Correctiv will 200.000 Euro mit obskurer Zaubertinte aus Grundgesetz-DNA einnehmen
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Das Medienportal Correctiv hat eine neue Einnahmequelle aufgetan. Noch im Januar animierte es mit seiner Geheimtreffen-Recherche Millionen von Deutschen zu Demonstrationen „gegen Rechts“. Während die Geschichte über vermeintliche Pläne von Rechten, Migranten aus ethnischen Gründen zu deportieren, längst in sich zusammengefallen ist, hat Correctiv eine neue Idee entwickelt, um die Demokratie zu „schützen“ – und davon selbst zu profitieren.
Im Zentrum des Projekts steht eine Grundgesetz-Tinte. Auf der Website der Initiative „DNA of Democracy“, mit der Correctiv kooperiert, heißt es dazu: „Mit den heutigen Möglichkeiten der Bio-Technologie wenden wir das ‚DNA-Data-Storage‘-Verfahren auf unser Grundgesetz an und speichern es vollständig in einer DNA-Sequenz. Mit Milliarden Kopien dieser DNA haben wir erstmals eine Tinte erschaffen, die das Grundgesetz in jedem Tropfen vollständig in sich trägt.“
Die Zaubertinte wird in Kristallphiolen abgefüllt, politische „Würdenträger:innen“ sollen sie „in ihren Amtstätigkeiten nutzen und so ein starkes Zeichen für unsere Verfassung setzen“. Der Werbefilm für die Tinte erinnert an eine Parfumwerbung. Das Projekt hat zahlreiche hochkarätige Partner wie die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die Telekom, die Deutsche Nationalbibliothek oder das Magazin Focus. Sogar Bundesminister wurden für die Zusammenarbeit gewonnen.
Welch zentrale Rolle Correctiv dabei vor allem in finanzieller Hinsicht zukommt, ist für Außenstehende auf den ersten Blick kaum zu erkennen.
Um die bizarre Ideologie hinter dem Projekt zu verstehen, lohnt es sich, die wissenschaftlichen Hintergründe der Tinte zu beleuchten: Wie verwandelt die Initiative das Grundgesetz in Tintenflüssigkeit?
Zunächst ließ sie dafür den Text der Verfassung in einen Binärcode übersetzen. Das ist ein Code aus Einsen und Nullen, wie er auch von einem Computer verwendet wird. Anschließend wurde dieser Code in DNA umgewandelt. DNA besteht aus vier Bausteinen: Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Die Reihenfolge, in der diese Bausteine in der jeweiligen DNA auftreten, bilden die Erbinformation. Ordnet man nun jedem der Bausteine eine Kombination aus Null und Eins zu, dann kann man den langen Grundgesetz-Binärcode in eine DNA-Information übersetzen.

Das DNA-Data-Storage-Verfahren ist kompliziert. Die Initiative verweist auf eine in „Nature communications“ erschienene Studie (Titel: Synthetic DNA applications in information technology).
Dieses Verfahren kommt üblicherweise in der Informationstechnologie zum Einsatz, etwa bei der Datenspeicherung. Die Grundgesetz-DNA ließ die Initiative von den Professoren Reinhard Heckel von der TU München und Robert Grass von der ETH Zürich entwickeln. Nachdem diese die DNA vermehrt und in mikroskopisch kleinen Glas-Kapseln verschlossen hatten, verarbeitete der spanische Künstler Solimán López die Kapseln zu einer Tinte weiter. Darin, so die Initiative, kann das Grundgesetz als DNA „theoretisch Millionen Jahre überdauern“.

