Nach Männern und Frauen getrennt: Islamisches Gruppengebet in der Uni Göttingen
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Die Georg-August-Universität in Göttingen steht seit fast 300 Jahren für Aufklärung, freie Wissenschaft und demokratische Werte. Nun organisierte eine muslimische Hochschulgruppe mit Verbindungen zur islamistischen Al-Quds-Bewegung ein islamisches Gruppengebet an der berühmten Universität – unter lauten „Allahu Akbar“-Rufen der Teilnehmer.

Nicht Kabul, sondern Göttingen: Im zentralen Hörsaal der Universität beteten über 80 Muslime zu „Allahu Akbar“ Rufen.
Er ist eine der größten und wichtigsten Traditionen in der islamischen Glaubenslehre: der Fastenmonat Ramadan, der in diesem Jahr 30 Tage dauert. In dieser Zeit verzichten Muslime tagsüber auf Nahrung und Flüssigkeit, nach Sonnenuntergang brechen sie das Fasten gemeinsam. Dieses Fastenbrechen, genannt „Iftar“, wird üblicherweise in privaten Kreisen oder in Moscheen ausgeübt.
In der Georg-August-Universität hat die Muslimische Hochschulgruppe Göttingen (MHG) dieses Jahr allerdings ein Ramadan-Fest im Foyer der Hochschule organisiert. Dabei gab es Vorträge und Reden von muslimischen Predigern, ein Buffet und ein geschlechtergetrenntes Gebet – mitten in der staatlich subventionierten Universität.
Sehen Sie hier das Video der Veranstaltung:
Geschlechtertrennung und Allahu Akbar Rufe im öffentlichen Raum
Laut dem wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestags sind Hochschulen und Universitäten ein religiös-weltanschaulich neutraler Raum und müssen „dafür Sorge tragen, dass ihre Studierenden nicht ein Bekenntnis aufgezwungen bekommen und stets die Möglichkeit haben, sich räumlich oder gedanklich dem ausgeübten Glauben anderer zu entziehen.“ Das zentrale Hörsaalgebäude der Universität Göttingen ist ein öffentlicher Raum, der verschiedene Hörsäle miteinander verbindet und von Studenten verschiedenster Fach- und Glaubensrichtungen zwangsweise besucht werden muss, damit diese zu ihren Vorlesungen oder Seminaren gelangen.
Das öffentliche Gruppengebet, zu dem die Muslimische Hochschulgruppe im Vorfeld auf verschiedenen Social-Media-Plattformen, unter anderem Instagram, aufgerufen hatte, begann mit dem Gebetsruf eines Muezzins, der den Ausruf „Allahu Akbar“ benutzte. Anschließend versammelten sich über 80 Muslime auf von der MHG bereitgestellten Gebetsmatten im Universitätsgebäude und führten das islamische Gebet aus. Auch dabei erklangen zahlreiche „Allahu Akbar“ Rufe durch den anwesenden Vorbeter.

Bizarre Szene: Muslime beten vor einer Wand, auf der „System Change Not Climate Change“ steht.
Besonders brisant: Während die Universität Göttingen über eine eigene Gleichstellungsbeauftragte verfügt, ein eigenes Portal für „Gender und Diversität in Lehre und Studium“ eingerichtet hat und öffentlich immer wieder die Wichtigkeit der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern betont, zeigte sich beim Gebet der muslimischen Hochschulgruppe Göttingen eine klare Geschlechtertrennung: Männer und Frauen beteten mit großem Abstand voneinander, wobei die Frauen weit hinter den Männern saßen.

Männer vorne, Frauen hinten. So sah das islamische Gruppengebet am 2. April in der Universität Göttingen aus.
Fragwürdige Verbindungen der muslimischen Hochschulgruppe
Vor allem auf Facebook und Instagram ist die Muslimische Hochschulgruppe aktiv und wirbt bei jungen Studenten mit gemeinsamen „Brüder-Abenden“, „Al-Quds Empowerment“ Workshops oder Auftritten von muslimischen Predigern.

„Verpasst diesen Abend nicht“: Auf Instagram wirbt die Gruppierung für ihren „Brüder-Abend“ junge Studenten an.
Das Problem dabei: Nicht alle Veranstaltungen der Gruppierung sind unabhängig. So hielt der selbsternannte Motivationsspeaker und muslimische Prediger Ustad Mouhsine Chtaiti für die Hochschulgruppe Anfang des Jahres einen Vortrag mit dem Titel „Inwiefern können religiöse Überzeugungen als Leitfaden für die Umsetzung guter Vorsätze dienen?“
In der Vergangenheit hielt der Prediger bereits Vorträge für die Islamorganisation DITIB, die medial schon mehrmals wegen Verbindungen zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und radikal islamistischen Gruppierungen negativ auffiel.

Dieses Bild eines Vortrages des Islampredigers Ustad Mouhsine Chtaiti in den Räumen der Universität Göttingen teilte die MHG auf Instagram.
Auch der Referent Abdul Aleem des muslimischen Instagram-Blogs „Land der Propheten“ hielt bereits einen Vortrag für die MHG. Aleem teilt auf seinem Blog regelmäßig Bilder und Videos von anti-israelischen Veranstaltungen und pflegt enge Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e.V. (IGMG). Diese wird vom Verfassungsschutz als islamistische Bewegung eingestuft, die Verbindungen zu anderen radikal islamistischen und salafistischen Bewegungen wie der Muslimbruderschaft oder der türkisch-rechtsextremistischen Ülkücü-Bewegung haben soll.

Für den umstrittenen IGMG Verein hielt Abdul Aleem einen Vortrag zu „Al-Quds“ Empowerment. Denselben Vortrag hielt er im vergangenen Jahr für die Muslimische Hochschulgemeinde Göttingen.
Finanziert durch Döner King?
Laut Informationen von NIUS finanziert sich der Verein vorrangig durch Spenden. So soll der Nachtisch beim Fastenbrechen in der Uni beispielsweise durch den Göttinger Dönerladen Döner King finanziert worden sein. Ob die Gruppierung Gelder durch islamische Organisationen wie DITIB oder die IGMG erhält, ist unklar.

Während der Veranstaltung war Werbung des Göttinger Dönerladens Döner King im Universitätsgebäude angebracht.
Religiöse Missionierungsversuche im Kontext der Hochschule werden vom wissenschaftlichen Dienst der Bundesregierung als Grundrechtseingriff eingeordnet. Die Angebote der Muslimischen Hochschulgemeinde richten sich vor allem an junge Studenten und finden teilweise in den Räumen der Hochschule statt. Der Präsident der Universität Göttingen, Metin Tolan, wollte sich auf Nachfrage von NIUS bislang nicht zu dem Vorfall äußern.
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Monika Weber
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