Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres
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Die Bundesregierung (hören Sie jetzt bitte nicht auf zu lesen) will den Erhalt, die Reparatur und das Recycling von Produkten stärker unterstützen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte: „Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger. Sie schützt unsere Unternehmen.“
Auf 20 Seiten legt das Umweltministerium dar, wie es sich die Zukunft unseres Kaufverhaltens vorstellt. Zusammengefasst: Reparieren statt neu kaufen, nicht so viel wegwerfen, aus Alt mach Neu.
Ich fühle mich zurückversetzt in die 50er Jahre. Da gab es fast nichts, da musste man die Dinge zusammenschustern. Ich höre noch die alte Singer-Nähmaschine meiner Mutter aus den Vorkriegsjahren rattern. Sie ratterte gefühlt Tag und Nacht. „Das kann man doch noch tragen, ich nähe dir neue Taschen rein“, sagte meine Mutter. Sie selbst nähte sich ihr komplettes Outfit: Blusen, Kleider, Röcke, Hosen. Dann kam das Wirtschaftswunder.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD)
Die Tauschwirtschaft gab es schon – in der DDR
In der DDR ging die Kreislaufwirtschaft Jahrzehnte länger: Wer zwölf Jahre auf einen Trabi wartete, kam nicht auf die Idee, sich ein neues Auto anschaffen zu wollen. Wenn etwas kaputt war, halfen Bekannte, Nachbarn, Freunde. Irgendjemand hatte das gesuchte Ersatzteil, es wurde getauscht, was tauschbar war. Als die Mauer 1989 fiel, stürmten zehntausende DDR-Bürger das KaDeWe (wenn man Berlin als Beispiel nimmt). Sie hatten Lust, etwas Neues zu kaufen. Es war ein Urbedürfnis, das sie antrieb. Wie tief menschlich ist das!
Dieses Urbedürfnis, diese Kauflust, gibt es immer noch. Und zwar bei allen Teilen der Bevölkerung. Junge, Erwachsene, Alte und ganz Alte. Unser Leben als solches ist darauf ausgerichtet: Es ist meist günstiger, etwas Neues zu kaufen, als Altes zu reparieren (wenn das überhaupt möglich ist). Neue gekaufte Sachen kurbeln die Wirtschaft an, sagen die Leute (wie recht sie haben!), je mehr angeboten wird, desto schöner ist es. Man kauft, was man sich leisten kann. Dafür hat man geschuftet, dafür hat man verzichtet (ja, dieses altmodische Wort trifft es auf den Punkt).
Nun kommt der Minister und schwatzt von Kreislaufwirtschaft, wiederverwertbaren Produkten, vom Umbau der deutschen Wirtschaft zu mehr Umwelt- und Klimaschutz. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: Herr Minister, wenn Sie das denn wollen, reparieren Sie. In Ihrer Garage, in Ihrem Haus, in Ihrem Kleiderschrank. Großartig, wenn ein Minister alles selber machen kann und mit Geflicktem zufrieden ist.
Ich für meinen Teil gehe am Samstag raus und gucke, was es Neues gibt. Man nennt es Shopping. Kaufen, kaufen, kaufen – es gibt nichts Schöneres.
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