Philosoph über Debattenkultur: „Es geht nur noch darum, seine Zugehörigkeit zu den Guten zu markieren“
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Ob in Talkshows oder Ansprachen von Politikern, Essays oder Artikeln – es ist ständig die Rede von einem gespaltenen Deutschland. Die Extreme würden zunehmen, die Lager wären nicht mehr fähig, miteinander in Austausch zu gehen. Stimmt das wirklich?
„Ich finde es spannender, wenn man Spaltung als Tätigkeit sieht“, sagt der Philosoph und Autor Michael Andrick im Nachrichten-Talk „Stimmt!“ Denn wäre die Gesellschaft tatsächlich gespalten, würde man zum Beispiel nicht unter den gleichen Gesetzen leben oder die gleiche Sprache sprechen.

Philosoph Michael Andrick bei „Stimmt!“
Moralisierung ersetzt Argumentations-Logik
Es würde aber durch das Politisieren von privaten Meinungen Spaltung betrieben. Wenn also jemand für das Weiterbetreiben der Atomkraftwerke ist, würde er den „Atomtod seiner Enkel in Kauf nehmen“, erklärt Andrick die Argumentations-Logik. „Dann habe ich das Thema moralisiert und der Andere muss sich rechtfertigen und erklären, warum er KEIN Unmensch ist.“
Das habe weitreichende Konsequenzen. „Nur noch 40 Prozent aller Bürger trauen sich, ihre Meinung zu sagen“, so Andrick im NIUS-Talk. „Alle anderen haben Angst, dass es Sanktionen geben könnte“.

Das neue Buch von Michael Andrick ist seit dem 12. Februar im Handel erhältlich.
Es gehe in Debatten daher primär darum, das zu sagen, was die „Gesinnungsgenossen“ von einem erwarten. „Die Sachdiskussion“ falle unter den Tisch. Es sei wichtiger, „die Zugehörigkeit zu den Guten zu markieren“.
„Und das ist das Diskurs-Elend“, so der Philosoph.
Die ganze Folge „Stimmt!“ gibt es hier:
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