Nach Reizgasattacken und Rippenprellungen: Jetzt wurde an Cottbusser Problem-Grundschule ein Mädchen zusammengetreten
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Eric SteinbergErneut gibt es Vorwürfe gegen die Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus. Obwohl nach einer Schulversammlung vor knapp drei Wochen eigentlich Ruhe an der Problem-Schule einkehren sollte, habe es danach erneut schwere Gewalt gegeben, wie Eltern NIUS gegenüber berichten. Die Vorfälle werfen mal wieder einen dunklen Schatten auf das Vorgehen der Schulleitung.
Erneut geht es an der brandenburgischen Grundschule um schwere Gewalt. Nach jahrelangem Mobbing sei einer 11-Jährigen von einer Mitschülerin zuletzt so schwer in den Genitalbereich getreten worden, dass diese daraufhin einen Arzt aufsuchen musste.
Angefangen habe alles auf dem Schulhof: Zuerst habe das Opfer noch mit der Mitschülerin gespielt, danach habe sich diese jedoch zurückgezogen und der 11-Jährigen plötzlich unvermittelt das Knie in den Genitalbereich gerammt. Die Gynäkologin des Kindes habe daraufhin festgestellt, „dass es nicht nur ein kleines Hämatom ist, sondern es auf beiden Seiten ein richtig massives Hämatom ist. Das heißt, es war eine starke Körperverletzung“, berichtet die Mutter. Zusätzlich habe man die Tat zur Anzeige gebracht.
Eine Reaktion der Schulleitung dazu blieb bisher aus, informiert worden sei man außerdem erst zwei Stunden nach dem Vorfall. Lediglich der Schulsanitäter habe sich gemeldet und gefragt, wie nun das weitere Vorgehen der Familie sei.
Jahrelange, fortschreitende Eskalation
Dabei ist die Drangsalierung der Schülerin keine Neuheit. 2023 gab es zuerst noch kleine Reibereien um den Inhalt der mitgebrachten Brotbüchse, dann seien Sachbeschädigungen wie zerstörte Pullover oder Hefte hinzugekommen. Später habe sich psychische wie physische Gewalt derart manifestiert, dass die Tochter letztlich sogar suizidgefährdet war.
Und: Bis heute habe die Gewalt „leider Gottes nicht abgenommen“, erzählt der Vater. „Ich hatte mit der Schule immer kommuniziert. Ich habe auch Elternabende organisiert, auf denen wir darüber gesprochen haben. Und die Schule hat sich konsequent aus diesem Thema herausgehalten, hat es immer heruntergespielt.“ Auch zu den Eltern der Täterkinder habe die Familie versucht, Kontakt aufzunehmen. Das Resultat war eine Bagatellisierung: Die Vorkommnisse seien einfach „Kinderstreitigkeiten“.

In Cottbus ist der Klassenraum für manche Schüler ein Ort der Angst statt des Lernens.
Die Mobbingattacken hätten sich phasenweise intensiviert, immer wieder habe die Familie die Tochter deshalb aus dem Unterricht genommen. Unfassbar: „Die Direktorin und die Klassenlehrerin waren dann so stinkig, dass man uns auch Vorwürfe gemacht hat“, berichtet der Vater. Die Schule habe deshalb per Brief sogar mit dem Jugendamt gedroht.
Schulleitung verweigert Gespräch: „Nehmen Sie es einfach so hin“
In besonderer Weise richten sich die Vorwürfe gegen Schulleiterin Kathrin Haug. Obwohl man vielfach um ein Einzelgespräch mit ihr gebeten habe, sei das Gesuch immer abgelehnt worden. Man sei abgespeist worden mit den Worten: „Die Direktorin möchte kein persönliches Gespräch führen, nehmen Sie es einfach so hin.“
Die Anschuldigungen wiegen schwer, passen aber zu der Kritik, mit der sich Haug bereits vor etwa drei Wochen auseinandersetzen musste. Aufgrund der ständigen Eskalation hatte es erst am 19. Januar eine Schulversammlung gegeben, bei der nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer, der Bürgermeister und weitere Schulpartner teilnahmen. Noch immer gab es Klärungsbedarf, nachdem es an der Schule in der Vergangenheit bereits zu Mobbing, Bedrohung, Gewalt oder sogar Attacken mit Reizgas gekommen war.

Der Eingang der Grundschule nach der abendlichen Elternversammlung.
Neuer Vorfall, alte Verhaltensweisen
Vor der Veranstaltung fühlten sich viele Eltern von der Schulleitung nicht beachtet, im Gegenteil: Man habe wie auch im neuen Fall die Geschehnisse in den verantwortlichen Positionen kleingeredet. Viele Familien berichteten von Angst und wachsender Unsicherheit im Alltag ihrer Kinder.
Nachdem der Zwist der Vergangenheit kurz debattiert worden war, wurden bei dem Termin jedoch auch Lösungen präsentiert. Die schwierigsten Fälle sollten die Schule verlassen müssen und auf andere Schulen wechseln, besonders auffällige Schüler notfalls vom Jugendamt in Obhut genommen werden.
Die Schule widerspricht den Darstellungen und schreibt: „Die Schulleitung und das Kollegium inklusive der Schulsozialarbeit an der Regine-Hildebrandt-Grundschule gehen grundsätzlich sensibel und stringent in Fällen und Verdachtsfällen von Mobbing vor. Dazu gehört, auf die betroffene Schülerin / den betroffenen Schüler einzugehen, mit Mitschülerinnen/Mitschülern ihr Verhalten zu besprechen, aufzuklären und je nach Art des Geschehenen Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen zu ergreifen sowie Gespräche mit Eltern beteiligter Schülerinnen und Schüler zu führen.
Die Kolleginnen und Kollegen reagierten in Fällen von Gewalt schnell und besonnen und müssen dabei unterscheiden, ob ein Vorfall ein Einzelfall - z.B. aufgrund eine Überreaktion - ist oder sich eventuell in ein Mobbing-Muster einreiht. Bei Gewaltvorfällen werden grundsätzlich die Eltern informiert, ggf. die Polizei sowie das Jugendamt einbezogen. Ebenso wird die schulpsychologische Beratungsstelle bei Bedarf hinzugezogen bzw. Eltern und Schülerinnen/Schüler angeregt, dieses Angebot selbstständig aufzusuchen. Die Schule misst dem sozialen Lernen im Unterricht eine hohe Bedeutung zu und unternimmt im Schulalltag viele Aktivitäten und Maßnahmen für ein gutes und friedliches Schulklima.“
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Eric Steinberg
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