Filmkritik zu „Napoleon“: Ein legendärer Feldherr, ein legendärer Filmemacher. Was soll da schon schiefgehen?
Ein Beitrag von
- „Napoleon“ besticht durch fulminante Schlachtenszenen.
- Er hat aber auch unfreiwillig komische Momente, die unnötig ablenken.
- Spätestens ab der Hälfte findet der Film aber seine Spur.
Napoleon Bonapartes Bekanntheit zweihundert Jahre nach seinem Tod rührt hauptsächlich aus zwei überlieferten Fakten: seiner mangelnden Körpergröße und dem ihm zugeschriebenen militärischen Genie.
Mit rsterem lässt sich leicht aufräumen, da man inzwischen annimmt, dass der „kleine“ Feldherr ohne Hut ansehnliche 1,68 Meter groß gewesen sein soll – was zu seiner Zeit tatsächlich nicht als kleinwüchsig galt, sodass man sich wundert, warum wir heutzutage nicht von einem Scholz- oder Kühnert-Komplex (beide nur 1,70m) reden.

Das Filmplakat zu „Napoleon“
Mit seinem militärischen Ruf erweist sich die Betrachtung aus dem historischen Rückspiegel schon etwas schwieriger – schließlich gewann er viele Schlachten durch sehr unkonventionelle strategische Schachzüge, die aber im Nachhinein nur als brillant gelten, weil sie zu einem erfolgreichen Ergebnis führten. Die Schlacht von Waterloo endete wiederum in einem kompletten Desaster, einem Eintrag im Duden und einem ABBA-Song.
Ambitioniert, taktisch brilliant und ein wenig notgeil
Ridley Scotts lang erwartetes Epos „Napoleon“ soll uns diesem Mann und sein Leben nun nahebringen – keine leichte Aufgabe, weil es sich bei ihm um ein geschichtliches Enigma handelt, das viele Historiker und den einen oder anderen Filmemacher (Stanley Kubricks Traumprojekt zur Zeit seines Todes war ein Napoleon-Film) die eine oder andere schlaflose Nacht gekostet haben mag.

Regisseur Ridley Scott am Set von „Napoleon“
Gespielt von Joaquin Phoenix, lernen wir hier einen Mann kennen, der sich ungern in die Karten schauen lässt. Geradezu regungslos beobachtet er die Enthauptung von Marie-Antoinette, wandelt durch die Straßen des post-aristokratischen Paris – aber hat auch schnell einen Plan zur Hand, wenn es darum geht, die verhassten Engländer wieder auf ihre regnerische Insel zu entsenden.
Phoenix‘ junger Napoleon ist mutig, unkonventionell und enorm ambitioniert, aber irgendetwas fehlt in seinem Leben und kommt – wie sollte es anders sein – in der Form einer bildschönen Frau.
Und ewig lockt das Weib
Diese hieß bekanntermaßen Joséphine de Beauharnais, eine Kriegswitwe von so großer Schönheit, dass Bonaparte sie über kurz oder lang zu seiner Gattin – und damit Kaiserin von Frankreich und Königin von Italien machte. Bis zur Annullierung besagter Ehe, da Napoleon aus taktischen Gründen in das österreichische Kaiserreich einheiraten musste – was damals so etwas wie einen Koalitionswechsel darstellte.
Bevor dies geschah (und noch Jahre später) war sie die Frau an seiner Seite und in seinem Bett, eine historische Fußnote, die Ridley Scott und Drehbuchautor David Scarpa ausgiebig dazu nutzen, um Napoleon als, sagen wir mal, ein wenig triebgesteuert darzustellen. Unbeholfen kriecht er unter die festlich gedeckte Tafel, um ihre intimeren Regionen zu erkunden, grunzt und gibt dem Zuschauer das Gefühl, dass er hier mit seinem „kleinen Napoleon“ denkt.

