Wie völkisch ist Vollkorn? Jetzt stehen Öko- und Bio-Bauern unter RECHTS-VERDACHT
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„Demokratie leben!“ ist eine Initiative des Familienministeriums, die im Jahr 2024 rund 200 Millionen Euro Steuergeld an Förderprojekte verteilt. Gefördert werden schwerpunktmäßig links-ideologische Projekte, die die Themenfelder Rechtsradikalismus und Rassismus bearbeiten. Zum Beispiel: der Verein FARN („Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz der NaturFreunde Deutschlands e.V.!“), der seit 2020 mit knapp 200.000 Euro pro Jahr gefördert wird. In den letzten 5 Jahren wurde der Verein also mit fast einer Million Euro Steuergeld ausgestattet.

FARN bietet eine Auswahl an Handreichungen und Seminaren an, die sich mit rechten Umtrieben in Naturschutz und Landwirtschaft befassen. Die Broschüren sind mit eindrucksvollen Titeln, wie „Ökolandbau und extrem rechte Ideologien: Weshalb die Landwirtschaft diverser werden muss“ oder „Grünes Blatt auf braunem Boden“ versehen.
Wie radikal sind Bio-Marken?
Ökolandbau und Biolabel werden auf ihre Vergangenheit durchleuchtet und als Verdachtsfälle völkischer Ideologien betrachtet. Auf sehr abenteuerliche Weise werden dabei völkische Siedler, wie die „Anastasia“-Sekte, in die Nähe von großen Marken wie Demeter gerückt, dem ältesten Bioverband Deutschlands. Demeter ist bekannt dafür, nicht nur Bio-Standards zu erfüllen, sondern biodynamisch zu erzeugen, was als nachhaltigste Erzeugungsform gilt.
Doch warum ist die einstige Lieblingsmarke der Ökos nun verdächtig?
Auch der öffentliche Rundfunk hat Demeter in einigen Sendungen thematisiert. Formate wie MAITHINK X, Terra X oder ARD Wissen lassen dabei kein gutes Haar an Demeter und lassen die Marke vielmehr als eine von Esoterikern durchtriebene Sekte erscheinen, die zudem durch eine schwierige Vergangenheit belastet sein soll. Dabei handelt es sich um die Ikone der Anthroposophie, Rudolf Steiner, der auch in den FARN-Handreichungen behandelt wird.

Demeter ist bekannt für biodynamische Landwirtschaft.
Anthroposophie wurde von den Nazis strikt abgelehnt
Rudolf Steiner ist Begründer der Anthroposophie, dessen Lehren die Philosophie und Arbeitsweisen von Demeter maßgeblich prägen. Biodynamische Landwirtschaft wird heute in mehr als 60 Ländern praktiziert und setzt auf einen nachhaltigen Produktionszyklus eines Hofes, der weitestgehend ohne Zusatz von künstlichen Düngern oder Pestiziden auskommt. 1924 hielt Steiner eine Vortragsreihe vor Landwirten, die die biodynamischen Produktionsweisen umsetzten und 1928 das erste Demeter Warensiegel einführten.
FARN und der öffentliche Rundfunk versuchen nun Demeter vor allem wegen eines zeitlichen Zusammenhangs in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken. Tatsächlich sind diese Vergleiche sehr gewagt, denn Anthroposophie wurde von den Nazis strikt unterbunden. Zwar wurde Bioanbau von NS-Größen propagiert, jedoch stand die anthroposophische Gesellschaft in Misskredit und wurde 1935 wegen „ihres staatsfeindlichen und staatsgefährdenden Charakters“ aufgelöst. Steiner selbst geriet unter Beschuss von ausgemachten Antisemiten. So schrieb das NS-Hetzblatt „Der Judenkenner“: „Was wir über die gänzlich verjudete anthroposophische Bewegung und Rudolf Steiner denken, ist bekannt“. Zunächst sollte der biodynamische Landbau komplett verboten werden, später experimentierten die Nazis mit den biodynamischen Erzeugungspraktiken und errichteten eine Kräuterplantage im KZ Dachau.

Kann man noch guten Gewissens Bio kaufen?
Demeter und andere Marken wie Bioland distanzieren sich eindeutig von völkischem Gedankengut und betonen stets, nicht mit entsprechenden Erzeugern zu kooperieren, was FARN auch in einer anderen Handreichung erwähnt.
Der ländliche Raum unter „weiß positioniertem“ Generalverdacht
Nicht nur die Vergangenheit der Erzeuger ist verdächtig, sondern auch die Gegenwart. Thematisiert werden in den entsprechenden Handreichungen osteuropäische Saisonkräfte, die als Erntehelfer auf deutschen Betrieben arbeiten. Den „weiß positionierten“ Landwirten werden systematischer Lohnbetrug und untragbare Arbeitsbedingungen unterstellt: „Rassistische Demütigungen, Beleidigungen und Erniedrigungen gehören zum Alltag und reichen von Beschimpfungen bis hin zu sexuellen Übergriffen und anderen Gewalterfahrungen“, so FARN. Dazu kommen vermeintliche Machenschaften mit mafia-ähnlichen Agenturen, die die Saisonarbeiter unter falschen Voraussetzungen auf deutsche Felder locken.

Werden Saisonarbeiter von Landwirten rassistisch diskriminiert? FARN ist fest überzeugt.
Tatsächlich werden Verstöße gegen die Mindestlohnauflagen hart geahndet. So musste ein Betrieb aus Baden-Württemberg ein Bußgeld in Höhe von 200.000 Euro zahlen, zudem wurde der Ertrag in Höhe von 300.000 Euro eingezogen, der erwirtschaftet wurde, berichtet Agrarheute Ende Januar 2024. Weiter klagen die Landwirte über einen eklatanten Mangel an Saisonarbeitern. Bei einer derart hohen Nachfrage verbessern sich tendenziell die Arbeitsbedingungen, da die Landwirte um die Saisonarbeiter werben müssen.
Regionale Bio-Lebensmittel, Einkaufen auf dem Bauernhof, die Romantisierung des Landlebens: Was früher unter ökologischer Lebensstil und Konsumkritik verortet wurde, läuft heute Gefahr, von völkischen Ideologien durchtränkt zu sein und wird mit dem „Blut-und-Boden“-Wahn der Nazis in eine Ecke gestellt.
Dieser Generalverdacht, unter dem die Landwirte stehen, scheint auch eine Erklärung dafür zu sein, weshalb die Bauern-Demos zuletzt als eine von „rechts unterwanderte“ Bewegung dargestellt wurden.
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Katharina Schmieder
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