Ein ordnungspolitischer Tabubruch: Wie sich ARD-Journalisten für eine plumpe Polit-Propagandashow hergeben
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So peinlich kann Fernsehen sein: Knallharte Polit-Propaganda, getarnt als Pro&Contra-Spielshow und moderiert von ach so seriösen Tagesschau-Moderatoren zur Primetime – da verschlägt es auch hartgesottenen Konsumenten der öffentlich-rechtlichen Sender die Sprache. Warum machen die so was?
Schade, dass Karl-Eduard von Schnitzler das nicht mehr erleben konnte: Seine Propaganda-Show „Der schwarze Kanal“, die übrigens auch montagabends lief, wurde gestern vom Ersten in den Schatten gestellt: Knapp eine Woche vor der Landtagswahl in Brandenburg gab der Staatsrundfunk noch einmal alles, um der AfD zu schaden, allerdings nicht in der x-ten einseitig besetzten Polit-Talkshow, sondern in einem Ambiente, das an Michael Schanzes Kinder-Spielshow „1, 2 oder 3“ erinnerte („Ob Ihr recht habt oder nicht, sagt euch jetzt das Licht“).
100 Bürger, die mit riesigen Schmetterlingsnetzen auf der Straße eingefangen worden sein müssen, sollten sich zur besten Sendezeit im Format „Die 100 – was Deutschland bewegt“ zur rechten Oppositionspartei positionieren: „Ist die AfD eigentlich ein Problem?“, wird scheinheilig gefragt, als wäre nicht seit Gründung der Partei vor über einem Jahrzehnt alles getan worden, um sie bei jeder Gelegenheit als Wiedergänger der Nationalsozialisten zu framen. Dass die Staatsfunker die AfD für ein Problem halten (und umgekehrt) ist klar, nur muss jetzt auch allgemeine Sorge um die Demokratie suggeriert werden.
Journalisten sorgen für den seriösen Anstrich
Getreu dem Walter-Ulbricht-Motto „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“ simulieren die Gehirnwäscher vom Ersten eine Pro- und Contra-Situation. Für die vermeintliche Seriosität des Unternehmens bürgt als Moderator Tagesthemen-Mann Ingo Zamperoni, der einst der Augsburger Allgemeinen mitteilte: „Gerade in Zeiten wie diesen sollten Journalisten nicht als Aktivisten auftreten.“ Und es sei „nicht unsere Aufgabe, eine Strömung, eine Partei oder irgendwas zu verhindern oder zu befördern.“

Ingo Zamperoni will „kein Aktivist“ sein und „eine Partei weder verhindern noch befördern“, gibt sich aber für eine Anti-AfD-Show her.
Anna Planken vom WDR (unter anderem ARD-Morgenmagazin) musste Argumente gegen die Ausgrenzung der AfD referieren (wurde so ausgelost, sagt sie), und der Kindern als „Checker Tobi“ bekannte Tobias Krell durfte so richtig vom Leder ziehen. Er zeigte kontextlose Schnipsel aus Reden von AfD-Politikern, um „eine ganze Menge Abwertung, Ablehnung, auch Hass“ darin zu sehen, einen Angriff auf „unser Verständnis von Wahrheit und Wissenschaft“, denn Meinungen würden Fakten ersetzen und das sei „gefährlich für die Demokratie“.
Checker Tobi muss sich nicht zwingen, diese Argumente aus dem links-grünen Arsenal zu fischen, dass er die AfD hasst, bekundet er ganz offen. Auf der Plattform X etwa verwendete er den Hashtag „FckAfd“, und die schrankenlose Migration befürwortet der „Refugees-welcome“-Mann natürlich auch.
