Mehr als eine halbe Million Kirchenaustritte: Bleiben Sie in der Kirche, auch wenn es manchmal schwer fällt!
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Emanuela SutterDie neuen Zahlen zeigen: Der Mitgliederschwund in der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland hält weiter an. Kirchenaustritte aufgrund von linksgrünen Predigten und woken Kirchentagsveranstaltungen sind verständlich, haben aber schwere Folgen. Dieser Artikel ist ein Plädoyer: Wenn den Christen Europa am Herzen liegt, müssen sie der Institution treu bleiben.
Es ist eine Nachricht, an die sich viele gewöhnt haben: Die katholische und evangelische Kirche haben 2025 wieder massiv an Mitgliedern verloren – zusammen 1,2 Millionen. 600.000 davon traten aktiv aus den beiden Großkirchen aus, der Rest sind Sterbefälle. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) registrierte etwas mehr Austritte (350.000) als die katholische (307.000). Damit sind noch 23 Prozent der Gesamtbevölkerung katholisch, 20,8 Prozent Mitglied der EKD. Mittlerweile fast unvorstellbar: Im Jahr 1990 waren noch 70 Prozent der Deutschen Teil einer der beiden Kirchen.
Menschen brauchen Kirchen nicht mehr, um Religiosität auszuleben
Hohe Kirchenaustritte jucken niemanden mehr. Besonders seit den 2010er-Jahren erfährt man regelmäßig von neu gebrochenen Rekord-Austrittszahlen. Eine Erklärung dafür sind die Missbrauchsskandale. Doch generell gilt: Menschen fühlen sich nicht mehr an die großen Kirchen gebunden. Glaube und Spiritualität kann man schließlich auch in seinen eigenen vier Wänden leben, Gemeinschaft in Vereinen erfahren.
Da wäre etwa ein junger Deutscher, der in diesem Jahr dennoch in die katholische Kirche eintreten möchte, und der für diesen Text Hans heißen soll. Hans ist im Millennial-Alter und wuchs gänzlich ohne religiöse Bildung auf. Er vertritt zwei Thesen zu den Kirchenaustritten, die ungewöhnlich klingen: Austritte beschleunigen die Islamisierung. Und: Die Mitgliedschaft, so Hans, sei wertvoll, um das kulturelle christliche europäische Erbe zu erhalten.
Ja, Teile der Kirche fördern Wokeness
Kritiker dieser Thesen werden nun vermutlich folgende Argumente ins Feld führen: „Die deutschen Großkirchen sind woke.“ Sie hätten mehr gemein mit linksgrünen Parteien als einem lieb sei. Und: Sie betreiben Politik, anstatt sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren.

Kleine katholische Boomer-Frauen-Gruppierungen wie „Maria 2.0“ oder die Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) fordern eine inklusivere Kirche.
Und ja, es stimmt: Es gibt Pfarreien, die über ihrem Eingang die Pride-Flagge hissen und die christliche Lehre verwässern. Evangelische und katholische Kirchentage gleichen mittlerweile Parteiveranstaltungen. Die offizielle Jugendorganisation der katholischen Kirche kümmert sich mehr ums Klima und Geschlechtsidentitäten als um das Heil der Seelen.
Man muss sich aber vor Augen halten: Diese Auswüchse sind typisch deutsch und haben nichts mit den weltweiten Entwicklungen, zumindest der katholischen Kirche, zu tun. Der Blick über den heimischen Tellerrand lohnt sich: Im Nachbarland Frankreich verzeichnete die katholische Kirche zu Ostern im vergangenen Jahr einen historischen Anstieg an Erwachsenentaufen. 42 Prozent der erwachsenen Taufbewerber (über 10.300) waren zwischen 18 und 25 Jahre alt – und somit Teil der Generation Z. Mehr als 7400 Taufbewerber waren Teenager, also jünger als 18. Die Zahlen sind die höchsten seit Beginn der Zählung vor 20 Jahren. Was bei den Franzosen anders ist als hierzulande: Katholiken zahlen keinen Kirchenmitgliedsbeitrag. Auch in den USA verlangt die Kirche keinen Cent von ihren Gläubigen. In einem Großteil der Staaten finanzieren sich die Kirchen rein von Spenden der Gläubigen. Auch in Nordamerika nimmt die Zahl der Konversionen wieder zu. In Afrika und Asien wächst die katholische Kirche allgemein stark.
Weltweit, aber auch in Deutschland, gibt es stark wachsende christliche Gruppen und Gemeinschaften. US-Bischof Robert Barron, der 2025 in Münster mit dem Josef-Pieper-Preis geehrt wurde, erreicht mit seinem Podcast, YouTube-Kanal und seinen Auftritten in sozialen Medien ein Millionenpublikum. Er war schon zu Gast bei dem konservativen US-Nachrichtensender Fox News. Hierzulande ist der katholische Theologe, Philosoph und Gründer eines Gebetshauses, Johannes Hartl, eine wichtige christliche Stimme. Auf seine Konferenzen kommen um die 10.000 Besucher. Generell verzeichnen gerade charismatische und traditionelle Initiativen wie die österreichische Loretto-Gemeinschaft oder die Gemeinde St. Afra in Berlin ein Wachstum. Dort sammeln sich vor allem junge Gläubige, die sich nach Tiefgang, Spiritualität und Wegweisung sehnen.

