Deutschlandfunk erörtert steile Thesen zu Klima und Kulturbetrieb
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Hitze und Fluten bedrohen Theater, Museen und Konzerte. Das jedenfalls wird im Deutschlandfunk behauptet. Lesen Sie hier von in ihrer Statik bedrohten Gebäuden, leeren Galerien und nur noch saisonal gezeigten Fotografien.
Der Klima-Hype ist vorbei? Stimmt – aber nicht im Deutschlandfunk (DLF). Dort gibt es keinen Themenbereich mehr, der nicht irgendwie mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht würde – ob Umwelt, Gesundheit, Migration, Tourismus, Verkehr oder Ernährung. Immer im Blick: die Transformation, die angeblich die „Klimakrise“ erfordert, eine Anpassung unseres Verhaltens, vor allem, wenn es um Konsumverzicht geht.
Anlässlich des Green Culture Festivals in Karlsruhe am 9./10. Juni, wo es um das „Zusammenspiel zwischen Klima und Kultureinrichtungen für die Gegenwart und die Zukunft“ ging, spricht die Moderatorin mit Sebastian Brünger von der Kulturstiftung des Bundes, dort zuständig für die Programmentwicklung Klima und Nachhaltigkeit.
Halb unter Wasser wegen des Klimawandels?
Schon ihre Einleitung hat es in sich: „Starke Hitze, Starkregen und Überschwemmungen bedrohen immer mehr kulturhistorische Gebäude. Die Uffizien in Florenz sind immer wieder davon betroffen. Auch Venedigs Kirchen und Museen leiden darunter. Andernorts schwitzen Kunstwerke bei zu hohen Temperaturen.“ Überschwemmungen betreffen Venedigs Kirchen und Museen? No shit, Sherlock! Und die Altstadt von Florenz hat bereits seit dem Mittelalter immer wieder mit Arno-Überschwemmungen zu tun.

Lage oder Klimawandel? Venedigs Kirchen und Museen und das Wasser.
Aber Herr Brünger glaubt an den Klimawandel und die große Hitze wie ein Erzkatholik an die Jungfrauengeburt. Wir erleben „immer mehr Klimawandel“, behauptet Brünger: „In den Theatern ist es im Sommer so heiß, dass obere Ränge nicht verkauft werden können. In den Museen ist es so warm, dass bestimmte Objekte nicht mehr gezeigt werden können.“
Nun ist es auf der Galerie schon immer wärmer, weil warme Luft nach oben steigt. Das ist aber Physik und kein neues Phänomen des von Brünger beschworenen Klimawandels. Zudem verfügen viele Häuser über Lüftungs- oder Klimaanlagen. Klimaanlage ist jedoch ein Wort, das in dem gut fünfminütigen Beitrag kein einziges Mal fällt – erstaunlich, wenn man seine Zeit damit verbringt, Überlegungen anzustellen, wie man sich auf große Hitze, so sie denn kommt, einrichtet. Manche Leute suchen ja im Sommer sogar extra Kinos und Museen auf, um die ersehnte Kühlung zu erleben.
Exnovation ist angesagt!
Von unverkauften oberen Rängen in geschlossenen Theatern hat man bis dato noch nicht gehört, die Info hat der DLF offenbar exklusiv. Aber Herr Brünger hat noch mehr Interessantes zu erzählen: nämlich, dass klassische große Gebäude „zum Teil selbst in ihrer Gebäudestruktur beeinträchtigt sind, weil zu viel Hitze zum Teil die Statik in den Gebäuden beeinträchtigt oder zu viel Wasser dann eben zu Wassereintritten führt“. Mitarbeiter und Zuschauer seien auch von Hitze betroffen – gut, dass Karl Lauterbachs Hitzepläne hilfreiche Ratschläge erteilen, etwa viel Wasser zu trinken oder sich leicht zu kleiden.
Resilienz ist das Stichwort, und „Exnovation“. Das ist das Gegenteil von Innovation, also eine gute Idee für Leute, die Deutschland gern zurückwerfen würden: das bewusste, strategische Beenden von „veralteten“ Praktiken, Technologien oder Produkten. Weniger ist mehr! Passt, weil Bund, Länder und Kommunen klamm sind und kein Geld für bauliche Veränderungen vorhanden ist. Also denkt Sebastian Brünger zusammen mit 20 Kultureinrichtungen darüber nach, welche Klimarisiken so bestehen könnten und wie sich der Kulturbetrieb darauf einrichten könnte.
Zum Beispiel, indem Kulturangebote „zum Teil nicht mehr zu den bislang gewohnten Jahreszeiten, zu den gewohnten Tageszeiten oder an den bislang gewohnten Orten stattfinden können“. Oder „saisonales Kuratieren, also die Erfahrung, dass bestimmte Objekte im Sommer nicht mehr zeigbar sind, weil es zu heiß ist, wie zum Beispiel Fotografien. Und dass man solche Objekte eben dann vielleicht nur noch in Nicht-Sommermonaten umsetzt oder im Nordflügel des Gebäudes.“
Schwelgen im Katastrophen-Modus
Was an der Behauptung stimmt: Fotografien (besonders analoge mit Gelatine-Schicht, Negative oder historische Prints) reagieren tatsächlich sensibel auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Hohe Temperaturen können (auch ohne Klimawandel) die Emulsion beschleunigt altern lassen, Verformungen oder Klebstoffprobleme verursachen oder in Kombination mit Licht zu schnellerem Abbau führen. Allein: Das ist kein neues Phänomen, das „der Klimawandel“ zeitigen würde, sondern seit Jahrzehnten Standardwissen in der Konservierung. Museen halten weltweit strenge Richtlinien ein (etwa ca. 16–20 °C und 40–55 Prozent relative Feuchtigkeit für Fotos). Viele nutzen „saisonales Gleiten“ – im Sommer etwas wärmer (bis ca. 25 °C), um Energie zu sparen, ohne die Objekte zu gefährden.

Wie lange werden wir Fotoausstellungen im Sommer sehen?
Deshalb stellen Museen weiterhin massenhaft Fotografien aus, wie aktuelle Ausstellungen wie „Smile!“ im Museum Ludwig Köln oder „Mining Photography“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigen. Eine Recherche ergab keine Meldungen über abgesagte oder entfernte Fotoausstellungen wegen Hitze.
Die Kultur könne so beispielhaft vormachen, was der Rest der Gesellschaft dann adaptiert, so die Wunschvorstellung Brüngers, der den deutschen Traum von der Vorreiterrolle träumt. Und wenn er sich das Problem erst einmal erschaffen muss, für dessen Lösung er sich und seine finanziell auf Rosen gebettete Stiftung hält. Man könnte ja mal an einem sonnigen Tag die „Biosysteme von historischen Schloss- und Gartenanlagen“ begutachten, die laut Brünger „akut (!) von extremen Hitzeperioden bedroht“ sind.
Kleine Anekdote zum Schluss: Der Veranstaltungsort des Green Culture Festivals in Karlsruhe heißt sinnigerweise Tollhaus.
Lesen Sie dazu auch: Fear and Loathing in Deutschlandfunk – ein Erlebnisprotokoll des Schreckens
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