Abschiebungen in den USA: Warum sprechen unsere Medien von „Deportationen“?
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Die Trump-Regierung lässt weiterhin Abschiebungen in großem Stil durchführen, doch deutsche Medien nennen sie oft fälschlich „Deportationen“. Ein semantischer Trick, um sie als unmenschlich zu brandmarken und die MAGA-Bewegung ebenso wie die AfD als gefährlich für Demokratie und Rechtsstaat darzustellen.
Wie im US-Präsidentschaftswahlkampf versprochen, ließ Donald Trump am Tag seiner zweiten Amtszeit illegale Einwanderer, allen voran Kriminelle, in ihre Herkunftsländer abschieben. Seither setzt er das „größte Abschiebeprogramm der US-Geschichte“ um. Im Englischen heißen Abschiebungen „deportations“. Der Begriff entspricht dem lateinischen deportatio, von deportare (fortschaffen).
Statt von Abschiebungen ist in deutschen Medien immer öfter von „Deportationen“ die Rede, was die ursprüngliche Bedeutung verzerrt. Während der englische Begriff „deportation“ im US-Kontext primär administrative Abschiebungen illegaler Einwanderer beschreibt – ein rechtliches Instrument, das unter Präsidenten wie Barack Obama sogar in höherem Umfang angewendet wurde –, wird er in Deutschland oft unverändert als „Deportation“ übernommen. Ein paar Beispiele:
Tagesschau: „Deportationen in den USA: ‚Bin ich als nächstes dran?‘“ (21.4.2025); Spiegel: „Donald Trump will US-Militär für Massendeportationen einsetzen“ (15.1.2025); Frankfurter Rundschau: „Trump feiert Massen-Deportationen – und benutzt nun auch Begriff ‚Remigration‘“ (7.7.2025); Deutschlandfunk Nova: „Die US-Einwanderungsbehörde ICE führt unter Donald Trump massive Razzien durch. Das Ziel ist Deportation.“ (17.6.2025).

Die Tagesschau nennt Abschiebung „Deportation“.
Unterschwellige Kriminalisierung einer legalen Maßnahme
Nun ist aber die Abschiebung eine staatliche Zwangsmaßnahme, um eine Person aus dem Land zu entfernen, deren Aufenthaltsrecht nicht mehr besteht oder die als schädlich erachtet wird. Es handelt sich um einen rechtlichen Vorgang zur Entfernung von Personen, die gegen Einwanderungsgesetze verstoßen, etwa durch illegale Einreise. Wenn die Trump-Regierung – zuweilen mit Bezug auf den „Alien Enemies Act“ von 1798 – unerwünschte Personen abschiebt, aber auch verurteilte ausländische Straftäter etwa aus Venezuela oder Kolumbien, entledigt sie sich unerwünschter Personen, die dem Land und/oder seinen Bewohnern Schaden zugefügt haben – das Recht jedes Staates.
Warum also ist in deutschen Zeitungen, im Rundfunk und im Fernsehen immer öfter von „Deportationen“ die Rede, wenn Abschiebungen (bzw. Ausweisungen oder Rückführungen) gemeint sind? Die Antwort liegt auf der Hand: um das Handeln der Trump-Regierung als ungerechtfertigt und unmenschlich darzustellen.
Denn: Unter „Deportation“ versteht man insbesondere in Deutschland die Verschickung, Verschleppung oder Verbannung von Straftätern, politischen Gegnern oder ganzen Volksgruppen mit staatlicher Gewalt in weit entlegene Gebiete zu langjährigem oder lebenslangem Zwangsaufenthalt. Es gibt zahlreiche historische Beispiele für Deportationen unschuldiger Menschen, und offenbar spekulieren Trump feindlich gesinnte Journalisten darauf, dass ihre Zuschauer, Hörer oder Leser diese mit dem Begriff „Deportationen“ verbinden.
Die Mär vom „Geheimtreffen“
Eine ziemlich einfach zu durchschauende semantische Falle, bei der der neutrale Terminus „Abschiebung“, der in der deutschen Rechtsprechung etabliert ist, auf der Strecke bleibt. Es handelt sich hier keineswegs um eine stilistische Entscheidung; sie trägt eine schwere historische Last und dient als subtiler Filter, der Trumps Politik in ein dunkles Licht rückt. In einer Zeit, in der die Debatte um Migration polarisiert, ist sie ein Mittel, um die auch in Deutschland im Raum stehenden „Abschiebungen im großen Stil“ (Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz) als inhumane Maßnahme darzustellen, die man im Namen der Menschlichkeit nicht umsetzen darf.

