TK-Chef kritisiert Klingbeil: „Versicherte und Arbeitgeber müssen jedes Jahr 10 Milliarden für die Versicherung von Bürgergeld-Empfängern aufbringen“
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Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der größten deutschen Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse (TK), hat die Bundesregierung scharf kritisiert.
„Da isst man nichts Böses ahnend sein Sonntagsfrühstück und geht durch die Morgenpresse, und schon bleibt einem das Brötchen im Hals stecken“, leitet Baas seinen Wut-Post ein, den er am Sonntag auf dem Portal LinkedIn veröffentlichte.
Der Grund für Baas' Ärger: Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland steuern auf ein riesiges Finanzloch zu. Für 2026 wird ein Defizit von etwa vier Milliarden Euro erwartet, das 2027 auf rund 12 Milliarden Euro steigen könnte. Um diese Lücke zu schließen, prognostiziert der GKV-Spitzenverband eine Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von derzeit 17,5 Prozent auf 18,3 Prozent.
Berichterstattung der Bild darüber, dass weder Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), noch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) oder Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Horrorprognose kommentieren wollen, der zufolge 2027 ein Beitragssatz von 18,3 Prozent drohe, kommentierte Baas auf LinkedIn mit den Worten:
„Liebes Bundesministerium für Gesundheit, kein Problem, ich bestätige diese Prognose gerne. Dafür muss man nämlich weder hellseherisch Fähigkeiten haben noch ein Finanzgenie sein, sondern nur die aktuellen Zahlen anschauen: die Ausgaben steigen um 6–8 Prozent pro Jahr. Wie genau soll das also ohne Beitragssatzerhöhung und grundlegende Reformen funktionieren? Und das ist auch kein Geheimnis, ich selbst und viele andere weisen seit langem darauf hin.“

Jens Baas (rechts) im Januar 2025 dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, dem Voristzenden der Gemantik Geschäftsführung, Florian Fuhrmann und dem damaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). (Von links nach rechts)
„Jedes Jahr alleine 10 Milliarden Euro für Bürgergeld-Empfänger“
Auch dieses Zitat von Finanzminister Klingbeil stieß Baas offenbar sauer auf: „Der Finanzminister kann nicht dauernd angerufen und nach mehr Geld gefragt werden. Wir brauchen Strukturreformen, um die Beiträge dauerhaft stabil zu halten.“
Der Krankenkassen-Chef auf LinkedIn: „Lieber Herr Klingbeil, Sie haben so recht! Ein Versicherungssystem muss sich in sich selbst und ohne Zuschüsse tragen können, und wir brauchen dringend echte Strukturreformen. Allerdings unterschlagen Sie das winzige Detail, dass unsere Versicherten und ihre Arbeitgeber jedes Jahr alleine schon 10 Mrd. Euro für die Versicherung von Bürgergeld-Empfängern aufbringen müssen! Eine Aufgabe, die unzweifelhaft in Ihr Ressort und von Steuern finanziert gehört.“

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Baas schlägt der Politik einen Deal vor: „Wir verzichten gerne auf ‚Zuschüsse‘, wenn Sie uns nur endlich die Gelder zukommen lassen, die uns zustehen. Damit könnte der Beitragssatzanstieg übrigens fast komplett vermieden und die gewonnene Zeit für echte Reformen genutzt werden.“
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