Steuermann der Habeck-Fähre: „Ich hatte überhaupt keine Angst, dass mir irgendetwas passiert.“
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Mehrere Augenzeugen widersprechen der Darstellung, aufgebrachte Bauern hätten vergangene Woche versucht, die Fähre zu stürmen, auf der sich Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) befand.
Der NDR kontaktierte für eine Rekonstruktion der Ereignisse am Abend des 4. Januars in Schlüttsiel mehrere Augenzeugen. Unter anderem sprach der Sender mit Thimo Silberstein, dem Steuermann der Fähre. Dieser habe während der Blockade durch die Landwirkte direkt am Anleger gestanden und die Rampe bedient.
Er habe während des Aufenthalts am Anleger teilweise eine aufgebrachte Stimmung wahrgenommen, sich aber nicht bedroht gefühlt, erzählt er. „Die Stimmung war relativ entspannt, so würde ich es beschreiben. Wir waren relativ ruhig, ich hatte auch überhaupt keine Angst, dass mir irgendetwas passiert.“
Dann seien einzelne Teilnehmer im Moment des Ablegens in Richtung der Fähre gelaufen und die Situation sei eskaliert. „Ich habe die Brücke angehoben und in dem Moment haben einige, bei weitem nicht alle, ich kann keine Zahl nennen, fünf bis zehn Leute vielleicht, die Polizeisperre durchbrochen und sind die Brücke hochgelaufen. Was die genau wollten, kann ich natürlich nicht sagen, ob die nur rumrufen wollten oder weiter angreifen, das Schiff, keine Ahnung.“

Die Bauern fahren zum Anleger nach Schlüttsiel.
Berichte über Erstürmung seien übertrieben, berichten Augenzeugen
Ein weiterer Bauer mit dem der NDR sprach, war Malte Massow. Die Leute hätten das Gespräch mit Habeck gesucht. „Niemand war in der Absicht da, irgendwelche Schlägereien anzufangen. Wir wollten einfach nur da sein, um ihn zu empfangen und ein paar Worte auszutauschen.“ Trotz Vermittlungsversuchen sei eine Debatte leider nicht zustande gekommen. Massow will von einer Erstürmung der Fähre nichts wissen. „Ich kann ganz klar sagen, dass von unseren Landwirten keiner ihn (Robert Habeck) auf irgendeine Weise überhaupt angefasst hätte.“
Auch der anwesende Landwirt Torben Jacobsen hält Berichte über einen Erstürmungsversuch oder einen rechten Mob am Anleger für übertrieben. Er bedauere die Eskalation des Protestes, aber die Handyvideos würden nicht den gesamten Ablauf wiedergeben: „Was man nicht sieht, ist, dass Polizei und Demonstranten sich danach wieder normal die Hand gegeben haben.“
Polizei sprach nicht von Gewalt
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Beleidigung, Nötigung und des Landfriedensbruchs. Der schleswig-holsteinische Verfassungsschutz geht nicht von einer Organisation oder Lenkung der Blockade durch rechtsextremistische Kreise aus.
Am 4. Januar 2024 hatten Hunderte Bauern, Spediteure und Handwerker versucht in Schlüttsiel den Bundeswirtschaftsminister abzupassen, der nach einem privaten Ausflug von Hallig Hooge zurückkam. Er wurde am Verlassen der Fähre gehindert. Die Fähre legte wieder ab. Kurzzeitig kam es dabei zu einem Durchbruch durch die Polizeikette am Anleger.
Die Polizei wollte jedoch einen Tag später auf Nachfrage von NIUS ausdrücklich NICHT von Gewalt sprechen! Derzeit sucht sie weiterhin nach Zeugen.
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