ARD streicht Waldi aus dem Programm, weil er für NIUS arbeitet
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Waldemar Hartmann ist ein Urgestein der ARD, hat der Fußballnation die legendäre Weißbier-Wutrede von Rudi Völler geschenkt und wird im ganzen Land selbstverständlich mit „Waldi“ und nicht mit „Herr Hartmann“ angesprochen. Seit mehr als 50 Jahren arbeitet Waldi für die Sender-Familie der ARD.
Jetzt hat Waldi eine riesige Enttäuschung erfahren: Der MDR hat einen kleinen Beitrag über ihn gedreht – und nicht ausgestrahlt, weil die Sportreporter-Legende politisch wohl zu unbequem wurde!
DAS IST PASSIERT: Der MDR ist Premiumpartner des legendären Dresdner Semperopernballs, überträgt die Ballnacht live. Um den Ball beim ARD-Publikum zu bewerben, sollte ein kleiner Film über einen Promi im ARD-Magazin „Brisant“ erscheinen – der MDR produziert die bunte Sendung im Vorabendprogramm des Ersten. Waldi lebt seit mehreren Jahren in Leipzig, ist gern gesehener Gast auf dem Ball, hielt dort schon zwei Mal die Laudatio, u.a. auf Michael Ballack. Für das MDR-Team zog er vor der Kamera schon einmal seinen Smoking an, spazierte durch die Stadt, plauderte über den Ball. Alles unpolitisch und unverfänglich.

Der MDR übertrug den Opernball über zwei Stunden lang live im Fernsehen.
Gedreht wurde das Material am Dienstag (20. Februar), ausgestrahlt werden sollte der Beitrag am vergangenen Mittwoch (21. Februar), zwei Tage vor dem Ball am vergangenen Freitag. Als die MDR-Redaktion dann am Erscheinungstag zusammenkam und erfuhr, dass für die Promi-Strecke in „Brisant“ Waldemar Hartmann als Protagonist geplant war, eskalierte die Situation, wie NIUS von Teilnehmern der Konferenz erfuhr: Mitarbeiter meldeten sich entrüstet zu Wort und wiesen darauf hin, dass die Sportreporter-Legende ja inzwischen für NIUS arbeiten würde und er somit keine Sendezeit in der ARD bekommen dürfe. Es entbrannte eine Debatte um seine Rolle mit dem Ergebnis: Keine Bühne für jemanden, der bei NIUS arbeitet.

Waldi mit Ehefrau Petra beim Seemperopernball vor wenigen Tagen
Ungereimtheiten der MDR-Verantwortlichen
Zum Hintergrund: Waldi arbeitet seit der Bundesliga-Saison 2023/2024 das Spieltagsgeschehen in „Waldis Dritter Halbzeit“ als NIUS-Kolumnist auf, hatte u.a. DFB-Sportdirektor Rudi Völler zu Interviewpartner. NIUS beschäftigt sich kritisch mit der Finanzierung und politischen Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Medien (ARD, ZDF, Deutschlandradio etc.). Die öffentlich-rechtlichen Medien wiederum nennen NIUS bspw. „rechtspopulistisch und tendenziös“ und behaupten, dass „Falschmeldungen“ verbreitet werden (BR). Belege für diesen Vorwurf werden nicht geliefert.
NIUS konfrontierte den MDR mit dem Vorwurf, dass Waldi wegen dieser Kontaktschuld aus dem Programm gestrichen wurde. Die Antwort: „Eine solche Spekulation können wir nicht bestätigten.“ Wer ein bisschen Erfahrung mit Pressestellen hat, der weiß: Ein Dementi klingt anders … Ein kurzer 19-sekündiger Wortbeitrag von Waldi, eingebettet in einem 4-Minuten-Nachruf auf Andreas Brehme, der am Dienstag mitproduziert und direkt ausgestrahlt wurde, war kein Problem.
Bemerkenswert ist auch, wie sich die MDR-Verantwortlichen in Ungereimtheiten verstrickten. Waldi erhielt nach der oben beschriebenen Konferenz einen Anruf der Sendeverantwortlichen, die ihm sagte, dass der Beitrag aus Zeitgründen gestrichen werden müsste – man ihn aber noch in der kommenden Woche ausstrahlen würde. Da wurde Waldi misstrauisch. Wieso sollte ein Vorbericht in der Woche nach dem Ball gesendet werden?! Das konnte die Sendeverantwortliche dann auch nicht seriös beantworten.

Im November vergangenen Jahres interviewte Waldi Fußball-Legende Rudi Völler für NIUS.
Der MDR sagt auf Anfrage: „‚Brisant‘ ist ein tagesaktuelles Live-Format, bei dem sich bis kurz vor Sendebeginn auch immer kurzfristig etwas am Ablauf und der Zusammenstellung der Beiträge ändern kann. Das liegt in der Natur der Sache. Am 21.02. musste der Beitrag mit Waldemar Hartmann zum Semperopernball entsprechend entfallen.“
Ein Blick in das ausgetrahlte Programm zeigt: Tagesaktuell waren eigentlich zwei von fünf Themen (tödlicher Angriff auf Basketballspieler, Ärger um Benzinpreise), der Rest war zeitlos und bunt. Sogar ein Kulturthema hat es in die Sendung geschafft, nämlich eine Ehrung auf der Berlinale. Schwer vorstellbar, dass der MDR als Opernball-Partner dieses kostbare Sendefenster freiwillig abgibt und somit auf einen kostenlosen Werbeblock für das eigene Live-Event verzichtet …
Auf Waldis schriftlichen und telefonischen Hinweis, dass es ja bis Freitag noch weitere Sendefenster im regionalen Programm des MDR geben würde („Hier um Vier“, „Sachsenspiegel“), um den fertig produzierten Beitrag auszustrahlen, wurde nicht eingegangen. Eine entsprechende Nachfrage von NIUS dazu blieb unbeantwortet.
Waldi: „Das ist eine brisante Entwicklung“
Waldi ist enttäuscht, sagt: „Bisher hatte ich im Prinzip mit ARD-Anstalten keine Probleme. Zuletzt auch nicht mit dem MDR. Im Januar war ich anlässlich des Todes von Franz Beckenbauer Studiogast im ARD-Mittagsmagazin, das neuerdings vom MDR verantwortet wird. Im Januar hatte die Redaktion von Sandra Maischberger kein Problem, mich in ihre Sendung als NIUS-Kolumnist einzuladen. Dass jetzt ausgerechnet Teile der Brisant-Redaktion, die sich ansonsten überwiegend mit Klatsch und Tratsch, mit Sex and Crime beschäftigt, bei politischer Meinungsfreiheit als Hüter der reinen Lehre auftritt – das halte ich für eine besonders brisante Entwicklung.“
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