Macht es erzählerisch Sinn, ihn auf seine Triebe zu reduzieren?
Ja und Nein. Die inzwischen legendäre Liebesgeschichte von Napoleon und „seiner“ Joséphine muss in diesem Epos eine Hauptrolle spielen – genauso, wie seine taktische Klugheit und sein Mut als Feldherr. Dennoch gehört es zur erzählerischen Kunst in Film und Literatur (und Tabloids), den Protagonisten erst aufzubauen, um ihn dann nachher vom figurativen Sockel zu reißen. Dass dies zum Ende des Films noch kommen wird, weiß sowieso jeder, der ABBAs „Waterloo“ auch nur summen kann – und leider scheinen viele der Lacher im Film eher der unfreiwilligen Natur zu sein, da bislang weder Ridley Scott („Blade Runner“) noch Autor Scarpa („The Man in the High Castle“) im Laufe ihrer respektiven Karrieren durch ein Übermaß an Humor aufgefallen sind.
Dennoch liefert der Film großes Kino
Glücklicherweise enden diese holperigen Momente ungefähr zur Mitte des Films und werden durch eine leidenschaftliche Beziehung zwischen den beiden Liebenden ersetzt, die man mit Liebe und Mitgefühl in den Vordergrund stellt – was besonders Vanessa Kirby (die junge Prinzessin Margaret aus „The Crown“) zu verdanken ist, die ein perfektes, attraktives Gegenstück zum leicht verknöcherten – wenn auch dennoch beeindruckenden – Joaquin Phoenix darstellt und dafür durchaus in der Oscar-Saison belohnt werden könnte.
Auch die Schlachten enttäuschen nicht – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Ridley Scotts fulminantes Spielfilmdebüt „Die Duellisten“ in der Zeit der Napoleonischen Kriege angesiedelt ist und er seitdem nichts verlernt zu haben scheint.

Zu große Erwartungen werden nur zum Teil erfüllt
Vielleicht ist das auch das Problem, mit einem Film wie „Napoleon“. Ein legendärer Feldherr, ein legendärer Filmemacher. Was soll da schon schiefgehen? Nach Murphys Gesetz („Was schiefgehen kann, geht auch schief“), jede Menge.
Dennoch ist „Napoleon“ mit Sicherheit einer der wichtigsten und bemerkenswertesten Filme der Vorweihnachtszeit. Nicht perfekt, aber das war der Protagonist des Films ja auch nur, solange er seine Schlachten gewann.
Mehr NIUS:
Bayerischer Rundfunk hängt sich riesiges queeres Tripper-Plakat an die Zentrale
So wettern deutsche Medien gegen die WM
Collien Fernandes über ihren Kampf gegen digitale Gewalt: „Und dann dachte ich, okay, Luisa Neubauer ist schon mal auf meiner Seite”
Sibel Kekilli über Gewalt in ihrer türkischen Familie: „Dort ist meine Großcousine im Kreis verprügelt worden, weil sie einen Freund hatte”
ARD bastelt an „Trusted Content“: KI-Inhalte sollen aus „verlässlichen“ Quellen kommen
Micky Beisenherz erzählt stolz, wie sein Fußballverein AfD-Sympathisanten rauswirft
Gabor Steingart vergleicht Kanzler Merz mit SED-Führer Walter Ulbricht
ORF-Stream bricht bei Österreich-Sieg zusammen: Fans verpassen entscheidende Tore
Mehr NIUS:
Sibel Kekilli über Gewalt in ihrer türkischen Familie: „Dort ist meine Großcousine im Kreis verprügelt worden, weil sie einen Freund hatte”
ARD bastelt an „Trusted Content“: KI-Inhalte sollen aus „verlässlichen“ Quellen kommen
Micky Beisenherz erzählt stolz, wie sein Fußballverein AfD-Sympathisanten rauswirft
Gabor Steingart vergleicht Kanzler Merz mit SED-Führer Walter Ulbricht
ORF-Stream bricht bei Österreich-Sieg zusammen: Fans verpassen entscheidende Tore
„Du bist gut genug“: Wird diese Jammer-Hymne der Sommerhit 2026?
Nach Musk-Abmahnung: ZDF kürzt Beitrag „aus rechtlichen Gründen“
Als Beispiel für Müll nennt Funk die Bibel
Karsten Kastelan
Artikel teilen
Kommentare