Der US-Bischof Robert Barron wurde eingeladen, während einer Veranstaltung zum Nationalen Gebetstag am 1. Mai 2025 im Weißen Haus ein Gebet zu sprechen. Politisch vereinnahmen lässt er sich weder von rechts noch von links.
Christen müssen aufhören zu jammern
Was deutsche Christen ablegen müssen, ist eine gewisse Jammer-Mentalität. Christen heute müssen ins Tun kommen und selbst aktiv werden. Sind Sie Christ und haben Predigten mit linksgrünem Inhalt satt? In jeder Ecke dieses Landes finden Sie Pfarreien und Initiativen, die das Evangelium predigen. Viele Gruppen und Pfarreien haben mittlerweile einen sehr professionellen Auftritt im Internet. Man muss nur ein bisschen danach suchen und womöglich eine Anfahrt von 45 Minuten in Kauf nehmen. Doch das sollte einem der Glaube wert sein.
Was leicht in Vergessenheit gerät: Die evangelische und katholische Kirche zählen zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Gemeinsam beschäftigen sie bis zu 1,5 Millionen Menschen, die in kirchlichen Krankenhäusern, Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Jugendzentren und Obdachlosenhilfe arbeiten. Diese Einrichtungen werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert, aber auch durch den Kirchenbeitrag. Es ist wichtig, dass diese Einrichtungen weiterhin in kirchlicher Hand bleiben, damit sie nicht eines Tages von islamistischen Gruppen übernommen werden.
Kirchenbeitrag unterstützt kulturelle Errungenschaften
Ein Hauptteil der Kirchensteuer fließt in den religiösen Kernbetrieb, also die Besoldung von Priestern und Seelsorgern. Ein anderer Teil entfällt auf Bau, Erhalt und Renovierung von Kirchen und Domen. Mit dem Verbleib in der Kirche unterstützt man diese kulturellen Bauwerke, von denen viele nach Hunderten von Jahren noch immer europäische Wahrzeichen sind und deren Schönheit Millionen von Touristen auf den alten Kontinent locken.
Natürlich, die Kirche überlebt auch ohne den Zwangsmitgliedsbeitrag – und das sogar gut, wie der Blick in andere Länder zeigt. Doch dieser Artikel ist kein Plädoyer für oder gegen die Kirchensteuer, sondern für die Wahrung der Einheit.
Christen müssen in Zeiten wie diesen zusammenhalten
Die Aussage „Austritte beschleunigen die Islamisierung“ kann man für übertrieben halten. Doch sie hat einen wahren Kern. Christen müssen in Zeiten wie diesen zusammenhalten. Sätze wie „Ich kann aus der Kirche austreten und trotzdem Katholik bleiben“ sind da nicht hilfreich, im Gegenteil. Sie sind destruktiv, weil sie Spaltung und Zersplitterung fördern. Was es braucht unter Christen, ist wieder mehr Gemeinschaftssinn. Nörgelei ist hier wenig hilfreich. Die Welle an Empörung und Bestürzung, die auf den sozialen Netzwerken zu vernehmen war, als die Pariser Kathedrale Notre-Dame 2019 brannte, zeigt, welche starke Bindung noch immer zu wichtigen christlichen Bauwerken besteht. Diese oft über Jahrzehnte zur Ehre Gottes erbauten Dome sind noch immer so etwas wie das Herz Europas.

Am 15. April 2019 brach in der Pariser Notre-Dame-Kirche ein Feuer aus, das große Teile des Dachs zerstörte.
Viele Experten sind sich einig: Die größte Bedrohung für Europa ist der Islamismus. Es klingt vielleicht paradox, aber: Christen müssen sich eine Scheibe von Muslimen abschauen. Viele halten den Ramadan ein, treffen sich in der Moschee sowie zum Fastenbrechen und verrichten treu ihre Gebete.
Die Kirche ist 2000 Jahre alt und war noch nie vollkommen
Tun Sie sich mit Ihren Freunden zusammen und gehen Sie sonntags zur Messe. Gründen Sie Gebetskreise. Bekreuzigen Sie sich im Restaurant oder am Arbeitsplatz vor dem Essen. Bleiben Sie Teil der Kirche, auch wenn Sie mit Entwicklungen hierzulande nicht einverstanden sind. Es ist wie mit einer alteingesessenen Partei, die einem am Herzen liegt: Bei Unzufriedenheit ist es am besten, sie von innen heraus zu transformieren. Ein Austritt verändert meist nichts. Eine neue Partei zu gründen, ist ein riskantes Unterfangen, das meist nach kurzer Zeit zum Scheitern verurteilt ist. Mit einem Kirchenaustritt ist es auch so: Zersplitterung ist vorprogrammiert, verschiedene christliche Kirchen gibt es schon zur Genüge.
Und denken Sie immer daran: „Katholisch“ bedeutet „allumfassend, universal“. Deutsche Katholiken machen nicht einmal zwei Prozent der weltweiten Katholiken aus. Gerade der Katholik ist nicht auf seinen Staat beschränkt. Er ist eingebettet in eine riesige weltweite Gemeinschaft.
Haben Sie Geduld mit der Kirche! Sie ist eine 2000 Jahre alte Institution. Womöglich gab es nie eine Zeit in ihrer Geschichte, in der alles wie am Schnürchen lief. Ende des 14. Jahrhunderts gab es über einige Jahre hinweg zwei Päpste, zeitweise sogar drei. Trotz wilder Zeiten existiert die Kirche heute, ungefähr 600 Jahre später, noch immer. Kurzzeitige Trends wie Wokeness, Klima- und Identitätspolitik werden wieder von der Bildfläche verschwinden. Die Kirche, ihre Lehre und die Sakramente werden bleiben.
Der bekannte britische Essayist und Konvertit G. K. Chesterton (1874 bis 1936) brachte es auf den Punkt: „Mindestens fünfmal sah es so aus, als sei der Glaube endgültig vor die Hunde gegangen. Doch jedes Mal war es am Ende der Hund, der zugrunde ging.“
Auch bei NIUS: Paritätisch, queer und autoritär: In der katholischen Kirche wollen die Linken jetzt durchregieren
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