Sein „Checker EXTRA – Warum so viele Menschen fliehen“ von 2015 wurde mit dem „Emil 2016“ ausgezeichnet. In diesem Film wurden etwa Menschen in einem Lager im Libanon gezeigt: „Die Bilder der dicht gedrängten Zelte und die stummen Tränen einer Mutter bleiben lange im Gedächtnis. Sie machen klar: Es herrscht Not, und wir müssen sie lindern.“ Müssen wir? Und warum kommen dann keine weinenden Frauen und Kinder, sondern junge Burschen im Kämpfer-Alter über unsere Grenzen?
Wie auch immer: Auch das Elend im deutschen Fernsehen ist nicht ohne, wie „Die 100“ nunmehr eindrucksvoll bewiesen haben. Es dürfte nicht wenige Zuschauer geben, die lieber im Abklingbecken von Tschernobyl planschen würden als sich diese harte, aber unfaire, als Spielshow getarnte einstündige Propaganda-Show anzusehen. Immerhin 1,77 Millionen Gebührenzahler taten sich den Tort an, ob auch masochistische AfD-Wähler darunter waren, ließ sich noch nicht ermitteln. Die 18,36 Euro im Monat nimmt die ARD aber auch von Rechts- und Protestwählern gern.

Der mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete „Checker Tobi“ servierte lupenreine Propaganda.
Sogar der Holocaust muss für die Agitprop-Show herhalten
Ja, was?!, wird man beim Ersten fragen. Wir haben doch immerhin so getan, als ginge es um echte Argumente und Diskurs! Gut, das Ergebnis stand schon vorher fest, auch wenn etwa eine alte Dame vom Drehbuch abwich, aber wenn ein Michel Friedman, Sohn von Shoah-Überlebenden, eingespielt wird, der vom gepackten Koffer seiner Eltern erzählt, für den Fall, dass das Böse wiederkehrt, dann haben wir doch wirklich alles gegeben! Ob es wirklich die AfD ist, vor deren Hass sich „Schwule, Juden, queere und schwarze Menschen“ fürchten müssen oder nicht eher junge aggressive Männer aus hochproblematischen Gewaltkulturen, in denen Antisemitismus, Rassismus gegen farbige und Hass auf sexuelle Minderheiten gang und gäbe sind, fragen wir da lieber nicht.
Lula und Maduro können von uns lernen, wie man eine politische Botschaft als Show verkauft. So wie handverlesene „Bürgerräte“, die nach allen aktuellen Umfragen vom Wähler verschmähte grün-linke Politik unterstützen, gar zu noch mehr repressivem Handeln ermutigen, traten hier Menschen auf, die ganz überwiegend unsere Meinung unterstützen, dass die AfD das Problem unserer Zeit ist und nicht etwa islamische Masseneinwanderung, Kriminalität oder wirtschaftlicher Niedergang.
Die 100 Bürger, die sich nicht zu schade waren, bei unserer Demokratie-Simulation mitzuspielen, waren auch nicht alle ganz zufällig da. Ein Herr, den wir als Bürokaufmann vorstellen ließen, ist zum Beispiel Schauspieler, wirkte in einem „Tatort“ mit. Man sollte ja nichts dem Zufall überlassen, wenn es gilt, eine bestimmte Message rüberzubringen. Im Medienstaatsvertrag steht zwar, dass wir „Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit“ zu wahren haben, aber wenn wir erst einmal eine Gefahr für die Demokratie erkennen, und sei es auch nur die Möglichkeit eines friedlichen Machtwechsels, hat die Haltung doch Vorrang.
Hochgradig manipulativ war die Sendung gerade deswegen, weil sie vermeintlich seriös daherkam: Tagesschau-Journalisten, die man stets für einen Ausbund an Glaubwürdigkeit hielt, gaben sich für eine Propaganda-Show her. Gleichwohl war sie auch definitiv zu plump, als dass man die Absicht dahinter übersehen könnte.
Mit dieser Anti-AfD-Show zur besten Sendezeit dürfte sich das Erste keinen Gefallen getan haben. Vielmehr haben diese 60 peinvollen Minuten den Befürwortern der Abschaffung oder zumindest einer umfassenden Reform des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ein weiteres bestechendes Argument geliefert.
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