsklitterung und Pietätslosigkeit vor. Sie hasse dieses Narrativ, schrieb die Biologin in einem Tweet, weil es die „wahren Opfer“ der NS-Verbrechen verspotte. Mit „wahren Opfern“ waren die ermordeten Juden gemeint. Zeitgleich betonte Vollbrecht, dass sie es nie in Abrede gestellt habe, dass Transsexuelle von den Nazis verfolgt wurden. Aber sie wurden eben nicht in dem Maße verfolgt wie die Juden.

Eine falsche Übersetzung von Vollbrechts Tweets, um sie auf internationaler Ebene zu diffamieren. Der Autor dieses Tweets wurde daraufhin als "neutraler" Gutachter im Fall Vollbrecht engagiert.
Doch da war es schon zu spät. Vollbrecht hatte es gewagt, die größenwahnsinnigen Opfer-Fantasien einzelner Aktivisten in Frage zu stellen. Also rissen sie Vollbrechts Tweets aus dem Zusammenhang, drehten ihr die Aussagen im Mund herum, taggten ihren Arbeitgeber und übersetzten ihre Tweets absichtlich falsch ins Englische, damit ihr wissenschaftlicher Ruf auch international zerstört wird. Trans-Verbände wie die DGTI verbreiten den Hashtag #MarieLeugnetNSVerbrechen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Zeitungsartikel der Biologin Holocaust-Leugnung vorwarfen.
Es ist absurd: Ausgerechnet die Frau, die sich dagegen wehrt, dass man das Leid von Holocaust-Opfern als eine „nicht-binäre“ Laune von Trans-Aktivisten verhöhnt, stand innerhalb von kürzester Zeit selbst als Antisemitin da.

Vollbrecht wehrte sich juristisch gegen diese Verleumdung und zog gegen die DGTI, die den Hashtag mit verbreitet hatte, vor Gericht. Um ihren Standpunkt zu untermauern, dass Transsexuelle ähnlich verfolgt wurden wie Juden, engagierte die DGTI mehrere Gutachter: Neben dem Soziologen Dr. Rainer Herrn auch zwei Aktivisten, die sich zuvor an der Hetzjagd gegen Vollbrecht beteiligten: Den Historiker Bodie Ashton von der Universität Erfurt, der Vollbrecht auf Twitter schon seit einer Weile attackierte. Und die US-amerikanische „nicht-binäre“ Wissenschaftlerin Laurie Marhoefer von der Universität Washington.

