Die mediale Brandmauer beginnt zu brechen: SZ, FAZ und nun auch BILD für Minderheitsregierung
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Die sogenannte „Brandmauer“ zur AfD, sie bröckelt. Nicht nur in Diskussionen an CDU- oder CSU-Stimmtischen, auch in den Medien. Binnen weniger Tage haben sich nun drei große, überregionale Medien dafür starkgemacht, die „Brandmauer“ zu überdenken.
„Statt Brandmauer: Streit in die AfD hineintragen!“, kommentiert BILD-Chefredakteurin Marion Horn in der Sonntagsausgabe der Zeitung. Die AfD habe Recht, schreibt Horn, wenn sie CDU/CSU und SPD für alle die Probleme, die Deutschland hat, verantwortlich macht - schließlich hätten beide Parteien seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam oder einzeln zu jeder Zeit Verantwortung getragen.
Weiter schreibt Horn, würde die „Brandmauer“ es der AfD leicht machen, „ihre begrenzte Politikfähigkeit zu verbergen“. Die BILD-Chefin glaubt: „Nur wer den Streit in die AfD hineinträgt, kann sie entzaubern.“ Das habe die Debatte um eine Wehrpflicht gezeigt, bei der die AfD sich auf keine einheitliche Linie habe einigen können. Horns Conclusio: „Wir brauchen Reformen, die wirklich etwas verändern. Oder – wenn das nicht gelingt – Neuwahlen. Und ja, neue Wege sind erlaubt: eine Minderheitsregierung etwa, wie sie in vielen Demokratien funktioniert.“

So hat BILD den Kommentar von Chefredakteurin Marion Horn digital aufgemacht.
BILD ist nun die dritte überregionale Zeitung, die ihre Blattlinie weg von der „Brandmauer“ hin zu einem Miteinbeziehen der AfD ändert. Zuvor hatte bereits Claudius Seidl von der Süddeutschen Zeitung in einem Essay gefordert: „Zeit, dass die Konservativen in diesem Land die Rechtsextremen in die Verantwortung nehmen.“
In der vergangenen Woche erschienen Text heißt es wörtlich: „Man könnte also fragen, ob, wenn man die Lügner überführen und die Leerheit der Versprechen demonstrieren wollte, es wirklich hilfreich wäre, die Mauer noch ein bisschen höher zu bauen. Oder ob man die Fiktion besser dadurch zerstört, dass man sie mit der Realität konfrontiert.“ Seidl beschreibt die „Brandmauer“ als sichere Abschottung vor realer, politischer Verantwortung, hinter der man es sich einigermaßen risikofrei bequem machen könnte.

Claudius Seidl war von 2001 bis 2020 Feuilletonchef der FAZ und arbeitet seit 2025 für die SZ.
Auch in der Frankfurter Allgemeine Zeitung schlägt der Ton um, weg von „Brandmauer“. Jürgen Kaube schreibt unter dem Titel „Prinzipienreiterei (der Brandmauer-Befürworter) ruiniert die Republik“ wörtlich: „Aus falschem Geschichtsbewusstsein wird eine Lösung verschmäht, die sich in Nachbarländern bewährt hat – eine Minderheitsregierung.“ Die gefährliche Prognose, die Kaube aufstellt, sollte man am „Brandmauer“-Credo bedingungslos festhalten: „Am Ende sind alle ihren Prinzipien treu geblieben, aber die Republik ist ruiniert.“
Die Debatte, die die Union-Promis Andreas Rödder, Peter Tauber und Karl-Theodor zu Guttenberg losgetreten hatten und die CDU-Chef Friedrich Merz erfolgreich wieder hat austreten können, hat sich auf konservative Medien (BILD, FAZ) und eben auch ein links-liberales Medium übertragen wird seit Tagen nun prominent in der Öffentlichkeit geführt.
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