YouTuber Clownswelt über Böhmermanns Vorgehen: „Sie sorgen dafür, dass meine Identität millionenfach bekannt wird, um mich für meine unliebsame Meinung zu bestrafen“
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Mit einer gemeinsamen Recherche haben ZDF-Moderator Jan Böhmermann und die Zeit die Identität des „rechts verorteten YouTubers“ Clownswelt, der bislang unbekannt war, veröffentlicht. Reporter schnüffelten auch im Umfeld des jungen Mannes herum, statteten seinen ahnungslosen Eltern einen Besuch ab und klärten sie darüber auf, „was ihr Sohn im Internet veranstaltet“. NIUS hat mit ihm gesprochen.
NIUS: Mitte April statteten Journalisten Ihren Eltern zu Hause einen Besuch ab. Wie lief dieser Besuch ab?
Clownswelt: „Christian Fuchs von der Zeit und Laurenz Schreiner vom Neo Magazin Royale standen um kurz nach 20 Uhr bei meinen Eltern vor der Tür (Anm. der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von 21:30 Uhr die Rede, allerdings hatte sich der Interviewpartner bei seiner Zeitangabe vertan). Sie konfrontierten sie recht unmittelbar mit den Vorwürfen gegen mich, nutzten dabei die bekannten Diffamierungs-Vokabeln, mit denen der politische Mainstream gegen seine Gegner vorgeht. Sowas trifft Eltern natürlich. Meine Eltern sitzen um 20 Uhr vor der Tagesschau. Ich habe kein Problem damit, mit meinen Eltern politisch zu diskutieren. Aber in diesem Fall deckte sich das Bild, das die beiden Journalisten über mich gezeichnet haben, nicht mit dem, was sie von ihrem eigenen Sohn hatten. Sie wussten, dass ich so nicht bin.

Der ZDF-Satiriker ließ im privaten Umfeld des Youtubers schnüffeln.
Die Journalisten haben sogar gefragt, ob sie nicht hereinkommen könnten, ob man einen Tisch hätte, an den man sich setzen könnte, um zu reden. Das wollten meine Eltern aber nicht. Meine Eltern haben in dem Gespräch auch nichts von dem, was die beiden gefragt haben, bestätigt. Das konnten sie auch schwer, denn sie wussten nichts über meinen Video-Kanal. Nach etwa fünf Minuten wurde ihnen aber klar, dass es sich offensichtlich um einen feindlichen Akt gegen ihren eigenen Sohn handelte und sie schlossen die Türe. Nach dem Gespräch haben meine Eltern dann aus Angst gleich die Jalousien heruntergelassen.“
NIUS: Wann haben Sie mitbekommen, dass Journalisten sich mit Ihnen beschäftigen?
Clownswelt: „Es begann damit, dass ich am 15. April von einer anonymen Nummer angerufen wurde – mutmaßlich hat es etwas damit zu tun, das kann ich allerdings nicht beweisen. Da gab sich jemand – in meinen Augen fälschlicherweise – als Mitarbeiter einer Influencer-Agentur aus. Man sagte mir, man habe die Nummer von einem Freund erhalten. Ich sprach nicht mit dem Mann. Zwei Tage später rief mich Zeit-Redakteur Christian Fuchs an, konfrontierte mich mit meinem Klarnamen und fragte nach einem Interview. Er bot sehr höflich an, auch gerne bei mir persönlich vorbeizuschauen. Ich habe das ignoriert, habe einfach aufgelegt.
Darauf folgte dann höchstwahrscheinlich eine Durchleuchtung meines Privatlebens. Das ist meine Mutmaßung, aber so wie ich es für mich rekonstruiere, sind mehrere Personen in die Stadt meiner Universität gefahren, haben sich dort mit Leuten, die mich denunzieren wollten, getroffen, um kompromittierende Aussagen über mich zu sammeln.“
Hat Sie das schockiert?
„Das hat mich schon eine Zeit lang sprachlos gemacht. Sie müssen sich das einmal vorstellen: Da gehen Leute auf deine Eltern zu ... auf dein privates Umfeld, forschen es aus, denunzieren dich, damit dir auch deine Hobby-Kontexte zerstört werden. Damit sich Freunde und Bekannte von dir distanzieren. Dann legen sie in der Sendung selbst die Brotkrumen aus, um sich rechtlich nicht angreifbar zu machen. Trotzdem sorgen sie dafür, dass meine Identität millionenfach bekannt wird, um mich für meine unliebsame Meinung zu bestrafen. Weil sie mich für einen Rechtsextremisten und Faschisten halten, da ich gesagt habe, wir sollten ein bisschen mehr abschieben.“

Böhmermann machte in seiner Sendung die Identität von „Clownswelt“ öffentlich.
NIUS: Im Zeit-Artikel ist zu lesen, Sie seien Antisemit, weil Sie Ihre Follower dazu aufgerufen haben, Ihnen Schekel (die israelische Währung, Anm. d. Red.) zu spenden. Sind sie Antisemit?
