Reporter von Böhmermann und Zeit schnüffeln im privaten Umfeld von rechtem YouTuber „Clownswelt“ herum – und veröffentlichen seinen Namen
Ein Beitrag von
Mit einer gemeinsamen Recherche haben ZDF-Moderator Jan Böhmermann und die Zeit die Identität eines rechten YouTubers, der bislang unbekannt war, veröffentlicht. Reporter schnüffelten auch im Umfeld des jungen Mannes herum, statteten seinen ahnungslosen Eltern einen Besuch ab und klärten sie darüber auf, „was ihr Sohn im Internet veranstaltet“.
„Rechte YouTuber: Das Vorfeld der AfD“ heißt die aktuelle Folge von Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“, die am Freitagabend ausgestrahlt wurde. Darin zieht Moderator Böhmermann unter anderem über Finanz-Blogger Kolja Barghoorn und den bekannten rechten YouTuber „Ketzer der Neuzeit“ her. Beide treten mit Gesicht und Klarnamen auf, Barghoorn bedankte sich wenig später sogar grinsend für die „kostenlose Werbung“. Ganz so kostenlos ist diese Werbung aber leider nicht, werden Böhmermann und dessen Redaktion doch von mit Zwang eingetriebenen Gebührengeldern alimentiert.
Vor diesem Hintergrund mutet der Part über den rechten YouTuber „Clownswelt“ besonders geschmacklos an, erinnert gar an dunkle Zeiten. Denn dieser tritt anders als die beiden erstgenannten nicht mit Klarnamen auf. Möglicherweise, weil er Folgen im privaten Umfeld befürchtet. „Clownswelt“ spricht über aktuelle Themen und vertritt dabei häufig nicht die vom Mainstream gewünschte Position. Ein Dorn im Auge für Moderator Böhmermann, der gerne gegen Andersdenkende hetzt und bereits eine junge NIUS-Mitarbeiterin in seiner Sendung bloßstellte.
Selbst Straftäter haben das Recht auf Anonymisierung
Dass die Verantwortlichen der beiden Medien, Giovanni di Lorenzo (Die Zeit) und Norbert Himmler (ZDF-Intendant) nicht gegen die Schnüffelaktionen und die Veröffentlichung der persönlichen Daten des jungen Mannes interveniert haben, mutet besonders vor dem Hintergrund bizarr an, dass der Pressekodex selbst Straftätern das Recht auf Resozialisierung zugesteht und deshalb dazu aufruft, deren Anonymität zu achten.
In diesem Fall sind die Methoden der Reporter besonders perfide: „Wir sind zu seinem Elternhaus gegangen“, erzählt Böhmermann stolz, nennt sogar den – nicht ganz alltäglichen – Vornamen des jungen Mannes. Die Zeit berichtet genauer, wie die Aktion ablief: „Reporter fahren in den kleinen Ort in (von der NIUS-Redaktion anonymisiert), in dem die Eltern von (von der NIUS-Redaktion anonymisiert) leben. Eine Einfamilienhaussiedlung, gepflegte Gärten, Trampoline, Kleinwagen in den Carports. Der Vater von (von der NIUS-Redaktion anonymisiert) öffnet die Tür. Ist sein Sohn da? Nein, antwortet er. Dann kommt seine Frau dazu. Als sie erfahren, was ihr Sohn im Internet veranstaltet, wollen sie es nicht glauben: ‚Das kann nicht sein, er studiert ja noch und bekommt Geld von uns.‘ Überrascht und aufgebracht schließen sie die Tür. Offenbar kannten nicht einmal seine Eltern die dunkle Seite von (von der NIUS-Redaktion anonymisiert).“

ZDF-Intendant Norbert Himmler (links), Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.
Plattform mit „Ansätzen neurechten Denkens“
Dass dem Zeit-Autoren seine Stasi-gleiche Schnüffelei zumindest ein bisschen peinlich ist, lässt die distanzierte und unpersönliche Formulierung des Vorgehens erahnen. Da heißt es: „Man kann mit Musikern sprechen, die die Band kennen, darüber hinaus weitere Bekannte, Familienmitglieder und auch Professoren finden, die sich allesamt sicher sind, den Mann erkannt zu haben. Auch eine wissenschaftliche Stimmanalyse bei einem offiziellen Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass eine deutliche Ähnlichkeit feststellbar ist. Bei Clownie handelt es sich demnach um xy (Alter, Name und Wohnort von der NIUS-Redaktion anonymisiert).“
Darüber, was genau an „Clownswelt“ so verwerflich sein soll, dass es ein derartiges Vorgehen rechtfertigt, bleibt der Böhmermann-Beitrag vage. Konkreter wird die Zeit. Vom Verfassungsschutz Niedersachsen erhält Autor Christian Fuchs nämlich den Hinweis, dass es sich bei „Clownswelt“ um eine „rechtspopulistische Plattform“ mit „Ansätzen neurechten Denkens“ handle.
Er „diffamiert Geflüchtete und queere Menschen“ und kritisierte die Corona-Maßnahmen
Die konkreten Vergehen des 300.000-Abonnenten-starken Accounts laut Zeit:
- „Er diffamiert in seinen Beiträgen trans Personen, Geflüchtete, queere Menschen und Frauen.“
- „Im vergangenen Herbst lobte Björn Höcke einen von Clownies Filmen als ‚schöne Richtigstellung‘ und als wichtiges ‚Aufklärungsvideo‘.“
- „In seinen Videos kritisiert (Name von der NIUS-Redaktion herausgenommen) häufig Fernsehsendungen der öffentlich-rechtlichen Programme oder die Pandemie-Maßnahmen der Bundesregierung. Warnungen vor den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels nennt er Panikmache. Greenpeace ist für ihn ein ‚Extremistenverein‘. Der Bundesregierung unterstellt er, dass sie monogame Liebe, Treue und Kinder verachte.“
Warum all diese Positionen nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sein sollen, lässt die Zeit offen.
Neben den genannten Vergehen werden dem jungen Mann „Rechtsaußen-Anspielungen“ vorgeworfen. Der Zeit-Autor behauptet: Er wählt diese „geschickt, wenn er seine Abonnentinnen und Abonnenten ‚stabil wie Thors Hammer‘ nennt oder dazu aufruft, ihm ‚Schekel zu spenden‘.“ Letzteres nutzt der Zeit-Autor als Beweis dafür, dass „Clownswelt“ sich über Juden lustig mache. Diese „Anspielungen auf die nordische Mythologie und die israelische Währung“ sind laut Zeit-Autor Fuchs „sogenannte dog whistles: Seine Anhänger verstehen die Codes, aber Leute außerhalb der rechten Szene überlesen sie leicht“.
Lesen Sie auch: Stasi-Methoden! Wie Faeser und Böhmermann einen unschuldigen Menschen zerstörten
Mehr NIUS:
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Mehr NIUS:
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Gescheiterte Timmy-Rettung sorgt weltweit für Spott: „Deutschland hat den Verstand verloren“
#Männerhass: Wie ständig neue Internettrends Beziehungen schlechtreden
Nach „Lackaffe“-Strafbefehl: Drei weitere Merz-Beleidigungen werden von Staatsanwaltschaft Heilbronn verfolgt
Janina Lionello
Artikel teilen
Kommentare