Beim Freigang stand das Fluchtmotorrad schon bereit: Warum der Fall des Frauenmörders Benjamin Fricke so unfassbar ist!
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Benjamin Fricke ist nach Einschätzung der Gutachter schwer gestört und nicht therapiefähig, Ermittler beschreiben ihn als unberechenbar. Trotzdem konnte der 42-Jährige, der 2010 eine 23-jährige Frau mit 15 Messerstichen brutal ermordete, am Dienstag fliehen. Ein Vorgang, der so absurd klingt, dass man ihn kaum glauben kann. Und doch ist er so in Deutschland passiert.
Man mag sich nicht ausmalen, wie die letzten Stunden von Melanie R. ausgesehen haben müssen. Die 23-Jährige wurde 2010 auf grausame Weise ermordet. 15-mal stach Frauenmörder Benjamin Fricke auf sein Opfer ein, fügte der jungen Frau schwere Schnitt- und Stichwunden an Lunge und Kehle zu und missbrauchte anschließend ihre Leiche.

Melanie R. suchte im Internet eine Freundin – und traf auf ihren Mörder.
Aus den damaligen Gerichtsfeststellungen ergibt sich ein besonders perfider Tathergang: Fricke hatte sich im Internet über längere Zeit als 18-jährige Frau namens „Sarah“ ausgegeben und so Kontakt zu der 23-Jährigen aus Dungelbeck aufgebaut. Als es Ende Oktober 2010 zu einem persönlichen Treffen in seiner Wohnung kam, stellte sich heraus, dass hinter dem vermeintlichen Online-Kontakt tatsächlich Fricke steckte. Als die junge Frau seine sexuellen Annäherungsversuche zurückwies, tötete er sie mit mehreren Messerstichen. Das Landgericht Hildesheim verurteilte Fricke später wegen Mordes und versuchter schwerer Vergewaltigung zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.
Eigentlich sollte man meinen, dass die Gesellschaft vor einem solchen Täter geschützt wird und dass ein Mörder, der eine junge Frau auf derart brutale Weise getötet hat, nicht einfach die Möglichkeit erhält, wieder zu verschwinden.
Fricke hatte die Maschine während der Haft auf sich zugelassen
Das ist am Dienstag geschehen: Fricke verbüßte seine Strafe in der JVA Celle, als er an einem begleiteten Ausgang teilnehmen und seine Mutter in Peine-Vöhrum besuchen durfte. Dort ließ ihn sein Bewacher allein in die Garage, Fricke schnappte sich ein Motorrad und flüchtete – vor den Augen der Staatsgewalt. Unfassbar: Laut Bild hatte er die Maschine, eine schwarz-orangefarbene KTM Duke 200, in der Haft auf sich zugelassen – und das bereits vor mehreren Jahren.

Dieses Foto der Fluchtmaschine hat die Polizei herausgegeben.
Die Frage, die sich dabei unmittelbar aufdrängt: Wie kann es passieren, dass ein verurteilter Mörder während eines begleiteten Ausgangs Zugriff auf ein Motorrad hat, das auf seinen eigenen Namen zugelassen ist? Und: Wussten die Behörden von dessen Existenz und Standort? Hat sich irgendjemand die Frage gestellt, ob ein Motorrad in unmittelbarer Reichweite eines Gefangenen möglicherweise ein Fluchtmittel sein könnte?
Es bleibt der Eindruck eines Justizsystems zurück, das bei gefährlichen Straftätern immer wieder Risiken eingeht und anschließend überrascht wirkt, wenn die erwartbaren Folgen eintreten. Man darf nur hoffen, dass nicht weitere Menschen für diese Unfähigkeit mit ihrem Leben bezahlen müssen.
Fahndungsfotos der Polizei stammen vom Fluchttag
Die Polizei jedenfalls versieht ihre Öffentlichkeitsfahndung mit einem Gefahrenhinweis: „Von dem wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilten Benjamin Fricke kann eine Gefahr für Dritte ausgehen. Das LKA Niedersachsen bittet Zeuginnen und Zeugen daher ausdrücklich, sich dem Gesuchten nicht anzunähern und ihn nicht anzusprechen.“
Täterbeschreibung: Fricke ist 1,92 Meter groß, wiegt rund 130 Kilogramm und hat eine kräftige Statur. Er trägt einen Kurzhaarschnitt und einen sogenannten Ducktail-Bart. Bei seiner Flucht war er mit einer schwarzen Motorradjacke, einem schwarzen T-Shirt mit silber-grünem „Metallica“-Schriftzug, einer schwarzen Cargohose und schwarzen Schuhen bekleidet. Bizarr: Die Fahndungsfotos der Polizei stammen vom Fluchttag.
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