Vulkangruppen-Vordenker an Gefolgschaft: Stromausfälle bieten „Möglichkeitsfenster“ für „Aktionen ohne Kameraüberwachung“
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Jens WinterDer Stichwortgeber der Vulkangruppe und sein Kollektiv melden sich auf der linksextremen Plattform Indymedia zu Wort. Die Gruppe plädiert dafür, keine Mobiltelefone mehr zu benutzen; Stromausfälle beschreiben sie als „Möglichkeitsfenster“ für „Aktionen ohne Kameraüberwachung“.
Nur zwei Wochen nach dem Berliner Stromterror der Vulkangruppe und nur eine Woche nach seiner Enttarnung als Vordenker eben jener Terroristen wendet sich der Linksextremist Guido Arnold mit seinem Kollektiv Çapulcu an die Öffentlichkeit. Auf der linksextremen Plattform Indymedia sinniert die Gruppe vordergründig darüber, welches Betriebssystem Ökoterroristen auf ihren Computern und Handys am besten benutzen sollten.
Zwar wägen Arnold und sein Kollektiv unterschiedliche Open-Source-Programme gegeneinander ab, kommen letztlich aber zu dem Schluss: Insgesamt „verlieren wir durch die Verwendung von Mobiltelefonen als Bewegung mehr, als wir gewinnen.“
Die Gruppe denkt über einen kompletten Rückzug aus der digitalen Kommunikation nach: „Die Frage, die wir uns stellen, lautet also, ob und für was wir überhaupt ein Smartphone haben wollen und welche Folgen dieses Gerät für unser Leben und unsere Organisierungen hat, oder ob wir nicht lieber die Ressourcen investieren, um starke analoge Strukturen aufzubauen (z.B. regelmäßige Treffpunkte, vereinbarte Orte im Fall von spontanen Ereignissen usw.).“

Ökoextremisten denken über den Ausstieg aus der digitalen Kommunikation nach.
Rückzug aus der Handy-Kommunikation
An der Nutzung digitaler Geräte bemängeln Çapulcu und Arnold, dass diese ein Sicherheitsrisiko und „Angriffsfläche“ für die „Repressionsapparate“ bieten würden. Zudem würde digitale Kommunikation „in den seltesten Fällen zu entschlossenem Handeln“ bewegen; ganz im Sinne ihrer technikfeindlichen Ideologie, die sich auch in den Bekennerschreiben der Vulkangruppe wiederfindet, beschreibt das Kollektiv Handys per se als „technologischen Angriff“ auf die eigenen „Strukturen“.
Um ihren Anhängern die analoge Kommunikation schmackhaft zu machen, bringt die Gruppe schließlich das Szenario eines Stromausfalls ins Spiel: „Als im April diesen Jahres in Teilen Spaniens der Strom länger ausfiel, öffnete sich ein Möglichkeitsfenster, um Aktionen ohne Kameraüberwachung an kritischen Orten, etwa in Innenstädten, durchzuführen.“

Im April 2025 kaufen Menschen während eines Stromausfalls in Spanien große Wasserbehälter.
Stromausfälle als Möglichkeit für illegale Aktivitäten
Stromausfälle bieten für Arnold und Çapulcu demnach eine Möglichkeit für illegale Tätigkeiten wie Diebstähle oder weitere Anschläge – denn genau hierfür ist es von Vorteil, wenn „Kameraüberwachung an kritischen Orten“ nicht funktioniert. Für dieses Szenario wiederum, so Çapulcu, bräuchte man analoge Kommunikationsstrukturen, auf die man zurückgreifen kann. Auch beim erwähnten Stromausfall aus dem letzten Jahr in Spanien wären digitale Geräte irgendwann gänzlich ausgefallen; dies wiederum „hinterließ einen Haufen handlungsunfähiger Individuen, die sich bestenfalls mal in Kleingrüppchen trafen.“
Ein Rückzug in analoge Kommunikationswege dürfte für die Szene momentan auch deshalb von Bedeutung sein, da sie aufgrund des jüngsten Anschlags der Vulkangruppe in Berlin mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückte; der Druck auf ihre Protagonisten dürfte gestiegen sein.
Erst kürzlich hatten Welt und NIUS aufgedeckt, dass Arnold als Vordenker der Vulkangruppen fungiert. Zudem konnte NIUS einem konspirativen Treffen in der linksextremen Szene in Basel beiwohnen, bei dem Arnold zu „Angriffen“ aufrief und dazu, „Recherche-Arbeit“ für mögliche Anschlagsziele zu leisten.

2024 verübte die Vulkangruppe einen Brandanschlag auf einen Strommast am Tesla-Werk in Grünheide (Brandenburg).
Arnold und Çapulcu wiegen in dem Text die Open-Source-Betriebssysteme GrapheneOS und Tails gegeneinander ab. Ersteres würde in der Szene „zunehmend mehr Menschen benutzen“. Letzteres propagieren Arnold und sein Kollektiv schon lange – und favorisieren es noch immer.
Erst vor zwei Wochen setzte die Vulkangruppe mit einem Anschlag auf einen Kabelkanal am Kraftwerk Berlin-Lichterfelde tagelang weite Teile des Berliner Südwestens ohne Strom und Heizung. Der Aufsatz von Çapulcu möchte Ökoterroristen neben einem Rückzug ins Analoge offenbar auch die Vision nahelegen, dass während solcher „Systemausfälle“ auch weitere Straftaten leichter möglich sind.
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