Marhoefer hat jetzt dieses Gutachten als wissenschaftlichen Aufsatz bei der Cambridge University Press veröffentlicht. Der Titel: „Transgender Life and Persecution under the Nazi State: Gutachten on the Vollbrecht Case“. Das Problem: Der Artikel ist voller Fehler und Verleumdungen.
So schmückt sich die Autorin damit, dass sie für den berüchtigten „Vollbrecht Case“ ein für die Richter bedeutsames Gutachten verfasst habe. Es wird gar behauptet, es hätte Formvorgaben vom Gericht gegeben. Das Problem: Das Gutachten wurde nie bei Gericht eingereicht, wie Vollbrechts Anwaltskanzlei NIUS bestätigte. Marhoefer erwähnte das in ihrem Paper nicht.
Falsche Übersetzungen
Doch damit nicht genug. So wurde Vollbrechts Tweet, in dem sie sich dagegen aussprach, die „wahren Opfer“ der NS-Verbrechen zu „verspotten“, falsch übersetzt. Aus „verspotten“ machte Marhoefer „to mock“ (sich lustig machen). Durch die Verwendung dieser Vokabel, so liest man weiter, suggeriere Vollbrecht, dass Transsexuelle per se „lächerlich“ (ridiculous) seien. Eine irre Falschbehauptung, für die Marhoefer keinen Beleg liefert.
Dass sich Vollbrecht dagegen wehrte, dass man das Leid von Transsexuellen mit dem Leid der ermordeten Juden gleichsetzt, erwähnt Marhoefer nicht. Stattdessen behauptet die Autorin, dass es Vollbrecht um die Verspottung von „cis-geschlechtlichen“ Personen – also Menschen, die nicht transsexuell sind – ging. Marhoefer degradiert hier die von Vollbrecht gemeinten jüdischen Opfer zu „cis-gender“-Personen, um Vollbrecht als Trans-Hasserin dastehen zu lassen. Das ist besonders niederträchtig.
Doch das ist nicht der einzige Fehler in dem Artikel. An mehreren Stellen heißt es, dass Vollbrecht die NS-Verfolgung von Transsexuellen geleugnet habe. Das ist falsch, wie das Oberlandesgericht Köln im Jahr 2023 in einem Beschluss erklärte, der dem Landesgericht Köln bescheinigte, die Aussagen Vollbrechts im ersten Urteil grundsätzlich falsch verstanden zu haben. Dort steht, dass Vollbrecht keine NS-Verbrechen geleugnet hat, sondern die Singularität der Shoa verteidigte.
Denn: Das Gericht versteht die Kampagne der Aktivisten gegen Vollbrecht als Teil der „Versuche entsprechender Gruppierungen, die Deutungshoheit über den Begriff der NS-Verbrechen" zu erlangen. Man sah einen schmutzigen Meinungskampf um „eher politisch motivierte Begriffsverwirrungen“, in dem es auf historische Fakten kaum noch ankäme.
Bedeutet: Marhoefer bezieht ihr gesamtes Paper auf ein nie rechtskräftig gewordenes und in der Sache schwer fehlerbehaftetes Urteil und verschweigt den höherinstanzlichen Beschluss, der mit Trans-Aktivisten hart ins Gericht geht. Das ist keine Wissenschaft, sondern grenzt an Betrug.
Der Aufsatz Marhoefers ist Teil des schmutzigen Kampfs um die Deutungshoheit über Begriffe, den das OLG beschrieben hat. Zu diesem Zweck bedient er sich nicht nur unlauterer Mittel gegenüber Vollbrecht, sondern will Mitaktivisten sogar noch mit angeblich gerichtlich bestätigter Autorität erhöhen.
Erfundenes Lob
Denn auch die Vetternwirtschaft, die in dem Artikel betrieben wird, fußt auf falschen Fakten. So bezieht sich Marhoefer lobend auf ihren Kollegen Ashton, der das zweite Gutachten für die DGTI geschrieben hat. Das Gericht, so schreibt die Autorin, habe sich bei seiner Entscheidung an diesem Gutachten orientiert, das sogar „in dem Urteil erwähnt“ wurde.
Erwähnt wurde Ashtons Gutachten zwar nicht im ersten Urteil (auf das sich Marhoefer bezieht), dafür im Beschluss des OLG (den sie ihren Lesern verschweigt). Allerdings mit der Anmerkung, dass dessen Inhalt „bei der Würdigung der streitgegenständlichen Äußerung kein Rolle" spiele. Erkennbar soll hier ein von Marhoefer geschätzter Kollege auf Kosten von Vollbrecht erhöht und gefördert werden. Dieser bedankte sich umgehend, indem er den Artikel Marhoefers auf Twitter empfahl. Eine Aktivistenhand wäscht die andere.
Wie konnte Cambridge so etwas veröffentlichen?
Es erstaunt, wie es dieser Artikel überhaupt durch den Peer Review, also der Qualitätskontrolle durch zwei Professoren, schaffen konnte. Die Cambridge University Press genießt weltweit hohes Ansehen, ihre Artikel werden häufig von anderen Fachmagazin zitiert, weswegen der Verlag hohe Hürden für Veröffentlichungen setzt.
Eine NIUS-Anfrage, wie die Cambridge University Press die Veröffentlichung verantworten kann, blieb bislang unbeantwortet.
Wahr ist: Mit diesem Artikel wurden falsche Fakten geschaffen, die nur einem Zweck dienen: eine junge Frau zu zerstören. Jeder, der sich jetzt bei der Hetzjagd gegen Vollbrecht beteiligen will, kann sich nicht nur auf „die Wissenschaft“, sondern auch noch „auf Cambridge“ beziehen. Aber in welche Richtung wird sich eine Gesellschaft entwickeln, wenn plötzlich jede Verleumdung zum wissenschaftlichen Fakt erhoben werden kann? Und: Wie ist es um die Wahrheit bestellt, wenn ein brüllender Twitter-Mob tatsächlich in der Lage ist, unbeliebten Fakten, Stimmen und Existenzen aus der Welt zu schaffen?
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Judith Sevinç Basad
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