Wenn das Schnitzel unbezahlbar wird: Gastronomen schlagen Alarm
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Als wären die momentanen Teuerungen nicht belastend genug: In den kommenden Wochen entscheiden Bundestag und Bundesrat, wie es mit der Mehrwertsteuer in der Gastronomie weitergehen soll.
Während der Corona-Pandemie wurde diese von 19 Prozent auf sieben Prozent gesenkt, um die Betriebe zu entlasten. Ende des Jahres läuft die Mehrwertsteuer-Senkung aus. Dann müssten die gastronomischen Unternehmen wieder den vollen Satz zahlen. Das könnte die Existenz vieler Betriebe gefährden – oder die Preise in ihren Speisekarten deutlich steigen lassen.
NIUS hat mit einigen Gastronomen dazu gesprochen:
Kassel
Gunter Schmidt ist seit 42 Jahren Gastronom durch und durch. Im kommenden Jahr wird er 70 Jahre alt, genau in dem Jahr, in dem die Erhöhung droht. Der Inhaber des Restaurants „Gutshof“ in Kassel findet für den drohenden Anstieg von 12 Prozent klare Worte. Er sagt: „Wenn das so kommt, dann sehe ich schwarz. Ich überlege dann aufzuhören.“

Gunter Schmidt (69), Inhaber des Restaurants Gutshof in Kassel, spricht sich deutlich gegen die Mehrwertsteuererhöhung aus.
Der Gastronom hofft, so wie viele in seiner Branche, auf eine Abkehr der Erhöhung. Bereits jetzt sah er sich gezwungen, das Lammkarree von der Karte zu nehmen. „Ich hätte dafür 45 Euro nehmen müssen und wollte die Kunden nicht schocken“, sagt er im Gespräch mit NIUS.
Der Verkaufsschlager schlechthin sei der Fleischteller. Auch Bachforelle und Schnitzel mögen seine Gäste – eben typisch deutsche Hausmannskost. Früher kamen in der Mittagspause 35 Leute zum Essen, heute seien es zwischen fünf und acht.
Er versuche, sein Restaurant ehrlich zu führen, wie Schmidt sagt. „Wir sind für die Bürger da!“ Aber: „Wir sind keine Industrie, kein Milliarden-Konzern. Den Politikern sind wir doch scheißegal.“
Nürnberg
300 Kilometer weiter südlich befindet sich das Gourmetrestaurant „Essigbrätlein“. Man muss an der Glocke läuten, um in das kleine, intime Restaurant in der Nürnberger Altstadt zu kommen. Der Inhaber des Sterne-Restaurants, Andree Köthe, sieht auch für die gehobene Branche Risiken, wenn die Erhöhung kommt.

Yves Ollech (v.l.), Ivan Jakir und Andree Köthe vor ihrem Restaurant „Essigbrätlein“ in der Nürnberger Innenstadt.
„Es wird spannend werden“, sagt er. Für ein komplettes Menü zahlen Gäste bei ihm aktuell 195 Euro. Wer hier isst, gönnt sich etwas. Seine Gäste sind unter anderem auch Ehepaare, die ihren Hochzeitstag feiern.
Durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwölf Prozent, müsste er 24 Euro mehr für das ohnehin teure Essen verlangen. „Die Mittelschicht wird vorsichtiger. Leute werden weniger ausgeben“, sagt er. Bedeutet: Er würde die Mittelschicht verlieren.
Berlin
In Italien genießt die Gastro einen Sonderstatus. Dort müssen Restaurants statt der üblichen 22 Prozent Mehrwertsteuer, nur zehn Prozent an den Staat abführen. Das wünscht sich auch Simanaj Antonio vom Ristorante „Bocca Felice“ in Berlin auch für Deutschland.

Alles ist teurer geworden, auch die Pasta-Gerichte. Spaghetti Carbonara sind beispielsweise im Preis um circa fünf Euro gestiegen.
Er und sein Bruder sind Inhaber des Restaurants, in dem vor allem Antipasti und Pasta serviert werden. Alles ist teurer geworden. „Früher hat die Carbonara acht Euro gekostet, heute zwölf oder dreizehn“, sagt er. Speck, Eier und Sahne sind im Preis massiv gestiegen. Die höhere Mehrwertsteuer könnte vielen Gastronomen das Genick brechen.
Schon jetzt würden sich die Gäste über die Erhöhungen beschweren, sagt der Gastronom Antonio. „Das ist eine Kettenreaktion. Höhere Preise bedeuten weniger Gäste. In der Gastronomie ist es schwierig zu sparen“, sagt er.
Hohenpeißenberg
In vierter Generation betreibt Pascal Schmid (24) ein Ausflugslokal im bayerischen Hohenpeißenberg. Die Energiekosten sind ins Unendliche gestiegen, die Personalkosten ebenfalls. Aber er sagt: „Es ist noch zu stemmen“. Im Vergleich zu den Gewinnmargen seines Großvaters seien Investitionen heute praktisch unmöglich. „Wenn die Mehrwertsteuererhöhung kommt, könnte das Schnitzel von 14 auf 17 Euro oder mehr steigen“, sagt Schmid.

Pascal Schmid (24) mit seinem Vater. In vierter Generation führt Schmied das Restaurant.
Die Philosophie seiner Familie sei, dass sich jeder sein Essen leisten können müsse. Den Politikern müsse klar sein, dass die Erhöhung Folgen für die gesamte Wirtschaft haben werde, sagt er. „Die Leute werden weniger essen gehen, das bedeutet, wir werden weniger beim Metzger und Bäcker bestellen. Diese Steuern fehlen dann auch“, sagt Schmid.
Bei den Gästen merke man bereits jetzt den Unmut über gestiegene Preise. Die Gastronomen seien jedoch mehr oder weniger gezwungen, die höheren Preise auf die Gäste umzulegen. „Irgendwann wird das der Gast nicht mehr mitmachen“, sagt Pascal Schmid.
Das befürchtet auch die Mehrheit der Deutschen. Sie ist der Meinung, dass die 7-Prozent-Mehrwertsteuer in der Gastronomie beibehalten werden sollte, so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Metro AG.
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