Arte erfindet „pogromähnliche Zustände” gegen Italiener beim Sommermärchen 2006
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Die WM 2006 in Deutschland hat zu einem problematischen Patriotismus geführt, auf dessen Nährboden Pegida und die AfD gewachsen sind: Mit dieser absurden Behauptung wird in der Arte-Doku „Flagge auf der Brust – Fashion oder Patriotismus?“ das Tragen von deutschen Trikots im Speziellen und Nationalstolz im Allgemeinen zum Problem erklärt. Doch es wird noch absurder.
„Natürlich verbindet Fußball auch, aber genauso gab es pogromähnliche Zustände in ländlichen Gebieten. Nachdem Deutschland gegen Italien rausgeflogen ist, wurden Pizzerien angegriffen, wurden Menschen durch die Straße gejagt.“
Mit diesen Worten untermalt Zitatgeber und Regisseur Juri Sternburg seine Behauptung, dass „Party-Patriotismus“ und ein positives Nationalgefühl zu „Pegida und zur AfD geführt“ hätten.

Rapper Pimf kommt in der Arte-Doku zu Wort.
Keine Nachweise für angebliche „Pogrome“
Allerdings: Weder Bundeskriminalamt noch Innenministerium konnten auf Anfrage konkrete Vorfälle nennen, auf die die Beschreibung passen würde, in einer Antwort hieß es: „Dem BKA liegen keine Erkenntnisse vor, wonach es bei der in Deutschland stattgefundenen Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Zusammenhang mit der Niederlage von Deutschland gegen Italien zu „pogromähnlichen Zuständen“ gekommen sein soll.“
Arte antwortete auf eine NIUS-Anfrage, welche Vorfälle konkret gemeint seien, nicht. Auch Medienberichte aus jener Zeit, die von gewaltsamen Unruhen oder gar systematischen Angriffen auf italienische Restaurants oder Fans nach der Partie im Jahr 2006 zeugen würden, finden sich nicht, auf den Straßen blieb es weitgehend friedlich.
Stattdessen betonte die damalige Berichterstattung nach dem Halbfinale überwiegend, dass die Niederlage zwar schmerzhaft gewesen sei, die deutschen Fans sie allerdings mit Fassung trügen. Bilder von Fanmeilen dokumentieren das friedliche Nebeneinander von enttäuschten deutschen Fans und feiernden Italienern, nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Nur vereinzelt meldete die Polizei Rangeleien und kleinere Zwischenfälle.
Fragwürdige Behauptungen
Doch die fragwürdige Behauptung des Regisseurs ist nur eine von zahlreichen Passagen der Dokumentation, die einen als Zuschauer ratlos zurücklassen. So kommt der Rapper Pimf zu Wort, der erklärt: „Ich hab gar keinen Bock, dass dann da irgendwelche Bilder auftauchen von Fanmeilen, wo die sagen so: ‚Ja, guck doch mal, wie schön das alles sein kann und wie friedlich hier die Deutschen feiern können.' Das ist unangenehm und es ist gefährlich, weil wir allgemein, aber auch in Deutschland eine sehr angespannte politische Lage haben, sehr viele marginalisierte Gruppen sehr krass an den Rand gedrückt werden.“

Jubelnde Italiener und enttäuschte deutsche Fans bei der WM 2006.
Auch schildert der Rapper, er könne es nachvollziehen, dass in anderen Ländern, die „eher marginalisiert“ seien, „über diese Gemeinschaft irgendwie auch eine Stärkung stattfindet und dementsprechend man sich unter einer Fahne so ein Zusammenhalt zieht“. Das sei aber in Deutschland „wie in vielen anderen westlichen Großmächten“ für ihn nicht der Fall.
Pimf berichtet davon, dass er immer wieder mit der Frage konfrontiert werde: „Warum dürfen alle anderen das, und warum dürfen nur wir Deutsche das nicht?“ Seiner Auffassung nach transportierten „verschiedene Trikots natürlich auch immer einen eigenen Vibe“, und so sei der kurdische Freiheitskampf „eine ganz andere Geschichte“ als der deutsche Kolonialismus. „Wenn ich ein Trikot trage mit einer kurdischen Flagge drauf, erzählt das was ganz anderes.“
„Sind Poldi, Klinsi & Co. schuld am Rechtsruck in Deutschland?“ Diese bizarre Frage wurde in einem Video der Bundeszentrale für politische Bildung im Format „Politik raus aus den Stadien“ gestellt.
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