Nach Fernandes-Debatte: Die symbolische Kastration – wie Männer lernen sollen, sich selbst zu hassen
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Was als Empörung über einen sehr spezifisch gelagerten Fall Fernandes/Ulmen beginnt, wird unter Linken unmittelbar in eine Generalanklage gegen den Mann als solchen überführt. Begleitet von brutalen Gewaltfantasien sollen Männer sich als Teil eines universellen Täter- und Schuldzusammenhangs begreifen. Die Selbstverachtung, auf die eine solche Programmatik der Selbstkasteiung zielt, führt sicher nicht zu Menschen, die sich selbst oder anderen guttun können.
„Männer sind Müll“ – mit dieser Parole war für mich Schluss mit dem sogenannten Netzfeminismus. Es war 2018: Linksmedien hatten noch Oberwasser. Sie verteidigten diesen Hashtag, statt ihn auf den Müllhaufen abstoßenden Gedankenguts zu werfen. Eine Autorin interpretierte ihn in der taz als Beginn eines soziologischen Nachdenkens: „Gibt es (…) bei der Erziehung von Männern gemeinsame Elemente, die Gewalttätigkeit, Rücksichtslosigkeit und Grenzüberschreitung fördern?“
Menschen als Abfall zu bezeichnen, der auf Müllhalden entsorgt wird – so, wie es Mörder aus Verbrecherkartellen mit den Leichen ihrer Opfer tun –, galt dieser intellektuell verwahrlosten taz-Autorin als Anlass für systemische Fragen.
21.500 Likes für Folter- und Kastrationsfantasien – auch von Männern
Acht Jahre später geht es um Vorwürfe gegenüber einem prominenten Mann. Der Hashtag #MenAreTrash wird im Netz immer noch benutzt, wenn auch nicht mehr so häufig. Das bedeutet nicht, dass das Gedankengut im entsprechenden Milieu verschwunden wäre. Im Gegenteil: Die Gewaltfantasien sind längst nicht mehr nur latent in brutalisierter Sprache enthalten. Leonie Plaar, Instagram-Influencerin und Liebling öffentlich-rechtlicher Medien, äußerte mörderische Fantasien.
„Ich will nicht, dass Christian Ulmen jetzt gecancelt wird. Ich will, dass er und alle anderen Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden.“ Abgesehen davon, dass es „aufgehängt“ heißen muss, ist hier zweierlei bedeutsam:
Erstens geht ihr Cancel Culture nicht weit genug. Gesellschaftliche Ächtung und soziale Vernichtung bis hin zur Existenzbedrohung wären für sie als Strafe für ein Verbrechen, für das der Mob Ulmen vor jeder Gerichtsbarkeit schuldig gesprochen hat, Ausdruck eines zu laschen Umgangs mit solchen Tätern.
Zweitens will Leonie Plaar nach Prinzipien, wie sie in durchaus ähnlicher Weise unter der Terrorherrschaft von ISIS in Syrien gelebt wurden, mit Männern im ganzen Land umgehen. Sie möchte sie öffentlich foltern („an ihren großen Zehen“ aufhängen) und ihnen unter diesen Bedingungen die Genitalien abschneiden.

Die Kastrationsforderung fand sich einen Tag später auch auf der Solidaritätsdemo vor dem Brandenburger Tor.
Heutige Jungen wachsen in einer „Normalität“ auf, in der Menschen wie Leonie Plaar, die zu Hass und Gewalt gegen Männer aufstacheln, 21.500 Likes auf Instagram erhalten – statt Post von der Staatsanwaltschaft. Man stellt sie nicht vor Gericht, sondern ins Schaufenster einer progressiven Bubble, die jeden Bezug zur Realität verloren hat und den Rückfall ins Mittelalter als Fortschritt feiert.
Unter den Zehntausenden sind auch Männer zahlreich vertreten, was zeigt, wie viele von ihnen den Hass auf sie als Selbsthass verinnerlichen – ein Phänomen, das schon 2018 zu beobachten war, als feministische Männer das Recht von Frauen verteidigten, von ihnen als Müll bezeichnet zu werden.
Wie ein „Stern“-Autor den Täter in sich entdeckt
Solch extremer Rhetorik entspricht eine woke Schuldphilosophie über Männer, die sich exemplarisch im Stern zeigt.

Im „Stern“ schreiben sich Männer ihren Selbsthass von der Seele.
Dort entfaltet ein Autor die These, dass Männer sich nicht von Tätern distanzieren dürften, sondern sich vielmehr mit ihnen identifizieren müssten. Ausgehend von den Vorwürfen im Fall Fernandes – also von mutmaßlich verbreiteten echten Pornobildern unter falscher Identität – zieht er eine direkte Linie zu schwersten Sexualverbrechen.