Clownswelt: „Dieser Vorwurf ist einfach komplett absurd. Ich glaube, ich habe irgendwann einmal in anderen Streams gehört, dass Leute das gesagt haben. Da habe ich das Wort auch im Kontext eines Spendenaufrufs verwendet. Das ist noch nicht mal ein Running Gag oder so, ich habe es einfach kopflos gesagt. Ich habe nicht das geringste Problem mit Juden. Warum auch? Die haben mir nichts getan. Man merkt an diesem Vorwurf, dass sie so wenig gefunden haben, dass sie sich offensichtlich solche absurden, übelst diffamierenden Vorwürfe aus der Nase ziehen. Weil man ein Mal ein Wort verwendet hat.“
Ihnen wird auch vorgeworfen, dass Sie Ihre Follower als „stabil wie Thors Hammer“ beschreiben. Laut Zeit eine Anspielung auf die germanische Mythologie.
„Das habe ich wirklich sage und schreibe in einem einzigen Video gemacht. Einmal in 400 bis 500 Videos, noch dazu ist der Beitrag mindestens zwei Jahre alt. Ich habe mich da nur gefragt, ob Marvel jetzt auch des Radikalismus verdächtig ist, die haben ja sogar ein paar Filme zu Thor gemacht.“
Sie wurden aus Ihrer Band geschmissen. Wussten die anderen Mitglieder wirklich nicht, dass Sie hinter dem Kanal stecken?
„Nein, das wussten sie nicht. Nach der ersten Kontaktaufnahme der Journalisten, die ich ignoriert hatte, sind diese Leute offensichtlich in irgendeiner Form auf meine Band zugegangen. In welcher Form weiß ich nicht. Ich wurde daraufhin gefragt, ob ich besagter YouTuber sei. Zwei Tage später bekam ich ohne weitere Kontaktaufnahme eine Kündigung im Ton eines Pressestatements von den anderen Bandmitgliedern zugesendet, wo mir mitgeteilt wurde, dass man sich aufs Schärfste von mir distanziert und dass man Welten voneinander entfernt sei und man meine Urheberschaft als Vertrauensbruch empfinde.
Danach gab es keinen weiteren Kontakt, kein persönliches Gespräch wurde gesucht oder so. Es war einfach blinder Gehorsam. Ich habe fünf Jahre in dieser Band E-Gitarre gespielt.“
Sind sie sauer auf ihre ehemaligen Bandmitglieder?
„Ich finde es menschlich schwach, weil sie sich auch hinter mich hätten stellen und zeigen können, dass es ihnen egal ist, welche politische Einstellungen ich habe. Dass man einfach miteinander Musik machen kann. Offensichtlich war mir das bei Ihnen ja auch egal. Für mich hat die Musik gezählt und ich finde, es muss Kontexte geben, in denen Politik keine Rolle spielt, es sei denn, man lebt in einem totalitären System.
Ich möchte aber dazu sagen, dass es mir schwerfällt, das zu verurteilen. Sie haben sich an die gesellschaftlichen Normen angepasst. In der heutigen Zeit hätten wir dann wahrscheinlich keine Auftritte mehr erhalten, außer bei irgendwelchen AfD-Veranstaltungen.“
Böhmermann bezeichnet sie als „AfD-Vorfeld“. Sind Sie das?
„Ich bin in keinster Art und Weise in einer Zusammenarbeit oder finanziellen Abhängigkeit mit der AfD. Ich äußere meine Meinung, und diese Meinung überschneidet sich offensichtlich mit einem großen Teil der AfD-Wählerschaft, die sich dann in meinen Kommentaren sammeln. Die einzigen Politiker, die sich zu Gesprächen mit mir herablassen, die Dinge von mir referenzieren, sind halt AfDler. Das habe ich mir nicht ausgesucht, aber es ist halt so.“
Werden Sie vom Verfassungsschutz beobachtet?
„Ich bin mir nicht sicher. In der Zeit heißt es ja, dass der Verfassungsschutz „die Szene“ beobachtet und meine Inhalte offenbar als rechtspopulistisch einstuft. Sie sprechen zwar nicht explizit von einer Beobachtung meiner Person, wobei ich das zwischen den Zeilen schon herauslese. Der Verfassungsschutz Niedersachsen ist ja bekannt für seinen Aktivismus.
Vom Verfassungsschutz hat die Zeit auch die Auskunft erhalten, ihre Plattform verfolge Ansätze „neurechten Denkens“. Können Sie mit der Einordnung etwas anfangen?
„Ich kann damit insofern etwas anfangen, als dass ich davon ausgehe, dass meine politische Einstellung rechts und konservativ ist, wobei neurechts sich im Besonderen dadurch auszeichnet, dass es bei mir in keinster Art und Weise irgendein Augenzwinkern in Richtung Hitlerismus, drittes Reich oder irgendetwas in diese Richtung gibt. Die neue Rechte möchte damit nichts zu tun haben, aber trotzdem im rechten Sinne argumentieren und auch klarmachen, dass das eben nicht miteinander zusammenhängt.“
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