Die Pressebilder der Initiative zeigen, wie der Künstler Solimán López die DNA-Kapseln mit Tinte vermengt.
Genetisch reine Tinte
Die Tinte soll laut der Initiative an die Unterzeichnung des Grundgesetzes durch Konrad Adenauer im Jahre 1949 erinnern. Zwei Bundesministern wurde die Tinte „medienwirksam überreicht“. So unterschreiben nach Angaben der Initiative Justizminister Marco Buschmann und Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (beide FDP) bereits „wichtige Dokumente“ damit.
NIUS wollte von den Ministern wissen, ob bei ihnen nicht ein Störgefühl entstehe, wenn sie – zu Ehren der Verfassung – mit einer Tinte unterschreiben, deren hervorgehobenes Merkmal eine reine DNA ist. Immerhin beruhte die Rassenlehre im Nationalsozialismus auf der Idee genetisch „reiner“ Blutlinien. Eine Lehre, auf deren Basis allein sechs Millionen Juden ermordet wurden. Zu einer Antwort konnten sich die Ministerien auch nach anderthalb Tagen nicht durchringen.
Die Tinte steht also für genau jene Bezüge zu nationalsozialistischer Ideologie, die Correctiv sonst bei „Rechten“ wittert und so entschlossen bekämpft: Ein biologistisches Verständnis von Grundrechten, das mit der Idee genetischer Reinheit einhergeht und auf einen Zeitraum von „Millionen Jahren“ angelegt ist. Warum also beteiligt sich Correctiv an dem Projekt?
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„Demokratie, muss“
Das Eigeninteresse des Medienportals wird deutlich, wenn man sich zwei weitere, mit der Grundgesetz-Tinte verknüpfte Projekte ansieht: In dieser Woche startete die Initiative eine Kampagne mit dem Titel „Demokratie, muss“. Zwölf Prominente – von Schauspielerin Katy Karrenbauer über Rapper Eko Fresh bis zu „Bahn-Vorständin“ Sigrid Nikutta – ließen sich dafür in der Pose von Konrad Adenauer bei der Unterzeichnung der Verfassung ablichten. Auf 5000 Plakaten in ganz Deutschland zeigt einer der Projektpartner, das Unternehmen Wall, auf Außenwerbeflächen die Fotos der Prominenten, jeweils versehen mit deren Botschaften zum Grundgesetz – sowie dem Hashtag #demokratiemuss und dem Link zur Website der Initiative.

Magdalena Rogl leitet die Abteilung Diversity and Inclusion bei Microsoft Deutschland und ist laut Plakat zudem als „Botschafterin für Emotionen“ tätig.
Viel öffentliche Aufmerksamkeit also, die Internetnutzer schließlich auf eine Spenden-Website lenkt: „Jetzt mitmachen“ und „Hier geht’s zum Crowdfunding“, schreibt die Initiative: „Neue Shootings, Events und Inhalte folgen – und dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung“. Auf der Crowdfunding-Seite werden Spendengelder gesammelt für ein Buch über das Grundgesetz, für das 146 Menschen porträtiert und „audiovisuell begleitet“ werden sollen: „Um das zu realisieren, werden wir in der Produktionsphase in erster Linie Reisekosten und Equipmentmiete für die Content-Erstellung bezahlen müssen.“ Umgesetzt wird das Buch im Correctiv-Verlag.
200.000 Euro will Correctiv auf diese Weise für die Buchproduktion einsammeln, wie das Medienportal gegenüber NIUS mitteilt. Zwar heißt es auf der Website der Initiative, die teilnehmenden Partner verdienten an dem Projekt kein Geld und stellten ihre Arbeitsleistungen unentgeltlich oder kostendeckend zur Verfügung. Faktisch nutzt Correctiv jedoch den Spendenaufruf und die begleitende Plakatkampagne, um zu finanzieren, dass die eigenen Mitarbeiter für das Grundgesetz-Buch durch Deutschland reisen können.
Falls beim Crowdfunding mehr Geld herausspringt, als für das Buch gebraucht wird, soll das überschüssige Geld laut der Initiative „in andere Demokratieprojekte“ fließen. Auf die Frage, um welche Demokratieprojekte es sich handelt, antwortet die Initiative: „Gerne können Sie als Empfänger der Gelder die gemeinnützige Correctiv GmbH angeben.“
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