Als Referenz dient ihm der Fall Gisèle Pelicot – einer der gravierendsten bekannten Fälle sexueller Gewalt: Über nahezu ein Jahrzehnt betäubte ihr Ehemann sie heimlich und ließ sie von mindestens 82 Männern vergewaltigen. Insgesamt wurde sie etwa 200-mal im bewusstlosen Zustand missbraucht.
„Der Mann, der die betäubte Gisèle Pelicot vergewaltigt, das sind nicht wir. Da ist keine Identifikation mit den Opfern, außer vielleicht ein paar Sekunden Empathie. Aber da ist eben auch keine Identifikation mit den Tätern“, so die Bestandsaufnahme des Autors.
Und weil er genau das als ein Übel betrachtet, fährt er fort, die Gründe für die fehlende Identifikation von Männern mit Vergewaltigern anzuprangern:
„Weil wir noch immer glauben, dass wir nichts auf uns beziehen müssen, solange wir keine Täter sind. Das Monster, das sind immer die anderen. (…) Dabei müssen wir nur in unser eigenes Leben blicken, um zu erkennen, dass wir ein Teil jener Verhältnisse sind, die Täter schaffen. Wir werden in sie hineingeboren, wir kultivieren sie, wir bewahren sie.“
Schließlich mündet er in Verständnis für Frauen, die in jedem Mann einen potenziellen Täter sehen, um sich so in eine pathetische Selbstanklage hineinzusteigern:
„Aber schlimm, diese Deepfakes von Collien Fernandes! Noch während wir das reflexhaft sagen, vergewissern wir uns, dass wir damit nichts zu tun haben. Doch bei diesem Versuch, uns selbst weiterhin als gute Männer zu sehen, verlieren wir das Grundsätzliche aus dem Blick. Dass Frauen Angst vor einem Männerkörper haben, wenn er nachts hinter ihnen herläuft. Wenn er sich in der U-Bahn neben sie setzt. Wenn er im Club von hinten angetanzt kommt. Weil dieser Körper, unser Körper (!), ein Täterkörper (!) ist.“
Damit wird aus einer vorgeblichen Thematisierung von Verbrechen, die Männer begangen haben, eine obskure Schuldlehre: Nicht mehr die Tat macht den Täter, sondern ein imaginärer Kollektivkörper. Der Mann sei nicht mehr verantwortlich für das, was er tut – sondern schuldig dafür, was er ist. Der Stern-Autor hat verinnerlicht, was auch die Aktivistin Theresia Crone bei Miosga fordert: „Wir müssen davon wegkommen, Täter nur im strafrechtlichen Sinne zu sehen“, so Crone. Auch hier ist der Mann nur noch Teil eines universellen Schuldzusammenhangs, für den er sich zu hassen hat. Gute Jungs? Sind in dieser Denke nicht möglich.
Rituale kollektiver Sünde
Dieses Gedankengut führt unter Linken zu Ritualen, die von verrückten Sekten nicht mehr zu unterscheiden sind. Bei einer Fernandes-Demo sind alle Frauen in die Hocke gegangen, während nur die Männer stehenbleiben sollten. „Habt ihr schon eure eigene Tätervergangenheit aufgearbeitet?“, fragte die Demosprecherin.
Die anwesenden Männer sollten sich alle gegenseitig in die Augen schauen und sich ein „Versprechen“ ablegen, künftig „genau hinzuschauen, wo überall Gewalt stattfindet – ob analog oder digital.“
Wenn Einsicht durch den Sündenkult schimmert
Dass diese Schuld- und Sühne-Ideologie keine angenehmen Menschen hervorbringt, registriert man in den entsprechenden Kreisen mitunter sogar. Spiegel-Bestseller-Autorin Margarete Stokowski hält im Spiegel fest: „Es ist zumindest unter Feministinnen kein Geheimnis, dass Männer, die sich als besonders feministisch bezeichnen, oft besonders anstrengend sind und im schlimmsten Fall selbst mächtig Dreck am Stecken haben.“
Und das hat einen einfachen Grund: Wer Jungen und Männer zur Selbstverachtung erzieht, stärkt nicht ihre sympathischen Eigenschaften. Denn wer sich selbst hasst, kann auch anderen nicht wohlwollen. Wer sie dazu erzieht, sich nur noch als Problem zu begreifen, bringt gebrochene Menschen hervor, die sich selbst jederzeit misstrauen. Und aus gebrochenen Menschen entsteht kein zivilisiertes Gemeinwesen, sondern ein Klima unbegründeten Verdachts, in dem das Gute nicht gedeihen kann.
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Felix Perrefort
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