Wie „die Zeit“ vortäuschte, dass Clownswelt vom Verfassungsschutz beobachtet wird
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Welche Rolle spielt der Verfassungsschutz Niedersachsen im Fall des Youtubers Clownie? Offenbar eine andere als bislang bekannt. Die Zeit insinuierte in ihrem Text über den rechten Youtuber, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet werde. Doch NIUS-Recherchen zeigen: Das stimmt nicht.
Der Hintergrund: Am Freitag hatten ZDF-Satiriker Jan Böhmermann und Christian Fuchs von der Zeit eine gemeinsame Recherche über einen YouTuber namens Clownie veröffentlicht. Auf dessen beiden Kanälen „Clownswelt“ und „KetzerKirche“ verbreite er eine rechte Weltanschauung, so Fuchs in der Zeit. Als Beispiele für Clownies „merkwürdige Einstellungen“ nennt Fuchs unter anderem, dass der YouTuber Warnungen vor dem Klimawandel für Panikmache hält, dass er transsexuelle Menschen als krank bezeichnete oder dass er findet, Frauen sollten sich um Kinder, Küche und Haus kümmern.

Der Text der Zeit über Clownie.
Die Reporter von Zeit und ZDF informierten die Eltern des YouTubers gegen acht Uhr abends an deren Haustür über seine Online-Aktivitäten, sprachen mit seinem persönlichen Umfeld und einem ehemaligen Uni-Professor und nannten im Text seinen Vornamen und den ersten Buchstaben seines Nachnamens. Innerhalb kürzester Zeit nach Erscheinen des Zeit-Artikels konnte Clownie in sozialen Netzwerken von Nutzern enttarnt werden.
Überraschende Antwort des Verfassungsschutzes
Die Zeit erwähnt in ihrem Text auch den Niedersächsischen Verfassungsschutz. So heißt es über die Szene rechter YouTuber: „Auch der Verfassungsschutz Niedersachsen beobachtet die Szene. Eine Sprecherin teilte auf Anfrage von ZEIT ONLINE mit, „dass es sich bei Clownswelt um eine ‚rechtspopulistische Plattform‘ mit ‚Ansätzen neurechten Denkens‘ handle. Wesentlich mehr ist jedoch nicht zu erfahren.“
NIUS fragte beim Verfassungsschutz Niedersachsen nach: Warum beobachtet er den YouTuber? Die Antwort überrascht:
„Es ist die Aufgabe des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, Anhaltspunkten auf den Verdacht von Extremismus nachzugehen. ‚Clownswelt‘ z. B. ist derzeit kein Beobachtungsobjekt des Niedersächsischen Verfassungsschutzes. Nach einer aktuellen Einschätzung des zuständigen Fachbereiches handelt es sich dabei um eine rechtspopulistische Plattform, die Ansätze neurechten Denkens aufweist.“
Das heißt: Der Verfassungsschutz beobachtet Clownswelt gar nicht, obwohl der Zeit-Artikel dies nahezulegen scheint. Denn die Zeit erwähnt zunächst die Beobachtung der Szene durch den Verfassungsschutz und zitiert dann die Einschätzung des YouTubers durch die Behörde, ohne zu erwähnen, dass diese Einschätzung nicht auf einer tatsächlichen Beobachtung seitens des Verfassungsschutzes beruht.

Dirk Pejril, Verfassungsschutzpräsident Niedersachsen, bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes Niedersachsen für das Jahr 2023.
Wusste der Zeit-Autor, dass der YouTuber nicht beobachtet wird, und ließ diese Information aus? Bis Redaktionsschluss antwortete die Zeitung auf eine entsprechende Anfrage von NIUS nicht. Allerdings hatte die Zeitung offensichtlich kein Problem damit, durch die geschickte Formulierung den Anschein zu erwecken, dass der Verfassungsschutz auch Clownie beobachte.
Die Formulierung der Zeit erinnert an die Geheimplan-Recherche des linken Medienhauses Correctiv. Dieses hatte im Januar 2024 über ein Treffen rechter Akteure in Potsdam berichtet und dabei in den Raum gestellt, dass bei dem Treffen die Vertreibung Millionen deutscher Staatsbürger nach ethnischen Kriterien geplant worden sei. Vor Gericht gab Correctiv später an, es handle sich lediglich um eine Meinungsäußerung der Journalisten, nicht um eine Tatsachenbehauptung.
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