„Dringender Plagiatsverdacht! Bundesdeutsche Medien geplündert!“: Plagiatsjäger Weber schreibt Brand-Brief an SZ-Chefredaktion
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Die angeschlagene Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung gerät immer weiter unter Druck. Ist der Plagiatsskandal um Vize-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid noch viel größer als gedacht?
NIUS liegt eine brisante E-Mail von Plagiatsjäger Stefan Weber vor, die direkt und persönlich an die Chefredaktion um Wolfgang Krach und Judith Wittwer gerichtet ist. In dieser erhebt er schwere Vorwürfe.
Weber schreibt: „Ich muss Ihnen mit dieser E-Mail die bedauerliche Mitteilung machen, dass ein dringender Plagiatsverdacht bei hunderten Artikeln von Alexandra Föderl-Schmid besteht. Das hat nun nichts mehr mit bloßer journalistischer Nichtnennung der Quellen zu tun, das berührt jetzt wohl handfest Geschäftsmodelle und Urheberrechte der Mitbewerber. Es stellt sich ja die Frage, warum Ihre Abonnenten für Inhalte bezahlen sollen, die vorher schon genau so bei Mitbewerbern zu lesen waren.“

Die stellvertretende Chefredakteurin wurde aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen.
Weber will „mehrere tausend Artikel“ überprüfen
Nach den ersten Funden von Textübernahmen in Artikeln von Alexandra Föderl-Schmid hat Kommunikationswissenschaftler Weber erneut zahlreiche problematische Textstellen gefunden – und zwar im Rahmen einer „Big Data Analyse“. Weber hat nach eigenen Angaben eine Überprüfung von „mehreren tausend Artikeln“ der Journalistin begonnen. „Ehrenamtlich und ohne bezahlten Prüfauftrag“, wie er betont. Das Gutachten über die Doktorarbeit von Föderl-Schmid hatte Weber im Auftrag von NIUS erstellt, nach einer Konfrontation mit dem Ergebnis („schwerwiegender Plagiatsverdacht“) hatte sich die SZ-Vize-Chefin aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.
Jetzt folgt die nächste Runde. Nach der Auswertung der ersten 69 von 8.000 Seiten kommt Weber zu dem Ergebnis: „Fast durchgehend taucht das Muster auf, dass Frau Föderl-Schmid für ihre Online-Berichte als Berlin-Korrespondentin des Standard Textpassagen übernommen hat, die bereits tags zuvor vorwiegend in Spiegel oder Stern online zu lesen waren. In nur ganz wenigen Fällen fußen diese Übereinstimmungen erkennbar auf Agenturmeldungen. Bei sehr vielen Artikeln aus der Süddeutschen wurden ebenfalls bundesdeutsche Medien geplündert.“
Weber liefert zwei Plagiats-Beispiele, die aus einem Text der SZ-Autorin stammen, die 2013 das Buch „Journalisten müssen supersauber sein. Anspruch und Wirklichkeit in der Medienwelt“ veröffentlicht hatte:


„Zahllose Plagiate“
NIUS fragte bei Weber nach: Handelt es sich meist um dasselbe Muster, das schon bei vorherigen Textstellen der früheren Israel-Korrespondentin Föderl-Schmid auffällig war? Stand also über dem Artikel der Autorenname und eine Ortsmarke wie „Tel Aviv“, während im Text Passagen aus Meldungen von Nachrichtenagenturen übernommen wurden? Ortsmarken suggerieren im Journalismus eigentlich einen eigenständigen Bericht von vor Ort, der ohne Versatzstücke aus Agenturmeldungen auskommt. Oder gibt es bei Föderl-Schmid auch mehrere direkte Plagiate aus anderen Autorenstücken, deren Inhalte nicht aus Nachrichtenagenturen stammen?
Weber bestätigt gegenüber NIUS, dass es „zahllose Plagiate“ gebe, „auch von Texten, bei denen Agenturmeldungen auszuschließen sind“. Der 53-Jährige hat sich nun also erstmals selbst bei der Süddeutschen Zeitung gemeldet und bittet um Aufklärung. Seit dem 18. Dezember lägen dem Blatt die ersten Plagiatsverdachte vor. Was habe die SZ seitdem unternommen, will Weber wissen. Welche Konsequenzen würden gezogen werden? NIUS hat die SZ-Chefredaktion gefragt, was sie über die Weber-Mail denkt und wie sie reagieren wird. „Die Universität Salzburg und die externe Kommission werden die Dissertation von Frau Föderl-Schmid beziehungsweise die Vorwürfe zu den journalistischen Texten prüfen“, antwortet ein Sprecher der Südwestdeutschen Medien Holding GmbH. „Solange diese Prüfungen dauern, möchten wir uns zum Gegenstand der Prüfungen nicht weiter äußern.“
Chaostage bei der Süddeutschen Zeitung

Chefredakteur Wolfgang Krach steht neben Alexandra Föderl-Schmid und den Redaktionsmitgliedern Judith Wittwer und Ulrich Schäfer bei der Nacht der Europäischen Wirtschaft.
Nach den ersten Berichten über Plagiate in Texten von Föderl-Schmid durch den Medieninsider und der Veröffentlichung von Gesprächen aus der Redaktionskonferenz hatte sich die Chefredaktion der SZ um Wolfgang Krach auf die Suche nach dem internen Maulwurf begeben. Dafür wurde in Absprache mit dem Betriebsrat die interne Mail-Kommunikation durchleuchtet. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ zeigte sich alarmiert: „Wir sehen den Quellenschutz in Gefahr!“
In der Welt gab der Betriebsrat nun zu: „Aus heutiger Sicht würden wir von so einer Überprüfung abraten, weil sie zu vielen möglichen Missinterpretationen unterliegt, wie man derzeit ja erleben kann. Aber im Nachhinein ist jeder schlau.“ Die Chaostage bei der Süddeutschen Zeitung dürften sich mit den Enthüllungen von Stefan Weber weiter fortsetzen.
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