Pisa und die deutschen Schul-Lügen: Bessere Noten für schwächere Leistung & bloß nicht über Migration reden!
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Alle Jahre wieder kommt der Pisa-Schock! Das Zeugnis für die deutschen Schüler 2023: Katastrophal. Die Fähigkeiten un Sachen Mathe und Lesekompetenz seien zwischen 2018 und 2022 „abgefallen in einem noch nie gesehenen Ausmaß“, heißt es von den Pisa-Machern. Aber: Was bedeutet das genau? Für NIUS analysiert Josef Kraus, von 1987 bis Juni 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), die Lage in den deutschen Schulen.
Außer den Pisa-Testingenieuren, die seit 20 Jahren am internationalen Bildungsvergleich werkeln, hat wohl kaum jemand sehnsüchtig auf den 5. Dezember gewartet. An diesem Tag nämlich wurden von der OECD (einer Wirtschafts-, keiner Bildungseinrichtung) weltweit die Ergebnisse der neuesten Pisa-Runde veröffentlicht. 81 Länder und Regionen waren im Rennen.
Und das deutsche Ergebnis? Wie immer exakt durchschnittlich durchwachsen! Mit China, Hongkong, Singapur, Estland, Finnland, Polen, Japan usw. können wir nicht mithalten. Aber von den 81 Teilnahme-Ländern lassen wir immerhin rund siebzig hinter uns. Zum Beispiel Albanien, Brasilien, Georgien, Mexiko, Costa Rica, Kasachstan, Usbekistan, Türkei, Libanon, Chile, Marokko, Saudi-Arabien, Philippinen, Paraguay, Argentinien … Immerhin! Hätten weitere Länder, von denen wir eine Lösung unseres Fachkräftemangels erwarten, teilgenommen, lägen wir noch besser: So aber waren außer Marokko keine afrikanischen Länder, auch kein Syrien, kein Afghanistan beteiligt.

In der ersten Pisa-Studie seit Corona haben die deutschen Schüler so schlecht abgeschnitten wie nie
Immer mehr Studierberechtigte, immer weniger Studierfähige
Aber im Ernst. Reicht das für eine „Bildungsnation“? Nein, es reicht nicht. Aber das wissen wir auch ohne Pisa. Das wissen wir aus den Hochschulen, in die immer mehr Studierberechtigte, aber immer weniger Studierfähige strömen. Das wissen wir aus den Berufsschulen und den Ausbildungsbetrieben, die sich mit immer mehr nicht ausbildungsfähigen und immer weniger ausbildungswilligen Heranwachsenden abmühen. Pseudo-Akademisierung statt solider Berufsbildung ist angesagt. Das Ganze schön kaschiert mit immer besseren Noten bei immer geringeren Ansprüchen.
Wir könnten all das wissen, wenn wir es denn wissen wollen. Stattdessen haben wir uns über zwanzig Jahre lang von Pisa-Ideologen einreden lassen,
- dass Deutschland mehr Akademiker brauche;
- dass das deutsche Bildungswesen sozial ungerecht sei, wiewohl wir wegen unseres Systems der (vormals) intakten beruflichen Bildung die weltweit niedrigste Quote an arbeitslosen jungen Menschen haben;
- dass es nicht auf konkretes Wissen und Können, sondern auf „Kompetenzen“ ankomme, und dass wir damit aus Lehrplänen Leerpläne gemacht haben;
- dass wir von (igittigitt) Frontalunterricht Abschied nehmen müssten und in „autonomen“ Schulen auf selbstbestimmtes Lernen setzen sollten;
- dass das öffentliche Bildungswesen elterliche Erziehungsdefizite kompensieren müsse, statt zu sagen: Wenn es zu Hause nicht klappt, dann klappt es in der Schule nicht.
Wir haben uns auch einreden lassen, dass das Pisa-Ergebnis ein Indikator für die globale Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Nation und deren Nachwuchs sei. Und haben dabei übersehen, dass hier der erste Wettbewerbsfaktor die Fremdsprachen-Kompetenz ist. Und die wird mit Pisa exakt nicht gemessen.

Deutschlands Pisa-Chefin Doris Lewalter (2.v.r.) über die schlechten Ergebnisse: „Ein zentraler Grund ist sicherlich, dass wir es nach wie vor nicht geschafft haben, eine frühe Sprachförderung für alle, die sie benötigen, durchgängig sicherzustellen“
Das macht Migration mit Bildungssystemen
Und wir haben uns einreden lassen, dass es Ländern wie Kanada oder Finnland viel besser gelinge, mit migrantischen Schülern umzugehen. Aber wir haben nicht wissen wollen, dass das vormalige Pisa-Vorzeigeland Finnland einen Migrantenanteil von unter zwei Prozent hatte und dass in Kanada nur ins Land kommt, wessen Eltern als nachgewiesene Fachkräfte gelten. Wir durften in Pisa ab 2006 auch nicht mehr lesen, dass bei einem Migrantenanteil von mehr als 20 Prozent das Leistungsniveau einer Klasse signifikant sinkt. Es wäre politisch nicht korrekt gewesen, so etwas zu veröffentlichen. Apropos 20 Prozent: In den Grundschulen ist der entsprechende Anteil aktuell im Durchschnitt (!) bei steigender Tendenz 38 Prozent. Und wir bekamen ab 2006 auch keine Vergleiche der Bundesländer mehr präsentiert. Warum wohl? Weil „links“ regierte Länder eben schlechter abschnitten.
Trittbrettfahrer en masse sind auf Pisa aufgesprungen und wollten Pisa für ihre Ideologie instrumentalisieren: für die Ideologie einer Einheitsschule; für die Entmündigung der Eltern qua flächendeckender Ganztagsschule; für die Abschaffung von Schulfächern; für Spaßschule; für Schule ohne Noten … Alles Flops!
Nun schauen wir neidvoll allerdings nicht mehr nach Finnland, das nicht mehr Spitzenreiter ist, weil der Migrantenanteil dort gestiegen ist und weil man dort in den 00er-Jahren etwas erfolglos auf „moderne“ Unterrichtsmetoden umgestellt hat. Jetzt schauen wir nach China und bilden uns ein, dass China eine repräsentative Auswahl an Schulen zur Testung zur Verfügung gestellt hat. Klar, Schule im fernen Osten ist anspruchsvoller, ist oft Drill. Man will dem Westen zeigen, dass man ihm überlegen ist.
Schluss also mit Pisa! Das hat nichts mit Realitätsverweigerung zu tun. Das hat zu tun mit Besinnung auf eigene Diagnosefähigkeiten, auf ehrliche Bilanzen und auf das, was die Vorzüge der (vormaligen) Bildungsnation ausmachte. Das ist zunächst ein differenziertes Bildungswesen, begabungs- und leistungsorientiert. Das ist ein ausgewogenes Verhältnis von akademischer und nicht-akademischer Bildung. Und es ist dies ein breites Verständnis von mündig machender Allgemeinbildung, das umfassende kulturelle Bildung einschließt. Es ist dies ein großer Bereich, den Pisa völlig (!) weglässt. Literarische, musische, fremdsprachliche, historische, geographische, politische Bildung kommt in Pisa nicht vor. Insofern ist es Scharlatanerie, so zu tun, als seit Pisa ein „Bildungstest“. Nein, Pisa will den „kompetenten“, globalisierten, kultur- und konturlosen Funktionsfuzzi.
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