Migranten ohne Papiere werden in den USA abgeschoben.
Die öffentliche Wahrnehmung wird dahingehend gelenkt, dass Forderungen nach Abschiebungen (und erst recht nach „Remigration“) per se negativ erscheinen, ob sie nun aus AfD-Kreisen oder aus der Union kommen. Seit der Correctiv-Räuberpistole über das „Potsdamer Geheimtreffen“ im November 2023, bei dem angeblich „Deportationen“ geplant worden waren, wurde verbreitet, die Teilnehmer hätten die „Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland – auch solcher mit deutschem Pass“ (Tagesschau) bzw. die „Deportation von Millionen Menschen, auch solcher mit deutscher Staatsbürgerschaft“ (ZDF heute) besprochen. Als Folge wurden von der Regierung gewünschte Massendemonstrationen „gegen Rechts“ organisiert, die Verbotsdebatte über die AfD gewann neuen Schwung.
Trump, der in den deutschen Quantitätsmedien ähnlich schlecht wegkommt wie die AfD und für die allermeisten Journalisten einfach gar nichts richtig machen kann, ist bei der Bevölkerung, die ihre Weltsicht vom stets einschlägig einordnenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk prägen lassen, ziemlich unten durch. Wenn er abschiebt, kann das weder rechtens noch verständlich sein, es muss inhuman wirken.
Ein perfider Vergleich
In Wahrheit sind die Abschiebungen (für welche die Schweizer den Begriff „Ausschaffungen“ verwenden) von ausländischen Einzelpersonen oder Gangs in den USA keineswegs vergleichbar mit aus der Geschichte bekannten Deportationen. Weder mit denen von Häftlingen in weit entfernte Strafkolonien (Beispiel Großbritannien und Australien), noch mit denen in Kambodscha während der Zeit der Roten Khmer, als Pol Pot aus politisch-ideologischen Gründen bis zu zwei Millionen Menschen in Todeslager deportieren und dort umbringen oder nach der Deportation zur Zwangsarbeit auf Reisfeldern ermorden ließ.

Deportation der Kulaken in der Sowjetunion 1929/30.
Und schon gar nicht mit der systematischen Deportation und Ermordung der europäischen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten. An die, so wünscht man sich das in vielen deutschen Redaktionsräumen, soll der Medienkonsument aber denken, wenn er von „Deportationen“ in den Vereinigten Staaten hört.
Zwischen 1941 und 1945 wurden Millionen Juden, Roma, Sinti und politische Dissidenten in Zügen in Konzentrations- und Vernichtungslager transportiert. Die Wannsee-Konferenz von 1942, bei der hochrangige NS-Funktionäre die „Endlösung“ koordinierten, ist synonym mit Deportationsplänen, die den Tod von sechs Millionen Menschen einleiteten. Dieses Erbe prägt nun einmal die deutsche Sprache – „Deportation“ steht für Rassismus, Zwang und Massenmord. Das Kalkül der Manipulatoren in den Medien: Damit soll assoziiert werden, was heute irgendwo auf der Welt, besonders aber in Amerika und Israel passiert. Von wegen „Nie wieder“.

„Umschlagplatz“ in Warschau: Von hier wurden Juden in die Vernichtungslager transportiert.
Ein Begriff, der wie eine Alarmglocke wirkt
Ob „ethnische Deportationen“ in der Sowjetunion der 1930er Jahre, als Minderheiten wie Deutsche, Polen, Krimtataren und Tschetschenen zu Millionen in entlegene Regionen wie Kasachstan und Sibirien verschleppt wurden, oder die Deportationen im Holocaust während des Zweiten Weltkriegs: Deportationen dienten der Homogenisierung von Gesellschaften durch Ausschluss und Vernichtung. Sie waren kein Einzelfall, sondern systematisches Herrschaftsinstrument totalitärer Regime. In Deutschland, wo die NS-Vergangenheit zentraler Bestandteil der Identität ist, wirkt „Deportation“ daher wie eine Alarmglocke – ein Wort, das sofort Assoziationen zu Unmenschlichkeit weckt.
Der Terminus „Abschiebung“, verankert im Aufenthaltsgesetz (§ 58), beschreibt hingegen einen legalen Verwaltungsakt ohne die Konnotation von Massenverbrechen, er impliziert Fairness und Rechtsstaatlichkeit, nicht Grausamkeit. Doch gerade die will man Donald Trump unterstellen.
Auffällig ist dabei, dass dem Medien-Darling Barack Obama, der in seinen beiden Amtszeiten 2,8 Millionen Menschen abschob, keine „Deportationen“ unterstellt wurden. Trumps MAGA-Bewegung wird oft mit autoritären Tendenzen verglichen, und „Deportation“ verstärkt dies, indem es Parallelen zu historischen Gräueln zieht. Es schafft eine narrative Brücke: Aus einer Politik der Grenzsicherung wird ein Bild von Massenvertreibungen, das an die Wannsee-Konferenz erinnert. Trumps Pläne werden nicht als pragmatische Maßnahme gegen illegale Migration dargestellt, sondern als Bedrohung demokratischer Werte.
Die Tatsache, dass es sich mitnichten um lauter arme Teufel handelt, die man willkürlich aus dem Land wirft, sondern oft genug um Verbrecher, verschwindet hinter dem emotionalisierenden Wording. Es kommt nur darauf an, dass der gewünschte Eindruck vom Monster Trump „hängenbleibt“ – und gleichzeitig noch eine kurze Erinnerung an die erfolgreichen, wenn auch später vor Gericht zerlegten Fake News vom „Potsdamer Geheimtreffen“ aufpoppt.
Eine ausgewiesene Manipulation aus purer Verzweiflung, denn die meisten Deutschen sind durchaus für die Abschiebung illegaler Migranten. – ob in den USA oder bei uns.
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