SPD-Politiker rappt „Nazis aufs Maul“: CDU-Landrätin verleiht Kulturpreis an „McGingaa“
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Robin Dautermann tritt für die SPD auf Listenplatz 19 zur rheinland-pfälzischen Kommunalwahl an – und ruft mit Rap zu Gewalt auf.
Unter dem Alias „McGingaa“ veröffentlichte der 23-Jährige einen Rap-Song mit dem Titel „Nazis aufs Maul“. Darin heißt es unter anderem: „Stoppt Faschos, wenn es sein muss, gewaltsam“, und: „Labert der AfD’ler gerade Quatsch, trifft er uns und braucht danach Zahnersatz.“ (NIUS berichtete.)
Dieses brachiale Auftreten hindert Dautermann offfenbar nicht daran, auch bürgerliche Bühnen zu bespielen. So erhielt er am Mittwochabend den Kulturpreis der Stiftung „Kultur im Landkreis“ Mainz-Bingen. Überreicht wurde die Auszeichnung von CDU-Landrätin Dorothea Schäfer. Dautermann errang den dritten Platz, bekam dafür immerhin 600 Euro.

Dorothea Schäfer verlieh den den diesjährigen Kulturpreis im Bereich „Rapmusik“.
Ganz anders als in seinem „Nazis aufs Maul“-Video, in dem Dautermann mit einer Antifa-Flagge posiert, präsentierte sich der Nachwuchspolitiker gegenüber der Jury des Kulturpreises gemäßigt. Hier gab er ein „Liebeslied an die Region Rheinhessen“ zum Besten, wie es auf der Website des Landkreises heißt. Das Lied sei „rheinhessiches Lebensgefühl in musikalischer Form“. Seinen musikalischen Vortrag begann er mit den Worten „West Coast from the Rhein“, später rappte er: „Im Herzen bleib ich immer Rheinhesse – vergess‘ den ganzen Stress und wie es so war“.
Die Kreisverwaltung teilt auf Anfrage mit, dass Dautermanns Beitrag für den Wettbewerb „in keinem Zusammenhang“ mit dem Antifa-Rap-Video stehe, welches der Jury „weder bekannt war noch eine Rolle im Zuge der gesamten Bewerbungsphase und Verleihung spielte.“
Innenministerium will sich zu Dautermann nicht konkret äußern
Dautermanns Antifa-Rap-Video ist auch deshalb brisant, weil die Bundesregierung zuletzt im Zuge der zunehmenden Gewalt gegen Politiker gewarnt hatte, dass Worte in Taten münden würden. Verantwortlich für gewaltsame Übergriffe machte die Bundesinnenministerin Nancy Faeser regelmäßig die AfD, obwohl Vertreter der Partei selbst am häufigsten Opfer von Gewalt wurden. Wie blickt sie also auf ihren jungen SPD-Parteikollegen, der zu Gewalt aufruft? Auf Anfrage von NIUS antwortet das Ministerium, die Innenministerin habe immer – auch in dieser Woche – betont, dass Gewalt in der Demokratie durch nichts zu rechtfertigen sei und der Rechtsstaat Gewalt konsequent entgegentrete.
In Bezug auf den konkreten Fall verweist das Bundesministerium an die rheinland-pfälzischen Behörden. Weder äußert sich Nancy Faesers Haus zu der Frage, ob Dautermann ein geeigneter Kandidat für die Kommunalwahl ist, noch will es dessen Posieren mit Antifa-Flagge bewerten. Auch sagt es nichts dazu, inwiefern Videos wie das von Robin Dautermann zu einer Atmosphäre der Gewalt beitragen, die sich auch in tätlichen Angriffen auf Politiker widerspiegelt.
Chancenlos blieb Dautermann beim Wettbewerb gegen Elias Petcu, der die Zeilen rappte: „Hör‘ zu, kannst dein Wissen jetzt erweitern, komm mal jetzt nach Bingen, da kannst du nicht scheitern“.
Scheitern scheint in Bingen tatsächlich unmöglich zu sein, zumindest für die Bewerber des Kulturpreises. Weil es dieses Jahr vier Bewerber gegeben habe, sei das Preisgeld auf alle vier anstatt wie sonst auf drei Preisträger aufgeteilt worden, teilt die Kreisverwantung mit. Der Kulturpreis Mainz-Bingen dürfte somit wohl einer der wenigen Preise sein, bei dem allein die Bewerbung ausreicht, um Preisgeld abzugreifen.
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