TikTok-Islamismus: Wie junge Männer sich mit Kurz-Videos radikalisieren
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Seit Jahren warnen Sicherheitsbehörden vor einer sogenannten islamistischen Blitzradikalisierung. Häufig wird dabei auch die chinesische Kurzvideo-Plattform „TikTok“ erwähnt. NIUS wagt den Selbsttest, nicht um sich zu radikalisieren, sondern um zu sehen, wie schnell man in den Strudel islamistischer Propaganda gerät.
Das Ergebnis? Erschreckend. Die Recherche sehen Sie hier im Video:
Im ersten Schritt erstellt NIUS einen neuen TikTok-Account, um dann Tage damit zu verbringen, Videos mit islamischen Inhalten zu konsumieren und mit selbigen zu interagieren, um dem Algorithmus zu zeigen, welche Inhalte gesehen werden wollen. Zunächst scheint alles recht harmlos: Pilgerfahrten nach Mekka, Pärchenvideos, Koran-Zitate und islamische Motivationsvideos. Doch dann entwickelt sich eine andere Dynamik; es werden vermehrt islamistische Prediger wie Pierre Vogel oder Abul Baraa angezeigt. Beide werden seit Jahren von diversen Verfassungsschutzbehörden überwacht und dem salafistischen Spektrum zugerechnet.

Erst vergangenen November verbot Innenminister Dobrindt (CSU) die islamistische Gruppierung „Muslim Interaktiv“. Diese veröffentlichte primär auf TikTok Videos und war die vergangenen Jahre als islamistisches Internetphänomen bekannt.
Islamisten erreichen hohe Reichweiten auf TikTok
Prediger wie Abul Baraa veranstalten und produzieren regelmäßig „Frage-und-Antwort“-Videos in Moscheen. Die Reichweiten sind hoch. In einem erklärt Abul Baraa, dass es Muslimen nicht gestattet sei, Musik zu hören. Laut Scharia sei das „haram“, also „unrein“. Erlaubt seien hingegen „Nasheeds“, das sind meist vokale, islamische Gesänge, die Allah preisen und an die Einhaltung religiöser Pflichten erinnern. Seit Jahrzehnten werden ebenjene Nasheeds von terroristischen Gruppen wie dem Islamischen Staat vereinnahmt. TikTok ist voll davon.
Ein klassisch islamistisches TikTok-Nasheed sehen Sie hier:
Nasheeds als Treiber von Propaganda
In einem Video geht es darum, dass man deutschen Imamen nicht vertrauen sollte, weil sie vom deutschen Staat bezahlt werden würden. Konkret heißt es: „Hast du noch Fragen über den Islam, dann frage nicht dein‘ örtlichen Imam. Weil ihn die Bundesrepublik bezahlt.“ Die Vollversion dieses Nasheeds, das sich offen zugänglich auf TikTok finden lässt, propagiert auch, dass man den Terroranschlag vom 11. September als Feiertag ansehen soll.
In vielen Nasheeds sind IS-Flaggen zu sehen. Wer in den einschlägigen Videos immer wieder auftaucht: die Berliner Szenegröße und Ex-Rapper Deso Dogg. In den 2010er Jahren avancierte er zum Aushängeschild der deutschsprachigen IS-Propaganda. 2018 reiste Deso Dogg in den Irak und starb durch einen US-Luftschlag. Unter den Nasheeds von Dennis Cuspert, wie Deso Dogg mit bürgerlichem Namen hieß, wird ihm offen gehuldigt. In den Kommentaren hofft man auf einen posthumen Aufenthalt im Paradies für ihn.
Der islamistische Sumpf auf TikTok ist groß und real. Hunderte Profile und Konten lassen sich diesem Spektrum zuordnen. Sie posten fleißig. Junge identitätslose Männer aus dem gesamten Bundesgebiet haben kostenlosen Zugang zu diesem Material. Die künftige Radikalisierung scheint vorprogrammiert.
Mehr NIUS: Verbot von „Muslim Interaktiv“: Das Ende des TikTok-Kalifats
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Marc Sierzputowski
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