Umstrittene Sensation: Forscher erschaffen künstlichen menschlichen Embryo
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- Forscher haben erstmals einen menschlichen Embryo künstlich erzeugt.
- Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, genetische Krankheiten besser zu verstehen.
- Ihre bahnbrechende Arbeit wirft aber auch ethische und rechtliche Fragen auf.
Ein wissenschaftliches Team hat einen Meilenstein erreicht, der die Grenzen der menschlichen Schöpfungskraft auf dramatische Weise erweitert. Die Forscher aus Großbritannien haben es eigenen Angaben zufolge geschafft, synthetische menschliche Embryonen zu erzeugen. Sie sind nicht, wie etwa bei einer künstlichen Befruchtung, aus der Fusion einer natürlichen Eizelle mit einem natürlichen Spermium entstanden, sondern wurden aus embryonalen Stammzellen hergestellt.
Nie zuvor ist ein menschlicher Embryo ohne Keimzellen erzeugt worden. In den vergangenen Jahren war dies den Wissenschaftlern bereits bei Mäusen geglückt, zuvor hatten auch israelische Forscher von synthetischen Mausembryonen berichtet.

Durch die Verwendung von Stammzellen und anderen genetischen Technologien schufen sie künstliche Embryonen, die in gewisser Weise menschlichen Embryonen ähneln.
In naher Zukunft besteht zwar keine Aussicht auf eine klinische Verwendung der synthetischen Embryonen. Noch ist auch nicht klar, ob diese Strukturen das Potenzial haben, über die frühesten Entwicklungsstadien hinaus weiter zu reifen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen aber, mit ihrer Arbeit einen entscheidenden Einblick in die Auswirkungen genetischer Störungen und die biologischen Ursachen wiederkehrender Fehlgeburten geben zu können.
Ethischer Konflikt
Diese revolutionäre Entwicklung könnte die Fortpflanzungsmedizin für immer verändern. Sie führt aber auch zu einem ethischen Dilemma und stellt die Gesellschaft vor eine schwierige Frage: Wie weit sollten wir in die Schöpfung des Lebens eingreifen?
Professorin Magdalena Żernicka-Goetz von der University of Cambridge und dem California Institute of Technology beschrieb die Arbeit in einer Rede am Mittwoch auf der Jahrestagung der International Society for Stem Cell Research in Boston. Die britisch-polnische Entwicklungsbiologin ist führend auf dem Gebiet der synthetischen Biologie. „Wir haben ein menschliches embryonenartiges Modell durch die Reprogrammierung von (embryonalen) Stammzellen erzeugt“, soll sie laut The Guardian auf der Konferenz gesagt haben.

Die Reaktionen aus der Wissenschaft reichen von Euphorie bis zu großer Skepsis. Evie Kendal, Bioethikerin von der Swinburne University of Technology in Melbourne, betont die ethischen Fragen, die derartige Versuche aufwerfen. Die Forschung mache deutlich, dass ethische Leitlinien erforderlich seien, wenn es um Entitäten ginge, „die bisher noch nicht existierten und nicht von den bestehenden ethischen und rechtlichen Systemen erfasst werden“.
Sie sagt aber auch: Sollte sich herausstellen, dass die synthetischen Embryonen natürlichen menschlichen Embryonen nicht gleichwertig seien oder man ihre Entwicklung so einschränken könne, dass sie „bestimmte Merkmale, die mit der rechtlichen und ethischen Persönlichkeit verbunden sind, nicht erwerben, könnten sie möglicherweise in der Forschung nützlich sein, die derzeit als zu riskant für die Verwendung menschlicher Embryonen gilt“.
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