Wahl des Studentenparlaments: An der Uni Hamburg kann man für „Alkohol zurück in die Mensen“ stimmen
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An der Universität Hamburg tritt zur Wahl des Studentenparlaments (StuPa) eine Liste an, die ihr Programm fast vollständig dem Alkoholkonsum widmet. In einem Werbeclip kündigt ein Listenmitglied an, dass es Aperol Spritz für 3,50 Euro in der Mensa geben wird.
Die „Alkohol-Ausschank-Liste“ erklärt Alkohol zu einem wichtigen sozialen Ritual „innerhalb wie außerhalb akademischer Strukturen“. Das Zurückdrängen von Alkoholkonsum aus öffentlichen und akademischen Räumen im Rahmen gesundheitspolitischer Kampagnen schade „nicht nur allen Beteiligten“, sondern habe auch „ein ärgerliches faschistisches Geschmäckle“. Der politische Schlusssatz des Plakats lautet: „Wir sagen: Alkohol zurück in die Mensen, die Student*innen zurück an die Theken!“
Bierzelt statt Wohnheim
Auch die Antworten der Liste im Wahl-o-mat zur StuPA-Wahl 2026/2027 folgen diesem Kurs. Auf Forderungen nach Klimaschutz, Zivilklauseln, Hochschulpolitik, BAföG, Campus-Veranstaltungen oder studentischer Mitbestimmung antwortet die Liste meist mit alkoholpolitischen Umdeutungen. Klimaschutz solle demnach nicht verpflichtender Bestandteil aller Studiengänge werden, sondern Alkoholkonsum. Statt studentisch verwalteter Wohnanlagen fordert die Liste studentisch verwaltete Bierzelte. Der AStA solle seine Beratungsangebote nicht ausbauen, sondern seine „Bierangebote“.
Mehrfach erklärt die Liste hochschulpolitische Fragen für egal, sofern die „Trinkkultur“ profitiere. Bei der Frage nach privaten Unternehmen in Lehre und Forschung heißt es etwa: „Neutral. Insofern die Trinkkultur davon profitiert, steht dem von uns aus nichts im Wege.“ Auch zum Ausbau internationaler wissenschaftlicher Kooperationen mit Russland äußert sich die Liste nur unter dem Gesichtspunkt des Alkohols.
Lesen Sie hier die Antworten der Ausschank-Liste auf Fragen des StuPa-Wahl-O-Mats:
1. Das vegane und vegetarische Angebot in Mensen und Cafés soll deutlich ausgeweitet werden.
Nein. Das Angebot an alkoholhaltigem soll deutlich ausgeweitet werden.
2. Klimaschutz soll verpflichtender Bestandteil aller Studiengänge sein.
Nein. Alkoholkonsum soll verpflichtender Bestandteil aller Studiengänge sein.
3. An der Universität soll eine Zivilklausel gelten, die Forschung auf zivile Zwecke beschränkt und Kooperationen mit Rüstungsunternehmen ausschließt.
Nein. Es sollte eine Alkoholklausel geben, die Forschung auf spaßige Zwecke beschränkt und Kooperationen mit Brauereien einschließt.
4. Kürzungen im Bildungsbereich zugunsten anderer Haushaltsbereiche sollen abgelehnt werden.
Nein. Für Kürzungen zugunsten des Ausschanks wären wir durchaus zu haben.
5. Es ist Aufgabe des Studierendenparlamentes, sich für repressions- und angstfreien Protest, z.B. in Solidarität mit Palästina, einzusetzen.
Nein. Es ist Aufgabe des Studierendenparlaments, die Proteste mit genug Alkohol auszustatten, so dass die Protestler die Repression gut wegstecken und zu betrunken sind Angst zu haben.
6. Internationale wissenschaftliche Kooperationen sollen auch mit Russland ausgebaut werden.
Neutral. Insofern die Trinkkultur davon profitiert, steht dem von uns aus nichts im Wege.
7. Private Unternehmen sollen keinen Einfluss auf Lehre und Forschung haben.
Neutral. Insofern die Trinkkultur davon profitiert, steht dem von uns aus nichts im Wege.
8. Die Anzahl von Prüfungen im Studium soll reduziert werden.
Nein. Sowohl die Vor- wie die Nachbereitung von Prüfungen stellen exzellente Konsumgelegenheiten dar. Wir sind deshalb für eine Erhöhung der Anzahl.
9. Der Masterabschluss soll, anstatt des Bachelorabschlusses, zum berufsqualifizierenden Regelabschluss werden.
Neutral. Diese Frage ist uns extrem egal.
10. Studentische Hilfskräfte sollen tariflich bezahlt werden.
Ja. Nach Bier-Tarif.
11. Das BAföG soll als elternunabhängiger Vollzuschuss in existenzsichernder Höhe für alle Studierenden gewährt werden.
Neutral. Das BAföG soll als elternunabhängige Getränkelieferung in berauschender Höhe für alle Studierenden gewährt werden.
12. Haushaltskürzungen an der Universität sollen vollständig transparent gemacht werden.
Neutral. Auch diese Frage ist uns extrem egal.
13. Der AStA soll studentisch verwaltete Wohnanlagen aufbauen.
Nein. Der AStA soll studentisch verwaltete Bierzelte aufbauen.
14. Der AStA soll seine Beratungsangebote ausbauen.
Nein. Der AStA soll seine Bierangebote ausbauen.
15. Die Mitbestimmungsrechte von Studierenden in anderen Hochschulgremien, wie dem Akademischen Senat, sowie in den Fachbereichen, sollen ausgeweitet werden.
Nein. Die Studierenden sind bestenfalls so betrunken, dass eine Beteiligung generell schon einigermaßen fahrlässig wäre.
16. Die Studierendenschaft soll sich auch zu allgemeinen politischen Themen positionieren.
Ja. Die Studierendenschaft sollte zu allgemeinpolitischen Themen alkoholisierte Mobs abstellen. Hierfür soll der AStA ein Referat einrichten.
17. Der AStA soll personell und finanziell verkleinert werden.
Neutral. Insofern die Trinkkultur davon profitiert, steht dem von uns aus nichts im Wege.
18. Die Studierendenschaft soll unabhängiger von großen IT-Konzernen werden.
Neutral. Ebenfalls sehr langweilige Frage.
19. Der AStA soll sich aktiv gegen rechte Strukturen wie Burschenschaften einsetzen und über diese aufklären.
Ja. Insbesondere der Alkoholmissbrauch muss sich im emanzipatorischen Sinne wieder angeeignet werden.
20. Es sollen mehr selbstverwaltete Freiräume am Campus geschaffen werden.
Ja. Aber nur insofern es auch dort Bier für maximal 1 Euro gibt.
21. Es sollen mehr kulturelle Veranstaltungen am Campus geschaffen werden.
Ja. Auch hier ist für uns der erschwingliche Ausschank unsere einzige Kondition.
22. Es sollen regelmäßig Veranstaltungen zum 8. Mai als „Tag der Befreiung“ organisiert werden.
Ja. Insbesondere eine öffentliche Verkostung russischer Schnäpse scheint uns an diesem historischen Datum geboten.
23. Die Universität Hamburg soll eine digitale Campus-Card (für Studierendenausweis, Bibliothek, Mensa und ÖPNV) einführen.
Ja. Zusatz: Man sollte damit auch Freibier kriegen.
24. Der AStA soll regelmäßig große Campus-Veranstaltungen für Studierende organisieren.
Insofern dort massivst ausgeschenkt wird.
Die Wahlurnen haben bis Freitag, 5.6.2026, 18 Uhr geöffnet.
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Amir Makatov
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