New York Times redet Taylor Swift ein, queer zu sein – Taylor will das aber gar nicht …
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Sie trägt regenbogenfarbene Kleidung, lehnt in dem Song „Me“ den Heiratsantrag eines Mannes ab und bedient sich für das Album „Lover“ einer „bisexuellen Ästhetik“ – für New York Times-Autorin Anna Marks ein klarer Fall: Pop-Sängerin Taylor Swift ist queer, sie traut sich bloß nicht, es zuzugeben.
Das Spielen mit Geschlechterrollen hat in der Popkultur Geschichte. David Bowie und Prince haben es perfektioniert. Auch die Ambivalenz ihrer Sexualität machte sie zu so schillernden, herausragenden Künstlern. Es gab bewusst Raum für Interpretation statt Eindeutigkeit.

Taylor Swift auf einem Konzert 2019.
Bekenntnisse müssen her!
Ganz anders heute. Stars wie Sänger Harry Styles, der sich gern feminin kleidet, sehen sich mit dem Vorwurf des „Queerbaiting“ konfrontiert. Das heißt, durch seine Ästhetik zieht er queere Fans an, ohne sich jedoch selbst der queeren Community zuzuordnen. Für viele ein No-Go. Ähnlich erging es der Pop-Sängerin Billie Eilish – bis sie sich endlich als „queer“ outete.

Sänger Harry Styles im Glitzer-Look.

Billie Eilish wurden ebenfalls „Queerbaiting“ vorgeworfen.
Autorin unterstellt Swift, eindeutige queere Signale zu senden
Nun erwischte es Taylor Swift. Vom Time Magazine 2023 als „Person of the Year“ gekürt, ist sie eine der erfolgreichsten Künstlerinnen der Zeit. Auf Spotify wurden ihre Songs über 26 Milliarden Mal abgerufen. Aufgrund ihres extravaganten Kleidungsstils und ihre Performance gilt Swift schon lange als Ikone der queeren Community. Sogenannte „Gaylors“, eine Untergruppe ihrer Fangemeinde, sind davon überzeugt, dass die Künstlerin eigentlich lesbisch oder bisexuell ist.

Zeig mir deine Kleidung und ich nenn dir deine sexuelle Orientierung.
Dieser Spekulation schloss sich nun auch die New York Times-Autorin Anna Marks an. Taylor Swifts Songtexte und Ästhetik strotzten nur so vor „Queer-Flagging“, schreibt sie in einem 5000-Zeichen Essay. Schmetterlinge, Regenbögen und ein Instagram-Post aus dem Jahr 2019, auf dem Swifts Arm zu sehen ist, am Handgelenk verschiedene Armbänder, unter anderem mit der Aufschrift „Lover“, „proud“ und „fearless“, sind für Marks ein klares Outing.
Swift sieht sich nicht als Teil der LGBTQI+-Community
Queerness in der Musikindustrie sei noch immer ein Tabuthema. Daher würde Swift ihre wahre sexuelle Orientierung verbergen, um nicht anzuecken und weiterhin profitabel zu bleiben, unterstellt ihr Marks. Auch der Fakt, dass die Sängerin mit dem Footballstar Travis Kelce liiert ist, scheint die New York Times-Autorin nicht von ihrer Theorie abzubringen. Ganz im Gegenteil. Sie zweifelt an, dass Swift wirklich heterosexuell ist und behauptet, dass sie „in den düsteren, einsamen Ecken der Verheimlichung feststeckt“.

Swift mit ihrem Freund Travis Kelce.
Damit spricht Marks Swift, die im vergangenen Sommer der Vogue deutlich machte, nicht „Teil“ der LGBTQI+-Community zu sein, ihre Heterosexualität ab, ignoriert die Aussagen der Sängerin und fabuliert öffentlich über etwas, das Privatsache ist. Bemerkenswert ist, dass Anna Marks sich selbst als queer bezeichnet.
Essay stößt auf Kritik
Swifts Umfeld ist empört über die These der Autorin. CNN-Reporter Oliver Darcy zitiert eine der Sängerin nahestehende Person: „Es gibt offenbar für manche Journalisten keine Grenze, wenn es um Stücke über Taylor geht, egal wie übergriffig, unwahr und unangebracht.“
Der Musikkritiker des Variety-Magazins Chris Willmann schrieb auf X, das Essay sei das „am wenigsten vertretbare Meinungsstück, das ich je in der ‚Times‘ gesehen habe. Schlimmer noch: Es ist verfasst von einer Mitarbeiterin, die sich auf solche Spekulationen spezialisiert.“ Auch die Fans, die sogenannten „Swifties“, echauffierten sich in der Kommentarspalte unter dem Text. Die sexuelle Orientierung der Künstlerin gehe niemanden etwas an.
Interessant ist die Sehnsucht einiger Vertreter der queeren Szene nach Eindeutigkeit und Bekenntnis. Was ändert ein Coming-out von Künstlern an der Qualität ihrer Musik? Wie kleinlich ist es, davon überzeugt zu sein, wer für Queere singt, muss selbst queer sein.
Letztlich passt es in ein Weltbild, in dem es bereits kulturelle Aneignung ist, wenn Weiße ein Curry essen, und in dem es als rassistisch gilt, sobald Nicht-POCs sogenannte „Braids“, also Flechtfrisuren, tragen. Die Schlussfolgerung dieses beschränkten Denkens ist eine Fragmentierung der Gesellschaft, in der jeder nur von Menschen der gleichen Ethnie, mit der gleichen sexuellen Orientierung und mit identischen Interessen umgeben ist.
Und das klingt, ehrlich gesagt, grauenvoll.
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